© Makoto AIDA

Kultur
11/05/2019

Grenzenloser Protest: Japan entzieht Wiener Ausstellung die Unterstützung

"Japan Unlimited" zeigt kritische Kunst. Laut Botschaft würde das die "freundschaftliche Beziehung" zu Österreich nicht fördern.

Die Ausstellung zeige, wie subtil politischer Protest oft sein müsse, hieß es im KURIER über die Schau „Japan Unlimited“, die bis 24.11. im Wiener MuseumsQuartier zu sehen ist.

Doch die Inhalte waren offenbar nicht subtil genug: In einem mit 30. Oktober datierten Schreiben, das dem KURIER vorliegt, gab die Japanische Botschaft in Wien bekannt, dass man der Schau die offizielle Anerkennung im Rahmen des Jubiläums „150 Jahre Freundschaft Österreich-Japan“ entziehe.

Die Gruppenausstellung zeigt Werke zeitgenössischer japanischer Kunstschaffender, die bereits einmal von Zensur betroffen waren, dazu Werke europäischer Künstler wie dem lange in Japan tätigen Filmemacher Edgar Honetschläger. Das Thema Todesstrafe und Fukushima wird angeschnitten, einige Bilder zeigen Nackte. In einem Video des Künstlers Makoto Aida tritt ein Schauspieler auf, der sich als Premierminister Shinzo Abe ausgibt - und eine Rede hält, in der er sich u.a. für von Japan begangene Kriegsgräuel entschuldigt.

Man sei zur Einsicht gelangt, „dass die Ausstellung ,Japan Unlimited’ dem Zweck von Jubiläumsveranstaltungen, die freundschaftliche Beziehung zwischen Österreich und Japan zu fördern, nicht entspricht“, hieß es nun seitens der Botschaft.

Kurator Marcello Farabegoli – der gebürtige Italiener gestaltete schon öfters Kunstaktionen im diplomatischen Kontext – vermutet aber einen in Japan entfachten Proteststurm als Grund: Nach dem Ende der „Aichi Triennale“, die mit einem ähnlichen Konzept angetreten war, habe der Zorn rechter japanischer Blogger ein neues Ziel gesucht und dieses in der Wiener Schau gefunden. „Wir waren zuerst positiv überrascht von der Offenheit der japanischen Botschaft. Mitte Oktober haben sich die Dinge gewendet – aufgrund der Vorgänge in Japan“, sagt Farabegoli. Die Begründung für den Rückzug kann er nicht nachvollziehen: „Eigentlich wollte ich zeigen, dass wir in Österreich aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen auch über Negatives reden können.“

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