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Kultur
05/18/2020

Französische Filmlegende Michel Piccoli gestorben

Vielfacher ausgezeichneter Schauspieler und Regisseur.

von Georg Leyrer, Marco Weise

Die französische Filmlegende Michel Piccoli ist tot. Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler und Regisseur wurde 94 Jahre alt. Berühmt wurde er mit "Die Verachtung" (1963) von Jean-Luc Godard, er arbeitet u.a vielfach als Filmpartner von Romy Schneider, so in deren letzten Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci". Ebenso war er an der Seite von Catherine Deneuve zu sehen.

Er hat Romy Schneider geküsst, Nacktszenen mit Brigitte Bardot gedreht und für Regisseur Nanni Moretti den Papst gespielt. In mehr als 200 Filmen hat Michel Piccoli immer wieder überrascht.

Zu seinem 90. Geburtstag (27. Dezember) legte der Charakterdarsteller eine Autobiografie vor - mit bewegenden Geständnissen. "J'ai véçu dans mes rêves" (etwa: Ich habe in meinen Träumen gelebt) hat die Ikone des französischen Kinos gemeinsam mit Gilles Jacob veröffentlicht, dem Ex-Präsidenten des Filmfestivals von Cannes. Die beiden Männer kennen einander seit 40 Jahren. Als Piccoli 1980 für "Der Sprung ins Leere" in Cannes die Goldene Palme als bester Darsteller gewann, war der heute 85-jährige Jacob noch künstlerischer Leiter, bevor er von 2001 bis 2014 die Spitze des Festivals übernahm. In dem Drama von Marco Bellocchio spielt Piccoli einen Untersuchungsrichter, der sich seiner Schwester entledigen will. Jacob gegenüber plaudert Piccoli aus dem Nähkästchen. Etwas, was er in der Öffentlichkeit bislang vermied.

Mit Romy Schneider drehte er sechs Filme, darunter "Die Dinge des Lebens" und "Das Mädchen und der Kommissar". Sie seien manchmal schwach geworden und hätten sich zu nicht immer "ehrlichen Gesten" hinreißen lassen, wie er in dem Buch gesteht, doch das habe nicht die Freundschaft zerstört, die beide miteinander verbunden habe. Selten wurde der Film- und Theaterdarsteller so intim.

Piccoli ist der Sohn einer Musikerfamilie italienischer Herkunft. Sein Vater war Violinist, seine Mutter Pianistin. Eltern ohne Leidenschaft, wie er schreibt. Er kam nach dem Tod des von seiner Mutter über alles geliebten Bruders zur Welt. Seine ganze Kindheit über habe er mit einem Phantom gelebt. "Das Theater war in erster Linie der Wunsch gewesen zu fliehen", offenbart er.