Haneke und das Kronprinzenpaar

© APA/Ballesteros

Spanien
10/25/2013

Haneke nahm Prinz-von-Asturien-Preis entgegen

Der österreichische Regisseur wurde mit dem „spanischen Nobelpreis“ ausgezeichnet.

Der österreichische Regisseur Michael Haneke ist am Freitag mit dem international renommierten Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Kunst ausgezeichnet worden. Die als „spanischer Nobelpreis“ bekannte Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert und wird seit 1981 jährlich in acht Sparten vom spanischen Thronfolger und Prinzen von Asturien Felipe vergeben.

Der 71-Jährige Filmemacher beleuchte in „meisterhafter Weise finstere Aspekte der menschlichen Existenz“, wobei seine Filme mit „radikaler Aufrichtigkeit individuelle und kollektive Probleme behandeln“, erklärte Kronprinz Felipe während des Festaktes im Theater Campoamor im nordspanischen Oviedo. „Er ist einer der größten Poeten der menschlichen Seele. Seine tiefsinnigen Filme sind wie Handbücher der menschlichen Psychologie“, hob Jury-Mitglied und Kunstexpertin Elena Ochoa Foster gegenüber der APA die Bedeutung Hanekes als „Bezugspunkt für das Kino der Gegenwart“ hervor.

Krise - auch beim Film

Haneke bedankte sich für diesen „schönen und gleichzeitig schwerwiegenden Preis“ und erinnerte in seiner Ansprache nicht nur an die schwere Situation, die vor allem das europäische Kino in den aktuellen wirtschaftlichen Krisenzeit durchmache, sondern auch an die hohe Verantwortung der Regisseure, in einer Kunstart, die wie keine zweite die Macht der Manipulation besitze.

In Spanien, genauer gesagt in Madrid, habe er zuletzt erneut die Bedeutung von Kunst und ihrer Wirkung gespürt, so Haneke. Während er Anfang des Jahres in Madrid seine Mozart-Opfer „Cosi fan tutte“ einstudierte, sei er oft ins Prado-Museum gegangen. Dabei hätten ihn Goyas „schwarzen Bilder“ so fasziniert und gleichzeitig erschüttert, dass er sich erneut bewusst wurde, das Kunst vor allem auch ein Dialog zwischen Künstler und Betrachter sei. „Er ist die Basis der Kunst. Ein Regisseur, der den Zuschauer nicht ernst nimmt, hat auch kein Interesse zum Dialog“, sagte Michael Haneke in Oviedo.

Der Prinz-von-Asturien Preis ist in diesem Jahr eine der wichtigsten Ehrungen für Haneke, der 2013 bereits für sein beeindruckendes Liebes- und Sterbedrama „Amour“ mit der Goldenen Palme von Cannes, dem Golden Globe und dem Auslands-Oscar gekürt wurde. Vor ihm wurden in der Sparte Kunst Persönlichkeiten wie Oscar Niemeyer, Antoni Tapies, Bob Dvlan oder Norman Foster ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr ging der Preis an den berühmten spanischen Architekten und Pritzker-Preisträger Rafael Moneo. Auch andere Filmregisseure wie Woody Allen oder Pedro Almodovar wurden bereits mit dem begehrten „spanischen Nobelpreis“ in der Sparte Kunst geehrt. Für ihre Fähigkeit, ähnlich wie Haneke mit einer Kamera in die Seelen der Menschen schauen zu können, erhielt die amerikanische Star-Fotografin Annie Leibovitz in diesem Jahr den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Kommunikation und Humanwissenschaft. Mit ihren Bildern und Porträts von Protagonisten aus Politik, Literatur, Kunst und Sport habe die 63-Jährige eine ganze Epoche festgehalten, so die Jury.

Higgs ausgezeichnet

Der spanische Schriftstellter Antonio Munoz Molina erhielt unterdessen für den Tiefgang seiner Werke und seinen brillanten Stil“ mit dem Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur geehrt. Die frisch gebackenen Physik-Nobelpreisträger Francois Englert und Peter Higgs konnten sich hingegen auch über die spanische Nobelpreisversion freuen, die Prinz Felipe den beiden Forschern zusammen mit dem Europäischen Kernforschungszentrum CERA in der Sparte Wissenschaft und Forschung überreichte. Das Higgs-Teilchen gilt als letzter unbekannter Baustein der Materie und deren Entdeckung sei „ein Musterbeispiel dafür, dass Europa ein gemeinsames Unternehmen zur Klärung der tiefsten Rätsel der Physik anführen kann“, betonte die Jury.

Besonderen Applaus gab es auf dem Festakt im nordspanischen Oviedo vor allem für die spanische Blindenverband Once, die in der Sparte Völkerverständigung als „Vorbild für die Unterstützung von Behinderten“ geehrt wurde. Der Blindenverband habe in seinem 75-jährigen Bestehen die Würde und Lebensqualität von Millionen Behinderten in Spanien gefördert und zu deren Integration in die Gesellschaft beigetragen.

Während der Preis für „internationale Zusammenarbeit“ an die angesehene deutsche Max-Planck-Gesellschaft ging, konnte sich der spanische Golf-Profi Jose Maria Olazabal gegen Weltfußballer Lionel Messi vom FC Barcelona und der para-olympischen Schwimmerin Teresa Perales durchsetzen. Für ihre Studien über Stadtsoziologie und Globalisierung erhielt die niederländisch-amerikanische Soziologin Saskia Sassen den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Sozialwissenschaften.

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