Kultur
24.03.2018

Finnland: Es gibt keine richtigen und falschen Türen

Tommi Kinnunen schreibt nicht typisch lustig-schräg. Seine Familiengeschichte ist essenziell.

Erwähnt man, dass im kalten Städtchen Kuusamo den Kühen die Euter einfrieren, könnte man glauben, „Wege, die sich kreuzen“ sei wieder so ein typischer lustig-schräger finnischer Roman. Finnisch ist er. Aber anders. Ernst. Essenziell.
Eine 100-jährige Familiengeschichte – mit dem Beginn: Maria, eine junge Hebamme, kauft ein Fahrrad, damit sie rasch bei den Frauen ist, denen die katholischen Männer zehn Kinder „machen“ – göttlicher Wille, wenn Mutter und Kind sterben. Maria legt sich mit der Kirche an.
Sie hat ein Kind, aber keinen Mann, weil sie keinen Mann will. Ihre Tochter hat ein Kind, aber keinen Mann, obwohl sie einen Mann will. Den sie will, bekommt sie nicht. Den sie bekommt, will sie nicht. Ihr Geheimnis wird die Schwiegertochter lüften.
Tommi Kinnunen beschreibt das Leben als Haus. Die Bewohner wählen Türen aus, wandern durch die Räume, es gibt keine richtige Tür und keine falsche. Es  sind nur Türen, so ist  das Leben


Tommi
Kinnunen:

„Wege, die sich kreuzen“
Übersetzt von
Angela Plöger.
DVA.
336 Seiten.
20,60 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern