Chef des Österreichischen Filminstituts Roland Teichmann: "Das Ziel, noch mehr weibliche Beteiligung vor und hinter der Kamera zu erreichen, eint  alle Vernünftigen“

© Michael Sazel

Kultur
04/19/2021

Bundesfilmförderung: Kampf um Geschlechtergerechtigkeit

Eine lang andauernde, heftige Debatte rund um die Forderung nach Geschlechterquote in der Bundesfilmförderung geht ins Finale

von Alexandra Seibel

Nicht erst seit der #MeToo-Bewegung weiß man, wie männlich dominiert die Filmbranche ist. Österreich macht hier keine Ausnahme.Zwar gibt es hierzulande eine starke Riege herausragender Regisseurinnen – von Barbara Albert über Jessica Hausner bis hin zu Sandra Wollner. Trotzdem befindet sich die Genderbalance der Bundesfilmförderung des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) in Schieflage.

Bei den Einreichungen liegen die Projekte von Frauen in den Bereichen Regie, Drehbuch und Produktion nur bei rund 30 Prozent. Diese werden derzeit zwar mit etwa 35 Prozent des Budgets überproportional gefördert, doch die von vielen angestrebte 50-50-Förderung liegt noch fern.

Um diesen Gleichstellungsprozess anzukurbeln, formierte sich die Initiative „No Change without Change“: Sie formulierte die Forderung nach einer Filmsubvention, die sich an einer Geschlechterquote orientieren soll. Rund 1700 Mitglieder aus der Filmbranche haben unterzeichnet.

Dienstag findet nun eine Abstimmung im Aufsichtsrat des Österreichischen Filminstituts darüber statt, ob es ab 1. Juli zu einer Richtlinienänderung im Sinne der Quotenregelung kommen soll.

Der Verteilungskampf um rund 21,5 Millionen Euro Förderbudget ist hart – und mehrere Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch.

Der Antrag auf 50-50-Förderung für Männer und Frauen in allen Förderbereichen, wie sie von „No Change without Change“ unterstützt wird, schlägt vor, dass das Gesamtbudget auf „Männer“- und „Frauenkonten“ aufgeteilt und am Ende des Jahres ausgeglichen wird. Diese Maßnahmenforderungen sind – wurde hinter den Kulissen signalisiert – im Sinne von Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer.

Als Hauptargument gegen die Geschlechterquote wird der Umstand ins Treffen geführt, dass es zu einer Ungleichbehandlung käme, würde man Einreichungen von nur 30 Prozent Frauen die Hälfte des Budgets geben.

Halbe-halbe

Eine Maßnahme, die jedoch für das Prinzip der politischen Gleichstellung notwendig sei, selbst wenn dies für einen gewissen Zeitraum bedeute, Frauen mehr zu fördern, argumentiert die Gegenseite. Zudem solle die Halbe-halbe-Förderung im Verlauf von vier Jahren erfolgen, um der Branche Zeit zu geben, zu reagieren und den Frauenanteil zu heben.

Auch der Sorge seitens der Auswahlkommission, sie wäre im Fall gezwungen, ein „schlechtes“ Frauenprojekt fördern zu müssen, nur um die Quote zu erfüllen, wird von Befürworter und Befürworterinnen der Quote entgegnet: Bei jeder Gleichstellungsmaßnahme müsse ohnehin die Qualifikation an erster Stelle stehen, so die Argumentation. Sollte die Auswahlkommission befinden, dass es nicht genügend qualifizierte Frauenprojekte gebe, habe sie das Recht, das Geld nicht oder auch einmal nur an Männer zu vergeben. Es gehe schließlich nicht um einzelne Sitzungen, sondern um einen Durchrechnungszeitraum von einem Jahr.

Im Gegensatz dazu bemühen sich die beiden weiteren Vorschläge, die zur Abstimmung kommen sollen, um Frauenförderung jenseits der Quotenregelung: Das „Äquivalenzmodell“ verlangt eine prozentuale Fördermittelvergabe, die sich im Verhältnis zu den Einreichungen bewegt; sie entspricht in etwa der derzeitigen Förderpraxis.

Das dritte Modell („EqualityPlus“) schließlich versucht einen Kompromiss: Um die Einreichquoten von Frauen zu erhöhen, soll ein Zusatztopf von 2 Millionen Euro ausschließlich für Projekte vorgesehen sein, die eine Mindestanzahl an weiblicher Beteiligung erreichen.

„Das Ziel, noch mehr weibliche Beteiligung vor und hinter der Kamera zu erreichen, eint alle Vernünftigen“, zeigt sich ÖFI-Geschäftsführer Roland Teichmann zuversichtlich: „Auch wenn es unterschiedliche Vorschläge gibt.“

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