Kultur | Geschichten mit Geschichte
08.11.2017

Man kann wieder "Hallo Dienstmann" rufen

Wie es zum Filmklassiker "Hallo Dienstmann" kam.

Jahrzehntelang gab es den Beruf des Kofferträgers nur dann, wenn der Film "Hallo Dienstmann" im Fernsehen lief. Doch vor kurzem wurde die Möglichkeit, Reisenden das Gepäck abzunehmen, wieder eingeführt: Am Wiener Hauptbahnhof gibt es seit wenigen Wochen wieder Kofferträger. Und das erinnert sehr an Österreichs vermutlich populärsten Spielfilm.

"Wia nehm ma’n denn?"

"Wia nehm ma’n denn?", lautet die Schlüsselfrage, die der "Dienstmann" Hans Moser seinem Kollegen Paul Hörbiger stellt, ehe sich die beiden dran machen, einen schweren Koffer zu schleppen. Hörbiger erzählte mir einmal die Entstehungsgeschichte des Filmklassikers: Er, Hörbiger, hatte in den 20er-Jahren den noch unbekannten Moser in einem Wiener Kabarett in einem kurzen Sketch als Dienstmann gesehen. "Hans hatte die Idee, den Dienstmann nicht nur auf der Bühne zu spielen", sagte Hörbiger, "sondern schon vor seinem Auftritt im Publikum zu erscheinen und den Eindruck zu erwecken, er sei ein echter Kofferträger". Moser setzte sich in voller Dienstmann-Uniform an einen Tisch und rief laut: "Gehn S’, Herr Ober, können S’ ma a Bier bringen? I sitz da im Trockenen." Aber der Versuch, die Bühne in den Zuschauerraum zu verlegen, misslang, das Publikum beschwerte sich: "Hinaus mit dem b’soffenen Dienstmann, der stört ja die Vorstellung!""Das war der unrühmliche Beginn des später berühmten Dienstmannes", lächelte Hörbiger. 1952 wurde der Sketch zu einem Spielfilm ausgebaut, in dem Moser einen echten und Hörbiger einen falschen Dienstmann spielten.

Die Kofferszene

Legendär die Szene, wie sie gemeinsam einen Koffer über eine Stiege tragen. Wie so oft improvisierten die beiden Erzkomödianten den Text. Fragt Hörbiger den Moser: "Sag, wo is denn so a Koffer besser zum Tragen? Vorn oder hinten?"Moser: "Na hinten natürlich, da is er ja viel leichter."Und da fiel Hörbiger ein: "Weißt was, Kollege, dann nehm ma ihn beide hinten." Moser lachte laut, aber Regisseur Franz Antel beließ die Szene genauso im Film. Antel war es auch, der den Erfolg des Duos erklärte: "Curd Jürgens und Oskar Werner, mit denen ich auch viel gedreht habe, waren großartige Schauspieler. Aber sie haben mit dem Hirn gespielt. Der Moser und der Hörbiger, die haben mit dem Herzen gespielt".Die ÖBB-Gepäckträger am Hauptbahnhof werden nicht ganz so lustig sein. Aber das ist ja auch nicht ihre Aufgabe.