Kultur
23.03.2018

"Dantons Tod" in der Staatsoper: Interview mit dem Regisseur

Wiener Staatsoper. Josef Ernst Köpplinger inszeniert „Dantons Tod“ von Gottfried von Einem, Premiere: Samstag

Das Theater an der Wien hat mit dem „Besuch der alten Dame“ (noch bis 28. März) vorgelegt; diesen Samstag (24. März) zieht das Haus am Ring nach. Anlässlich des 100. Geburtstages von Gottfried von Einem ist mit „Dan tons Tod“ jenes Werk zu sehen, das dem 1996 verstorbenen Komponisten im Jahr 1947 zum Durchbruch verhalf. Regie führt dabei Joseph Ernst Köpplinger, Staatsin tendant am Münchner Gärtnerplatztheater und zudem Staatsoperndebütant.

Doch wie aktuell ist „ Dantons Tod“ (nach Georg Büchner, Libretto: Boris Blacher und Von Einem) eigentlich noch? „Jeder Blick auf eine vergangene Revolution ist eine Replik“, sagt Köpplinger im KURIER-Gespräch. „Wir haben uns ganz bewusst da für entschieden, die Oper in jener Zeit anzusiedeln, in der sie spielt. Während der Schreckensherrschaft von Robespierre, der ja bekanntlich Dantons Widerpart ist.“

Fatalismus

Und, so der gebürtige Österreicher weiter: „Wir haben es hier auch nicht mit Helden zu tun, sondern das sind alles Mörder. Auch Danton. Nur sind dessen Fanatismus und Hedonismus längt einem Fatalismus gewichen. Wobei Fatalismus auch immer etwas mit Übersättigung und Hilflosigkeit zu tun hat. Das ist leider sehr aktuell, denn auch wir fügen uns heute viel zu schnell in politische Systeme.“ Doch kann die Kunst die Menschen wachrütteln? „Von uns Künstlern wird immer verlangt, wir müssen uns für die anderen aufregen. Das ist unentschuldbar. Dafür sind wir nicht da. Wir schaffen vielleicht aufgrund der Reflexion eine Aufregung, aber wir können den Menschen doch nicht ihre Eigenverantwortung abnehmen. Ich sage immer: Gebt nicht die Verantwortung ab! Das ist ja eine der Errungenschaften der Demokratie. Jeder, der etwa nicht wählen geht, soll dann bitte auch gefälligst den Mund halten.“

Doch wie fragil ist unsere Demokratie? „Wie man leider sieht, ist sie sehr fragil. Gehen wir doch in die Geschichte zurück. Was kam denn nach der Französischen Revolution? Die Schreckensherrschaft! Und dann? Napoleon! Und hat nach 1918 in Österreich die scheinbare Demokratie funktioniert? Nein. Wir wissen alle, was danach gekommen ist. Nur: Was da an persönlichem Elend, Blut, Schweiß, Tränen und Trauer die Donau hinuntergeflossene ist, das darf diesem Land nie wieder passieren.“

Ein Grundübel für diverse rechte Strömungen ortet der Regisseur auch bei den Medien. „Man sieht bei diesem Nationengemisch nur dieses Eskalierende, nicht jene Fälle, wo das Zusammenleben gut funktioniert. Wie wir am Theater versuchen, das Publikum durch Effekte reinzuziehen, so machen es leider manche Medien. Lieber ein reißerischer Artikel, als eine positive Nachricht.“

Postings

Köpplinger, der in München bei seinem fast 900-Plätze-Haus auf „eine echte Auslastung“ von 98 Prozent verweisen kann, weiter: „Unsere Medienlandschaft ist übersättigt. Ich bin etwa nicht mehr auf Twitter, Facebook oder Instagram. Und ich bin gegen anonyme Postings im Internet. Wenn schon posten, dann unter dem echten Namen. Nicht unter Schneewittchen oder Dornröschen. Das würde vielleicht dazu führen, dass man erst denkt, dann postet. Das hat nichts mit einem Einschränken der Freiheiten zu tun, sondern ist eine Frage des Anstands.“

Und: „Diese Freiheiten, die wir uns nicht nur in der Kunst geschaffen haben, sollten wir uns tunlichst erhalten. Die größte Frage junger Menschen heute ist ja die Sinnfrage, da müssen wir der nächsten Generation Antworten geben. Wir haben doch auch eine Kraft in uns. Aber wir müssen auch lernen, etwas zu sagen. Eine Haltung ist eine Haltung, ist eine Haltung und nichts dazwischen. Sonst ist es Opportunismus.“