Kultur
20.04.2017

"Haben kein Problem mit Fake News"

Was sind eigentlich Fake News? Und wie erkennt man sie? Oft an der Quelle, sagt APA-Expertin Katharina Schell. Ein Leitfaden.

Wer mit Katharina Schell über das Fake News sprechen will, tut gut daran, zuerst die Begrifflichkeiten gerade zu rücken. Denn: "Falschnachrichten gab es immer schon – entweder durch Fehler oder weil man Scherzen aufgesessen ist. Das wurde dann richtig gestellt und damit hatte es sich." Was Fake News sind, sind viel mehr "gefälschte Nachrichten", argumentiert Schell, die Medienjournalistin und Mitglied der Chefredaktion in der APA ist. Also: "Informationen, die so tun, als wären sie Journalismus, aber eine bestimmte Absicht hegen, mit der diese ,Nachrichten‘ verbreitet werden."

Die Journalistin stellt danach einen überraschenden Befund aus: "Es gibt hierzulande kein Problem mit Fake News, also plumpen Lügen", sagt Schell. Sie arbeitet im Medialab der Nachrichtenagentur APA an einem Tool, das die Navigation durch unsichere Quellen erleichtert.

Schell ortet dennoch viele Probleme mit Faktenmanipulation: "Es gibt im Netz und in den sozialen Netzwerken viel Desinformation." Sie stößt bei ihren Recherchen immer wieder auf folgende Arten, mit News Schindluder zu treiben:

•Framing: Die besondere Hervorhebung eines Aspektes, um einem Sachverhalt den gewünschten Dreh zu geben.

•Selektive Informationen können grob täuschen – etwa wenn Zitate verkürzt werden und sich damit ihr Sinn umkehrt .

•Faktensuggestion: Im Text wird ein Sachverhalt oder Zusammenhang suggeriert, ohne dass er explizit erwähnt wird. Umso stärker wirkt die Unterstellung.

Bilder, die aus dem Zusammenhang gerissen sind und mit einer bestimmten Absicht in Umlauf gebracht werden, sind besonders perfide. Bei ihnen lässt sich oft nicht die Quelle zurückverfolgen.

Was tun?

Schell empfiehlt sowohl Journalisten als auch Lesern einen Blick auf die Quelle. Etwa im Hinblick auf Transparenz: "Wenn der Betreiber nicht offen gelegt ist, wäre das schon ein erstes Zeichen, dass das keine Quelle erster Güte ist." Wichtig sei etwa eine Einordnung, wer hinter der verbreitenden Plattform stehe und welche Informationen es zu dieser bereits gäbe. Nicht jede Information aus dem Netz ist falsch, aber wenn man immer wieder Blödsinn verbreitet, lernen die User irgendwann dazu.

Und wo gibt es die Wahrheit zu lesen? Fast nirgends, meint die Journalistin nüchtern. "Wahrheit ist ein metaphysischer Begriff, aber kein journalistischer. Fakten beschreiben einen Sachverhalt. Als Journalist kann ich nur sagen: Hier steht ein Aspekt, dort ein anderer. Dazwischen gilt es einen Bezug herstellen."

Sie weist auch zurück, dass nur besonders rechts eingestellte User den großen Medien misstrauen. "Die Kritik an der ,Systempresse‘ ist kein Monopol von Pegida und Co. Das ist auch im linken Bereich schon lange üblich."

Woher kommt der Eindruck, dass das von rechts kommt? "Ich vermute, das ist der Zeitgeist. Rechtspopulistische Bewegungen sind in ganz Europa am Vormarsch." Und: "Die Akteure, die darüber schreiben, sitzen tendenziell nicht in ganz rechten Blasen."