Glücksterroris­mus als Dienstleistung­s­an­ge­bot

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Foto: Georg Soulek Burgtheater

"demut vor deinen taten baby" von Laura Naumann hatte im Vestibül österreichische Erstaufführung.

Jahrelang beklagten sich Theaterdirektoren in Österreich und Deutschland, dass Gegenwartsautoren im deutschsprachigen Raum keine Stücke mehr schreiben (können). Nach der Generation Handke/Bernhard/Turrini war Schluss. Die logische Folge: An den Theatern grassierte der Dramatisierungsvirus, Romane oder Filme wurden für die Bühne adaptiert.

Jetzt ist anscheinend die Trendwende da. Roland Schimmelpfennig oder Sibylle Berg schreiben Erfolgsstücke, die ersten Bühnen-Texte von Daniel Kehlmann sind vielversprechend, immer mehr junge Autoren entdecken das Theater. Eine von ihnen ist Laura Naumann, deren Stück „demut vor deinen taten baby“ im Burgtheater-Vestibül österreichische Erstaufführung hatte.

Der Text erinnert, was Themenstellung und satirische Kraft betrifft, an Juli Zehs Terrorismus-Farce „Der Kaktus“, der Stil ist außerdem von Schimmelpfennig beeinflusst – die Figuren kommentieren immer wieder das eigene Tun.

Zentrum des Stücks ist ein originelles Gedankenspiel: Wenn alle Menschen die Euphorie einer knapp überstandenen Lebensgefahr erfahren können – nützte das nicht der Gesellschaft, indem der Einzelne zufriedener und damit auch produktiver würde?

Drei junge Frauen werden durch die Erfahrung eines Terror-Alarms Freundinnen – und beschließen, getürkte Terroranschläge als eine Art Dienstleistung zu inszenieren. Bald werden sie zu Stars. Aber dann läuft die Sache aus dem Ruder – und es kommt zum Showdown bei der Fußball-WM.

Witzig

Fazit: Das ist ein starker, witziger Text mit überraschenden Wendungen. Alexander Ratter inszeniert schwungvoll, wenn auch ein wenig hektisch. Das hinreißende Damen-Trio Stefanie Dvorak, Liliane Amuat und Jana Horst veredelt diesen mit einer Stunde Spieldauer angenehm kompakten Theaterabend.

KURIER-Wertung: **** von *****

Impressionen des Stückes

(KURIER) Erstellt am
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