© Jan Frankl

Kritik
01/13/2020

"Game of Thrones“-Parodie im Simpl: Drachen zum Lachen

Wer „Game Of Thrones“ lustig findet (oder zu ernst nimmt), ist hier gut aufgehoben.

von Georg Leyrer

„Game Of Thrones“ ist ja an und für sich schon ein bisschen lustig. Die superaufwendige Fernsehserie, die größte der 10er-Jahre, dreht sich um Drachen, Macht, Inzest, und wer dem nicht ganz so zugeneigt ist, kann hier viel Humor finden: Es ist wie „Denver Clan“ oder „Sturm der Liebe“, nur halt eben mit Brüsten (und Jon Schnee).

Das Gesamtkunstwerk „Game Of Thrones“ aber entsteht nur in Zusammenspiel mit den Fans. Die nehmen den Schießbudenzauber vielleicht ein bisschen gar ernst, und sind immer noch stinkesauer, dass die letzte Staffel nicht so war, wie sie gern gehabt hätten. Was es da an Online-Aufregung gegeben hat, weil am Schluss nicht der Richtige zum Herrscher über Drachen und Inzest ausgerufen wurde, man könnte fast glauben, das ist wichtig.

In den tiefen Tälern von Westeros ist also allerlei Raum für Komödie zu finden – und der wurde auch prompt abgegrast: „Thrones“, die musikalische „Game Of Thrones“-Parodie, erntet (international gespielt und kontinuierlich am Laufenden gehalten seit 2015) all das, was hier an Sinnmangel und Gefühlsüberschuss gesät wurde.

In der Ausformung, die nun im Simpl in Wien zu sehen ist (Regie: Nicolaus Hagg), ist „Thrones“ zugleich Hommage an ein TV-Event, Gruppentherapie für Fans, die zumindest ein bisschen lachen wollen, und, leider, ein bisschen viel Wiener Kellerschmäh, der mit dem Ganzen nicht recht mithalten kann.

Kloteppich

Es fängt an mit einem unglaublichen Geständnis: Linda, frisch geschieden und offenbar in der Inneneinrichtung sehr kataloggetrieben, hat noch nie eine Folge „Game Of Thrones“ gesehen. Also spielen ihr ihre Freunde die bisherige Handlung – das Finale steht an! – rasch vor (zu sehen sind Caroline FrankAriana Schirasi-Fard, Julia Edtmeier, Joachim BrandlPeter Lesiak und Georg Leskovich in insgesamt 53 Rollen).

Mit Perücken und Gesang, umgehängtem Kloteppich und Sexpuppe, Gruppentanz und Paarproblemen eiert man durch die herumeiernde Fantasyhandlung. Und das ist zum Teil schon sehr überdreht lustig (vor allem, wenn man sich genug auskennt), und zum Teil (Zwergenhumor und Zwangsschmähs) ein bisschen weniger.

Im zweiten Teil geht es „Thrones“ dann wie „Game of“: Man findet nicht so recht zum Ende, der Volten werden es zu viele (auch wenn die dunkle Schlacht um Westeros zum besten zählt). Aber davor gibt es viel, das den Besuch lohnend macht: So herzlich hat man über das Einstechen auf eine Babypuppe noch nie gelacht.

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