Awkwafina: Erstmals siegt eine Frau mit asiatischen Wurzeln.

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Analyse
01/06/2020

Golden Globes 2020: Große Leinwand schlägt Streamingriesen

Netflix und Martin Scorsese verlieren, Sam Mendes und Quentin Tarantino räumen groß ab.

von Alexandra Seibel

Nicht nur auf der großen, auch auf der kleinen Leinwand: Der Verlierer der Golden-Globes-Verleihung heißt Netflix. Der Verband der Auslandspresse in Hollywood ließ den Streamingriesen gewaltig abblitzen.

Netflix war mit 34 Nominierung ins Rennen gegangen und konnte schließlich nur zwei matte Preise für sich reklamieren: Einen davon als beste Nebendarstellerin erhielt Laura Dern für ihre Rolle als Scheidungsanwältin in Noah Baumbachs sechsfach nominierter Dramedy „Marriage Story“.

Auch Hollywood-Veteran Martin Scorsese zählt zu den Verlierern: Sein Netflix-Mafiadrama „The Irishman“ – fünffach nominiert – erhielt gar keinen Preis. Dafür konnte sich ausgerechnet das von Scorsese sehr wenig geschätzte Genre der Superhelden durchsetzen: Joaquin Phoenix erhielt für seine exaltierte Performance als „Joker“ den Preis als bester Drama-Hauptdarsteller.

Die Hauptpreise des Abends – der Golden Globe für bestes Drama und beste Regie – gingen an Regisseur Sam Mendes und seinen Weltkriegsfilm „1917“.

Auch im TV-Serienbereich ging Netflix nicht so glorreich hervor, wie erhofft: Seine vierfach nominierte Serie „The Crown“ erhielt nur einen Preis für Olivia Coleman als beste Hauptdarstellerin. Man darf gespannt sein, wie sich Netflix bei den Oscars schlagen wird: Die Filmakademie umfasst knapp 9.000 Mitglieder – im Gegensatz zu den rund 90 Journalisten der Auslandspresse.

Zu den Abräumern zählte Quentin Tarantino, dessen schwarzhumorige Komödie „Once Upon a Time in Hollywood“ drei Preise einstreifen konnte. Seine Hommage an das alte Hollywood erhielt den Preis für beste Komödie, bestes Drehbuch und den besten Nebendarsteller in Form des umwerfenden Brad Pitt.

Keine Regisseurinnen

Nicht nur beim Hauptgewinn, auch ganz allgemein reüssierten die Briten: Zwei Golden Globes gingen an den Musikfilm „Rocketman“ über das Leben von Elton John: Taron Egerton erhielt den Preis als bester Hauptdarsteller in der Sparte Komödie/Musical.

Viel Kritik – und das völlig zu recht – wurde an dem Umstand geübt, dass es wieder einmal keine Frau in die Nominierten-Liste der Sparte Regie geschafft hatte. Dabei hätte es genügend Anwärterinnen gegeben – von Lulu Wang („The Farewell“) bis hin zu Greta Gerwig („Little Women“). Immerhin erhielt Awkwafina aus Wangs „The Farewell“ als erste Frau mit asiatischen Wurzeln einen Goldenen Globe als Hauptdarstellerin in der Kategorie Musical/Komödie. Renée Zellweger gewann einen Award für ihre Rolle als Judy Garland in „Judy“.