13 Franz West vor seinem Rolls Royce Silver Shadow mit einem der 6 Passstücke für Rolls Royce Silver Shadow, Einladungskarte zur Ausstellung Fabric, Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt am Main, 2007 / Franz West in front of his Rolls Royce Silver Shadow with one of the 6 Adaptives for Rolls Royce Silver Shadow, invitation card for the exhibition Fabric, Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt am Main, 2007 Photo: Jens Preusse Courtesy Franz West Privatstiftung © Franz West

© Franz West

Franz West im mumok
02/21/2013

Tanz zwischen Hochkultur und Wirtshaus

Die erste große Schau nach dem Tod des Künstlers Franz West balanciert Respekt mit Offenheit.

von Michael Huber

Gott sei Dank! Endlich darf auch der gemeine Museumsbesucher „Passstücke“ von Franz West in die Hand nehmen, sie um den Hals hängen, drehen, damit tanzen – oder sogar darauf spucken.

Am Beginn der Schau „Franz West – wo ist mein Achter“ macht der Tänzer Ivo Dimchev in zwei Videos vor, wie sich der Künstler den Umgang mit jenen Objekten, die er ab 1974 schuf, vorstellte: Das Publikum sollte nicht in Ehrfurcht vor ihnen verharren, sondern sie „benutzen“. Und tatsächlich sind zwei „angreifbare“ Kopien der Stücke ausgestellt.

Mit der Ehrfurcht ist es trotzdem so eine Sache: Die Verhaltensmuster eines Museumsbesuchs sind nun einmal gut eingeübt, und der Umstand, dass West zu den international berühmtesten und auch teuersten Künstler aus Österreich zählt, wird den Respektabstand vor seinem Werk nicht verkleinern. Der Tod Wests am 25. Juli 2012 hat seinen Status nur noch weiter einzementiert.

Die Bilder der Ausstellung

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Die Reliquie – ein Risiko

Die mumok-Schau – die erste postume Museumsausstellung zu West und zugleich die letzte, an deren Konzeption der Künstler noch mitarbeitete – ist daher ein Balanceakt: Überall lauert die Gefahr, Wests Werke wie Reliquien einzubalsamieren, zugleich sollen die Arbeiten als „Auslöser eines Dialogs“, wie es Kuratorin Eva Badura-Triska nennt, wirksam bleiben.

Die Kunsthistorikerin, die bereits die West-Werkschau im 20er Haus 1996 gestaltete, geht im Museum einen Weg des Bestmöglichen: Wo vertretbar, dürfen Benutzer ihre Passivität tatsächlich aufgeben, greifen, fassen und sitzen, etwa auf Wests teppichbespannten Diwanen oder der babyblauen, riesigen Alu-Skulptur im Obergeschoß. Dort, wo sie die Fragilität und der mittlerweile enorme Marktwert der Objekte zum bloßen Schauen verdammt, hilft der Fokus, den Badura-Triska auf Wests sogenannte „Kombi-Arbeiten“ legt.

„Kasseler Rippchen“ heißt ein solches Arrangement, das 1996 entstand und seither mehrmals überarbeitet wurde: Verschiedene Arbeiten von Künstlerfreunden, darunter Martin Kippenberger, Albert Oehlen oder Heimo Zobernig, hängen da dicht gedrängt in einer Raumecke; davor zwei Stühle und ein Tisch, auf dem (in der nun ausgestellten Version) der schöne Spruch „Sit down and drink a beer, but leave the bottle here“ (Setz dich und trink ein Bier, aber lass die Flasche hier) zu lesen ist.

Bier trinken!

Auch wenn das tatsächliche Hinsetzen in diesem Fall verboten ist, verdeutlicht sich hier eine Idee, wie es sich mit und in der Kunst leben lässt: Bilder und Skulpturen sind weniger isolierte Ikonen als vielmehr Material gewordene Gedanken, die im Sinn eines „Gedankenaustauschs“ zusammenfinden – durchaus auch im Ambiente eines Wirtshauses. Man muss die Arbeiten dabei gar nicht so genau anschauen – dass West seine Sitzgelegenheiten gern so positionierte, dass die Betrachter mit dem Rücken zur Wand sitzen, unterstreicht seine Idee, dass Kunst vor allem „Befindlichkeitshersteller“ sei.

All das liefert natürlich allerhand kunsttheoretischen Denkstoff, und Wests Status in der Kunstwelt gründet nicht zuletzt auch darauf. Bei aller Fundierung baut die mumok-Schau – und der ansprechend gestaltete Katalog – allerdings kein hohes Podest für West. Die versammelten Werke streichen vielmehr hervor, dass das Kippen und Wackeln immer schon zu seinem Programm gehörte: Er, der die Schriften von Wittgenstein, Freud und postmodernen Philosophen verschlang, bediente sich zugleich vulgären Strizzi-Vokabulars; er wurde ein großer Künstler, der aber großkünstlerisches Gehabe stets missbilligte. In der Museumsschau wackelt West nun munter weiter – widersprüchlich, aber ein Stück fassbarer.

Info: Ausstellung: Bis 26.5.
„Wo ist mein Achter?“

Die Ausstellung – deren Titel sich einem Spiel mit dem Wort „(w)eight“ (Gewicht bzw. Acht) verdankt – wird heute, Freitag, um 19 Uhr feierlich eröffnet. Sie läuft bis zum 26. Mai und geht anschließend ins MMK Frankfurt.

Rahmenprogramm: Am Samstag treten Tänzer Ivo Dimchev sowie die Musiker Philipp Quehenberger und Didi Kern auf (18 Uhr). Weiteres Rahmenprogramm auf mumok.at

Katalog: Im Verlag Walther König, 34 €

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