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Kultur
01/20/2020

Grammy-Chefin freigestellt: Fehlverhalten oder Intrige?

In der Woche vor der "Größten Nacht der Musikbranche" gehen die Wogen in der "Academy" hoch

von Michael Huber

 Sie habe eine Mitarbeiterin drangsaliert und einen rücksichtslosen Managementstil an den Tag gelegt, heißt es vonseiten der "Recording Academy", die am kommenden Sonntag, dem 26. Jänner, die wichtigsten US-Musikpreise, die Grammys, vergibt.

Sie habe es gewagt, gegen eingewachsene Strukturen aufzutreten und bekomme jetzt die Rache des Systems zu spüren, sagt der Anwalt von Deborah Dugan. Die Anwältin und Managerin, die zuvor u.a. für die Aids-Hilfe-Organisation von U2-Sänger Bono gearbeitet hatte, war am vergangenen Donnerstag als Chefin der Academy freigestellt worden. Vorwürfe gegen die Neo-Organisatorin der Grammys würden nun untersucht, hieß es.  Dugan hatte erst im vergangenen Jahr ihren Vorgänger Neil Portnow ersetzt. Der hatte unter anderem gehen müssen, weil den Grammys vorgeworfen worden war, Frauen bei der Preisvergabe zu diskriminieren.

Wie die New York Times und die Los Angeles Times berichten, hatte Dugan vor etwa einem Monat ein Memorandum an die Personalabteilung der "Recording Academy" erstellt, in dem sie diverse Praktiken der Grammy-Organisation anklagte. Es ging demnach u.a. um Unregelmäßigkeiten bei Abstimmungsprozessen, finanzielles Missmanagement, überhöhte Anwaltsrechnungen sowie um Interessenskonflikte bei Mitgliedern der Vorstandsgremien der Academy. 

Schlägt das Imperium zurück?

Wie auch die Oscar-Akademie habe auch die Recording Academy Reformbedarf - sie gelte als männerdominiert und in ihren Strukturen eingefahren, sagten diverse Quellen der Los Angeles Times. Ob Dugan mit ihrem Reformeifer über die Stränge geschlagen habe oder einfach nur etablierte Machtmeschen brüskiert habe müsse geklärt werden. Der Vorwurf des Fehlverhaltens kam von einer Ex-Mitarbeiterin des geschassten Chefs Portnow, manche Insider sehen darin einen Vorwand.

Öffentliche Schützenhilfe erhielt Dugan von Public Enemy-Frontman Chuck D: Er selbst habe mit seiner Band für die Anerkennung der eigenen Leistung - und des HipHop als Kunstform - gekämpft und oftmals auf Granit gebissen. Das Vorgehen gegen Dugan habe einen für ihn vertrauten Geruch, schrieb der Rapper auf Instagram: "Mit neuen Leuten und den selben alten Mustern ändert sich nichts".

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