Kultur
24.06.2017

Frauenbilder: Biedermeier bis Moderne

Das Leopold Museum widmet Frauen eine Ausstellung aus dem eigenen Bestand.

"Müssen Frauen nackt sein, um ins Metropolitan Museum zu kommen?" fragten im Jahr 1985 die New Yorker Guerilla Girls, eine Gruppe anonymer Kunstaktivistinnen, auf einem Plakat. Mit der Anspielung auf die Unterrepräsentation von Künstlerinnen und die gleichzeitige Überrepräsentanz nackter Frauen in dem New Yorker Museum – und stellvertretend auch weltweit in anderen bedeutenden Museen – sorgten sie damals für mächtig Aufsehen. Mittlerweile zeigen immer mehr Ausstellungen die Frau in der Kunst im Fokus. "Da gibt es derzeit sicher einen Trend", sagt Franz Smola, Sammlungskurator des Wiener Leopold Museums.

Frauen im Fokus

Bereits im Jahr 2009 gab es dort eine Ausstellung zum Thema, nun wird dieses erneut aufgegriffen und den Frauenbildern bekannter österreichischer Künstler eine Schau gewidmet. Diese läuft vom 7. Juli bis zum 18. September. Sämtliche in der Ausstellung "Frauenbilder" gezeigten Werke stammen aus der Sammlung des Leopold Museums. Sie umspannen den Zeitraum vom Biedermeier bis zur Moderne, also von 1830 bis 1930, und wurden von Frauen geschaffen oder zeigen Frauen. Franz Smola und Birgit Piringer, Kuratoren der Ausstellung, erzählen, dass sie zu Beginn nicht gerade zuversichtlich waren, genügend Arbeiten im Depot der Sammlung zu finden, bei denen die Frau im Mittelpunkt steht. Doch diese Bedenken haben sich nicht bestätigt. Man sei auf viele – zum Teil unbekannte – Künstlerinnen gestoßen, die sonst nicht gezeigt werden. Die Ausstellung bietet eine Gelegenheit, diese zu entdecken. In der Schau präsentiert werden unter anderem Bilder, Grafiken und Skulpturen der Künstlerinnen Tina Blau, Marie Egner, Olga Wisinger-Florian, Broncia Koller-Pinell, Käthe Kollwitz Emma Bormann, Wally Wieselthier, Maria Likarz und Kitty Rix.

Traditionelle Rollen

Der erste Teil der Ausstellung konzentriert sich auf die Darstellung der Frau zu den Themenbereichen weibliches Porträt, Mutter-Kind-Darstellungen, Lebenswelten der Frau, Werke zu Jugend und Alter sowie die Frau als Aktmodell. Gerade bei der Suche nach Bildern von Frauen in aktiven Rollen innerhalb der Gesellschaft sind Smola und Piringer schnell an Grenzen gestoßen. Denn Frauendarstellungen aus dieser Zeit finden sich vor allem im Genre des weiblichen Porträts. Auf diesen sind Frauen zumeist passiv abgebildet. Die Werke wurden nicht selten von den Ehemännern in Erwartung auf ein möglichst repräsentatives Bildnis in Auftrag gegeben. Das heißt, sie waren von der Forderung nach Schönheit, Liebreiz und Anmut geprägt.

Frauendarstellungen, die über das Porträt hinausgehen, zeigen Frauen ebenfalls oft in traditionellen Rollenbildern, wie etwa als Mutter, Gattin oder Behüterin der Familie und sind deutlich vom männlichen Künstlerblick bestimmt. Dieser spiegelt sich auch in den Aktzeichnungen aus jener Zeit wider. Bei diesen galt die Aufmerksamkeit des Künstlers zumeist der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Aktfigur und nicht der Persönlichkeit der Frau. Die Grenzen zu erotischen Darstellungen verlaufen dabei oft fließend. In dieses Genre fallen in etwa die berühmten Aktzeichnungen Egon Schieles und Gustav Klimts, aber auch weniger bekannte Beispiele wie jene von Hans Böhler. Auch die Bilder von Mädchen, sehr jungen Frauen und Frauen im fortgeschrittenen Alter sind von von vornherein festgelegten Rollenbildern geprägt. Während Bilder von jungen Frauen häufig eine mehr oder weniger versteckte erotische Konnotation aufweisen, steht dem Typus des jungen Mädchens jener der Greisin gegenüber. Dieser wurde von den Künstlern häufig in charaktervollen Porträts zum Ausdruck gebracht.

