Psychoanalyse: Was blieb von Sigmund Freud?

Psychoanalyse: Was blieb von Sigmund Freud?
Ein Gespräch mit Alfred Pritz, dem Rektor der Sigmund Freud Privatuniversität Wien zum 80. Todestag des Arztes.

KURIER: Es gibt bei psychischen Problemen viele Behandlungsmethoden, welche Rolle spielt da heute noch die von Freud entdeckte Psychoanalyse?

Alfred Pritz: Die Psychoanalyse bietet heute verschiedene Untermethoden an. Es gibt die psychoanalytische Paartherapie, die Gruppentherapie, die Kurztherapie und natürlich, woran die meisten denken, eine große Psychoanalyse, zu der man mehrmals die Woche kommt und das über Jahre.

Diese klassische Analyse nach Freud ist zeitintensiv und daher auch teuer. Ist sie noch zeitgemäß?

Die große Analyse gab es auch zu Freuds Zeiten nur in eingeschränktem Ausmaß, weil diese Methode nicht für jeden geeignet ist. Für so eine Behandlung muss man in der Lage sein, diese Prozedur auch durchzustehen. Das ist für psychisch schwerwiegend Kranke nicht die richtige Methode, die würden das nicht aushalten.

Für wen ist die Psychoanalyse die richtige Methode?

Für Menschen, die einigermaßen über Stabilität verfügen und trotzdem leiden.

Woran?

Oft an sich selber. Das ist die Hauptindikation. Dass man mit sich selbst nicht im Reinen ist, das kann bei Personen vorkommen, die gut im Leben funktionieren, aber mit sich unglücklich sind. Da kann man herausfinden, welche lebensgeschichtlichen Ereignisse eine Rolle gespielt haben.

Wie wichtig ist heute noch die berühmte Couch?

Die Couch ist für den klassischen Fall geeignet. Die meisten Behandlungen finden heute nicht liegend, sondern sitzend statt, hier der Patient, vis-à-vis der Therapeut.

Kommentare