Regisseurinnen (Eva Spreitzhofer, 2. v. re.) im Vormarsch  

© Felipe Kolm

Kultur
04/22/2021

Auch nicht ganz so straffe Geschlechter-Quote spaltet Filmbranche

Die Entscheidung für ein "Gender Budgeting" in der Filmförderung des Bundes ist gefallen.

von Peter Temel

Am Dienstag endete eine eineinhalbjährige, teils hart geführte Diskussion in der Filmbranche mit einem klaren Ergebnis: Der Aufsichtsrat des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) beschloss das „Gender Budgeting“. Eine Richtlinienänderung bei der Filmförderung, die gewährleisten soll, dass innerhalb der nächsten vier Jahre eine Gleichstellung von Männern und Frauen bei Filmprojekten erreicht wird.

Dabei wird das Schwedische Berechnungsmodell herangezogen, das zwischen drei Hauptbeteiligten unterscheidet: Regie, Drehbuch und Produktion. Sind etwa eine Regisseurin, eine Drehbuchautorin und ein Produzent beteiligt, so wandern – bei einer Fördersumme von 600.000 Euro – zwei Drittel, also 400.000 Euro, in ein fiktives Frauenkonto und 200.000 in ein fiktives Männerkonto. Unterm Strich soll spätestens 2024 das Jahresbudget des ÖFI von derzeit 21,5 Millionen Euro zu annähernd gleichen Teilen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt sein. Derzeit profitieren Frauen zu rund dreißig Prozent vom Förderkuchen.

Die Basis der Entscheidungen bilde „nach wie vor die qualitative inhaltliche, künstlerische und wirtschaftliche Beurteilung der Projekte“, sagte ÖFI-Direktor Roland Teichmann. Es wird betont, dass es keine straffe Quote gibt, sondern eine Einschleifregelung mit Jahr für Jahr steigenden Zielwerten für einen sanften Übergang. Zudem sind vorerst keine Sanktionen bei Nichterreichung verankert.

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne), die dieses Modell unterstützte und "einen zukunftsweisenden Schritt" sieht, hob hervor, „dass im Zuge der Diskussion der letzten Monate Personen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Filmbranche Überlegungen angestellt haben, wie diese strukturelle Problematik am besten gelöst werden kann. Das zeugt von einem hohen Maß an Problembewusstsein.“

Tatsächlich gelangten drei Modelle zur Abstimmung: Die von der Initiative „No Change Without Change“ per Petition vorgeschlagene Quotenregelung, die sich durchgesetzt hat, des Weiteren ein Modell, das sich an der bisherigen Förderpraxis orientierte ("Aquivalenzmodell") und das "EqualityPlus"-Modell, das einen zusätzlichen Fördertopf schaffen wollte (mehr dazu finden Sie im Artikel unten).

"Nicht das gerechteste Modell"

Die beiden Alternativmodelle wurden vom Verband Filmregie Österreich mitentwickelt. Dessen Obmann Markus Schleinzer sieht nun ein „Armutszeugnis für die Filmbranche“. Es habe sich „nicht das gerechteste Modell den Weg gebahnt. Dass eine Entscheidung entlang einer Quote keine Entscheidung entlang von Qualität sein kann, sagt einem jeder Statistiker.“

Mit den eigenen Konzepten habe man – sowie andere betroffene Verbände – im Ministerium kein Gehör gefunden, moniert Schleinzer im KURIER-Gespräch. Vonseiten des Ministeriums hält man gegenüber dem KURIER fest, dass es "zu den Details des neuen Vorschlags ausführliche Gespräche mit dem Büro der Staatssekretärin gab, in denen auch vereinbart wurde, dass der Aufsichtsrat als das zuständige Gremium alle eingebrachten Fördermodelle behandeln und in Folge eine Entscheidung treffen wird."

Mehr Ausgewogenheit bei Leitungspositionen

Im Regieverband sieht man auch als Problem, dass bei der nun beschlossenen Richtlinie nur drei Berufe berücksichtigt sind, nicht aber die vielen technischen Berufe von Kamera bis Ton. Hier verweist das Ministerium auf das bereits bestehende "Gender Incentive" im ÖFI, basierend auf einem Punkteschlüssel. Dieses berücksichtige bereits alle Stabstellen und biete "einen Anreiz, Filmteams ausgewogener mit Frauen und Männern zu besetzen". Das neue „Gender Budgeting“ solle bewirken, "dass es zukünftig über alle geförderten Projekte hinweg mehr Ausgewogenheit bei der Besetzung der Projektleitungsfunktionen geben wird. Wenn eine Erweiterung dieser Stellen als Ergebnis der geplanten Evaluierung als sinnvoll erscheinen sollte, können weitere Stabstellen oder Filmberufe ergänzt werden", so das Kulturministerium.

Das Thema sei längst „in der Mitte der Branche angekommen“, meint hingegen Schleinzer. Regisseurinnen würden zunehmend große Filmbudgets bekommen, beim Nachwuchs sehe er „fast schon Parität“ zwischen den Geschlechtern. Mit der neuen Regelung dürfe man sich aber Sorgen um den männlichen Nachwuchs machen.

Mitgliederbefragung

Den rund 1.800 (teils sehr prominenten) Unterschriften der Petition hält er entgegen, dass dies nicht die Mehrheit der Branche widerspiegele. In einer Mitgliederbefragung im Regieverband seien 57 Prozent contra Quote gewesen. Schleinzer sieht auch betroffene Produzenten- und Drehbuchverbände auf seiner Seite, man wolle nun „im Gespräch bleiben“.

Der zuständige Fachverband in der Wirtschaftskammer, vertreten von Alexander Dumreicher-Ivanceanu (Grüne Wirtschaft), begrüßte die Entscheidung, ebenso die SPÖ. Es müsse aber begleitende Konzepte geben, die Frauen dazu ermutigen, verstärkt einzureichen, sagte SPÖ-Frauen- und Kultursprecherin Gabriele Heinisch-Hosek.

"Mit dem Beschluss zur Änderung der Richtlinie wurde auch die rasche Ausarbeitung begleitender Maßnahmen beschlossen, die in genau diese Richtung gehen", erklärt das Ministerium. "Zugleich wird die nunmehr geänderte Basis einen wesentlichen Anreiz für Einreichungen darstellen."

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