Beispiele von Bildern von Frauen in anderen beruflichen Tätigkeiten als im Haushalt sind hingegen rar. In der Sammlung finden sich in diesem Zusammenhang hauptsächlich Darstellungen von Frauen bei bäuerlichen Verichtungen sowie von Artistinnen, Schauspielerinnen oder Sängerinnen. Diese Werke werden thematisch unter dem Bereich Lebenswelten der Frau ausgestellt, in dem Smola und Pribinger eine besondere Entdeckung gemacht haben. Eine rund um 1910 entstandene Arbeit, die eine Malerin vor der Staffelei zeigt, wie sie gerade im Freien ein Aktmodell festhält. Der Schöpfer oder die Schöpferin des Bildes ist nicht bekannt. "Es würde mich sehr freuen, wenn ich über das Bild noch mehr herausfinden kann", sagt Smola.

Trotz der männlichen Dominanz ist der zweite Teil der Ausstellung Künstlerinnen gewidmet. Diese Zweiteilung war ursprünglich zwar nicht so geplant, hat sich aber, wie auch die thematische Gliederung der Frauendarstellungen, im Zuge der Recherche im Depot des Museums ergeben. "Gerade im Leopold Museum würde man so eine Ausstellung nicht unbedingt erwarten, weil das Thema nicht im Fokus der Sammlung steht", sagt Piringer. Deswegen sei es besonders spannend, diese mit einem selektiven Blick zu betrachten.

Zugang verwehrt

Doch inwieweit besteht durch das Herausheben weiblichen Schaffens nicht immer auch die Gefahr der Ghettoisierung von "Frauenkunst"? Smola hält diese Frage grundsätzlich für berechtigt. "Eine historische Auseinandersetzung ist in diesem Zusammenhang wohl am ehesten gerechtfertigt", sagt er. Die fehlende Präsenz von Künstlerinnen in dieser Zeit erklärt sich auch durch die historische Entwicklung. Denn Frauen war der Zugang zu traditionellen Kunstakademien bis zu den 1920er-Jahren verwehrt. Zwar organisierten sie sich in privaten Frauenakademien, mit einem Abschluss von diesen war es ihnen jedoch nicht möglich, den Stellenwert eines akademischen Malers zu erlangen.

Die misogyne Haltung, Frauen könnten keine Künstlerinnen sein, hielt sich bis ins 20. Jahrhundert. "Das ist eine Meinung, die heute glücklicherweise als abstrus gilt", sagt Piringer.

Fotowettbewerb: #Frauenbilder auf Instagram

Wie hat sich die Darstellung von Frauen im vergangenen Jahrhundert verändert? Parallel zur " Frauenbilder"-Ausstellung gibt es dazu einen Fotowettbewerb auf Instagram. Bei diesem steht die Frau im Mittelpunkt. Posten Sie auf Instagram ein Frauenbild, das die Realität der modernen Frau zeigt. Verwenden Sie die drei Hashtags: #frauenbilder #kurierat #leopoldmuseum, um am Gewinnspiel teilzunehmen. Eine Jury kürt die besten Bilder. Diese werden im KURIER erscheinen und mit attraktiven Preisen belohnt, bereitgestellt von magdas hotel, Natascha Auenhammer, violettsays, KURIER und Leopold Museum.

Ausstellungsdauer

07.07–18. 09.2017

Donnerstag, 13.07., 17.08 und 07.09.2017, 18 Uhr

Donnerstag, 13.07.2017, 19 Uhr: Diskussion "Frauenbilder. Damals – heute" mit Nina Proll (Schauspielerin), Martina Schöggl (Sorority / Femtrails), Franz Smola und Birgit Piringer (Kuratoren Leopold Museum), Moderation: Elisabeth Mittendorfer ( KURIER)

Donnerstag, 07.09.2017,19 Uhr: Diskussion "Frauen in der Kunst" mit Xenia Hausner (österr. Malerin), Christine König (Galerie König), Stephanie Damianitsch (Kuratorin Leopold Museum), Moderation: Barbara Mader (KURIER)Infos und Eintrittspreise: www.leopoldmuseum.org