Die aus Liverpool stammende Låpsley überzeugt mit ihrem aktuellen Tonträger.

© Alexandra Waespi

Kultur
03/24/2020

Gemischte Platte: IAMX, U.S. Girls, SLAV, Låpsley und Fritz Kalkbrenner

Neue Alben in schweren Zeiten: Musik, die trotz Covid-19 gehört werden will.

von Marco Weise

Der ehemalige Sneaker Pimp Chris Corner veröffentlicht als IAMX nun eine Art Best-of-Album. Dafür hat er Hits wie "I Come With Knives" und "Kiss And Swallow" neu und fast ohne elektronische Hilfsmittel eingespielt. Das Album nennt sich „Echo Echo“ und ist ein fesselnder wie musikalisch reduzierter Trip durch Chris Corners Schaffen als Solokünstler. Innerhalb der 60 Minuten Spielzeit zieht es einem gefühlt fünf Mal die Gänsehaut auf. Kein schlechtes Zeichen. Aber wann veröffentlicht Corner mal wirklich etwas Neues?!

Tipp: IAMX gastiert am 6. November in der SIMM City in Wien

Fritz Kalkbrenner: "True Colours"

Fritz Kalkbrenner veröffentlicht sein sechstes Studioalbum "True Colours“ auf seinem eigenen Label "Nasua Music“. In den neuen Tracks rückt der Deutsche seine markante wie durchaus soulige Stimme in den Vordergrund, während dahinter die Beats bekömmlich nach vorne pushen und Wohlfühl-Melodien Emotionen erzeugen. Das mag zwar in kleinen Dosen, als Zwischengang durchaus bekömmlich sein, wirkt aber oft zu vorhersehbar und zu wenig zwingend. Vielleicht gelingt ihm das live besser: Fritz Kalkbrenner wird am 19. Dezember sein für 17. April geplantes Wien-Konzert nachholen. 

SLAV: "Cons U Me"

Der aus Polen stammende Wahl-Wiener SLAV zählt mitunter zu den größten Talenten der heimischen Rap-Szene. Der sich im KURIER-Interview selbst als 96-Kilo-Bandito mit Hirn bezeichnende Rapper hat mit elf oder zwölf Jahren zum Rappen angefangen. "Ich bin mit Deutschrap aufgewachsen: Bushido und so Zeugs."

Mit "Plusvieracht" legte er Anfang 2019 sein Debütalbum vor. Darauf rappt SLAV über sein Leben – zwischen Modesocken, FIFA-Zocken, zu wenig Geld auf dem Konto und zu vielen Joints in der Lunge. Das alles verpackt der Wiener in einen trappigen, von tiefen Bässen und  dezenten Synths getragenen Sound, der sehr viel Spaß macht.

Nun legt SLAV mit der EP "Cons U Me" nach. In "Lifestyle" verarbeitet er einen typischen Partyabends und hinterfragt das exzessive Feiern. Produziert wurde der Track von Slay Romeo. Die Beats fallen diesmal schneller, housiger aus. Damit will SLAV seine Vielseitigkeit unter Beweis stellten, wie es in einer Aussendung des heimischen Labels Futuresfuture heißt. Es gelingt. 

 

Låpsley: "Through Water"

DJ Koze machte im Jahr 2016 aus "Operator", einem Song der aus Liverpool stammenden Singer-Songwriterin, einen ewig gültigen Hit, der in der Diskothek so richtig gut abgeht. Das lenkte dann auch das Interesse auf die damals 19-jährige Holly "Låpsley" Fletcher, deren Debüt "Long Way Home" auch sehr ordentlich ausfiel. Vor allem stimmlich wusste sie zu überzeugen. Und auch die Mischung aus Soul-Pop und zeitgenössischem R’n’B war gefällig.

Nun liegt "Through Water" vor, das wesentlich reduzierter, wesentlich filigraner und intimer ausfällt, als der Erstling. Es wirkt, als wäre es zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer entstanden - der Bombast des Debüts ist Persönlichkeit gewichen. "Through Water" ist ein weiteres starkes musikalischen Statement einer tollen Künstlerin.

U.S. Girls: "Heavy Light" 

Meg Remy alias U.S. Girls ist vor mehr als zehn Jahren mit selbstgebastelten Elektroloops, geräuschvoll, verhallt und mit sachtem Goth-Einschlag zum ersten Mal aufgefallen. "Red Ford Radio" hieß einer der ersten Songs, den die die Wahlkanadierin aus Illinois auf einem 4-Spur-Aufnahmegerät recorded hat. Das von hypnotischem Gesang und einem schlichten Rhythmus getriebene Lied findet sich in einer neuen Version auf ihrem neuen und achten Album "Heavy Light" wieder. Für Remy schließt sich nach einer Dekade damit ein Kreis. War U.S. Girls am Anfang noch ein Lo-Fi-Projekt, das mit einfachsten Mitteln entstand, so ist das neue Album mit 20 Musikern in einem Studio in Montreal entstanden. Es fehlt "Heavy Light" an nichts: Streicher, Chöre, schöne Melodien und Hall ohne Ende. Alles ist im Überfluss vorhanden. Oft packt Meg Remy aber zu viele Ideen in einen Song - der kreative Input hätte locker für zwei Alben gereicht. Aber das soll jetzt keineswegs die Klasse des neuen Albums mindern.

 

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