Kultur 14.03.2018

Franz Ferdinand in Wien: Viel Energie, aber kein roter Faden

Konzert der britischen Indie-Rockband Franz Ferdinand am 13.03.2018 im Wiener Gasometer. © Bild: Kurier/Juerg Christandl

Die Schotten stellten im Gasometer den neuen Sound des Albums "Always Ascending" vor.

Vor etwas mehr zehn Jahren haben Franz Ferdinand die Wiener Stadthalle ausverkauft. Anno 2018 müssen sich die Schotten nach längerer Pause, Umbesetzung und Stilwechsel mit dem Gasometer zufrieden geben. Und selbst der ist nicht ausverkauft – obwohl die Galerie oben gar nicht offen ist.

Alex Kapranos, den Frontmann der Truppe, stört das offenbar nicht. Um das neue Album „Always Ascending“ vorzustellen, sind er und seine Freunde, darunter die Nick-McCarthy-Ersatzleute Dino Bardot (Gitarre) und Julian Corrie (Keyboards), nach Wien gekommen. Deshalb starten sie gleich mit dem Titelsong. Kapranos, frisch erblondet, gibt von Anfang an Gas wie 2005 in der Stadthalle. Er hüpft, zeigt seine Grätschsprünge und grinst breit vor Vorfreude auf den Abend.

Gleich als dritten Song schießen Franz Ferdinand ihren vielleicht größten Hit „Do You Want To“ raus. So früh im Set eine Überraschung, die für einen ersten musikalischen und stimmungsmäßigen Höhepunkt sorgt. Doch die hohe Anfangsenergie können Franz Ferdinand nicht halten. Die neuen Songs von „Always Ascending“, für die das Quintett seinen tanzbaren, rockigen Grundsound mit elektronischen Klängen erweitert hat, sind - wenn auch wie „The Academy Award“ höchst ansprechend - zu unbekannt und zu anders, um die Stimmung kontinuierlich zu steigern. Was auf dem Album (weil unter Seinesgleichen) gut funktioniert, fällt hier aus dem Rahmen. Zumal die Songs aus der Hochphase der Band hier härter und wuchtiger klingen, als auf Platte.

Konzert der britischen Indie-Rockband Franz Ferdinand am 13.03.2018 im Wiener Gasometer. © Bild: Kurier/Juerg Christandl

Verstärkt wird das Gefühl, dass die Show keinen roten Faden hat, auch durch, die Einspielungen auf der LED Wand: Mal zeigt sie in elegantem schwarz/weiß die Musiker auf der Bühne, dann wieder zucklerlbunte Verfremdungen dieser Szenen oder Collagen aus altem Coverartwork. Einmal säumen weiße Sterne, die an Revue-Theater erinnern, ihren Rand, Dann leuchtet die ganze Bühne in Regenbogenfarben. Es ist fast so, als wäre jeder Song von einem anderen Künstler visualisiert worden.

So ist der erste Teil ein Wechselbad der Gefühle. Das ändert sich erst, als Franz Ferdinand in der Hälfte weitere Hits wie „No You Girls“ und „The Dark Of The Matinee“ auspacken. Jetzt beginnt ihre sichtliche Spielfreude und das zwanglose, unmanierierte Auftreten von Kapranos, der beim Ausfall einer Monitorbox lässig draüber hinweg improvisiert, zu wirken. Damit ist sie dann bei „Michael“, „Take Me Out“ und „This Fire“ auch wieder da - diese großartige, mitreißende Energie, die diese Band vor 15 Jahren groß gemacht hat.

( kurier.at ) Erstellt am 14.03.2018