Hobby-Autorin Stella begegnet den Geistern, die aus Schauermärchen den Weg in die Realität finden

© Constantin/eOne Germany

Kino
10/31/2019

Filmstarts der Woche: Kürbis, Geister und Skelette

Halloween-Grusel als schaurig-schönes Kinoabenteuer, Neuanfang in der DDR, Geheimnisse im Handy und glücklichmachende Pflanzen.

Wenn die Tage immer kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt die Zeit der Geister: Halloween ist inzwischen in Österreich beliebter als der Valentinstag und dem Osterhasen-Geschäft dicht auf den Fersen. Sicher ist: An Kürbissen, Skeletten und Geistern kommt man dieser Tage kaum vorbei. Auch nicht im Kino.

Es ist Halloween im Jahr 1968. Der Vietnamkrieg wütet und bestimmt die Stimmung in den USA. Doch im ländlichen Kaff Mill Valley haben die junge Horror-Liebhaberin Stella und ihre besten Freunde ganz andere Sorgen. Sie legen den halbstarken Tommy Milner, der sie immer schikaniert, mit einem Streich einmal so richtig herein. Als Tommy und seine Spießgesellen ihre jugendlichen Herausforderer daraufhin durch die Stadt jagen, finden diese zunächst Zuflucht in einem Autokino, wo sie auf Ramón treffen, der ebenfalls zu Tommys Zielscheibe wird.

Spukhaus

Danach verstecken sie sich in einem alten, verlassenen Haus, in dem es spuken soll. Dort lebte einst die wohlhabende Familie Bellows. Doch die hatte ein dunkles Geheimnis. Ihre jüngste Tochter Sarah wurde wegen ihres andersartigen Aussehens in einem Kellerraum eingesperrt. Die Legende besagt, dass sie Kindern, die sie aus Neugier besucht haben, gruselige Geschichten durch die Wände flüsterte und danach spurlos verschwand.

Die Hobby-Autorin Stella nimmt aus dem verwunschenen Haus das Buch mit Sarahs Gruselgeschichten mit. Nicht ahnend, welches Unheil sie damit heraufbeschwört. Denn das Werk ist noch nicht vollendet. Neue Geschichten drängen aus den Buchdeckeln ins Leben der Protagonisten. Ein rachsüchtiger Geist schreibt wahre Horrorszenarien ins Buch. Deren Hauptfiguren: Stella und ihre Freunde. Schon bald gibt es das erste Opfer.

Für viele US-Amerikaner, die in den Achtzigern und Neunzigern aufgewachsen sind, waren die „Scary Stories to Tell in the Dark“ – aufgeschrieben von Alvin Schwarz – stilprägend in Sachen Horror.

Schauermärchen

Die vom Autor gesammelten Gruselgeschichten hatten ihren Ursprung meist in der Folklore und in Großstadtlegenden. Daraus und aus den Illustrationen der Originalausgabe schöpfte Oscarpreisträger Guillermo del Toro, der Regisseur moderner Filmmärchen wie „Pans Labyrinth“ und „Shape of Water“, die Inspiration, diesen Film zu produzieren. Mit dem Norweger André Øvredal fand del Toro seinen Wunsch-Regisseur, um den Schauermärchen filmisches Leben einzuhauchen. Gemeinsam schafften del Toro und Øvredal eine echte Rarität: Einen gut gemachten Gruselfilm für junges Publikum. Sie schafften den Spagat, einen Horrorfilm zu drehen, der von Jugendlichen und ihren Eltern gleichermaßen goutiert werden kann.

Zwar gibt es keine Blutfontänen oder Splattereinlagen, doch die Gefahr für die Protagonisten ist stets sehr real. In der Anfangssequenz werden die Zuschauer auf die Halloween-Atmosphäre eingestimmt. In einer szenischen Montage lernen sie die Hauptfiguren bei ihren Vorbereitungen auf die Nacht der Geister und Hexen kennenlernen, musikalisch unterlegt von Donovans „Season of the Witch“.

Auch der politische Hintergrund wird sichtbar und spürbar und nährt reale Ängste: Mit Nixon-Plakaten und Fernsehauftritten der damaligen Politiker – und ihren Zitaten zum Vietnamkrieg. Ein zusätzliches Gruselelement – auch und besonders über den Horror des Erwachsenwerdens.

INFO: USA 2019. 107 Min. Von André Øvredal. Mit Zoe Margaret Colletti, Stella Nicholls, Michael Garza.

Text: Gabriele Flossmann

Filmkritik zu "Das perfekte Geheimnis": Handy-Botschaften lösen Beziehungskrisen aus

Die Prämisse des Films ist einfach: In der Nacht einer Mondfinsternis versammelt sich eine Gruppe von Freunden, um bei einem guten Essen das astronomische Ereignis zu beobachten. Es hätte ein harmonischer Abend werden können, wäre nicht die Idee eines heiklen Gesellschaftsspiels aufgekommen: Alle  Handys sollen in die Mitte des Tisches gelegt und alle  SMS-Texte und Anrufe  allgemein zugänglich gemacht werden.

Der soziale Druck zwingt die Freundesrunde, ihre Geheimnisse – auch die schmutzigen – preiszugeben.

Ein Strip-Pokerspiel der Gefühle, das mit der Trennung von Freunden und Ehepaaren enden kann.

Der Film ist unterhaltsam, aber nicht immer pointensicher. Und  schauspielerisch sind die Frauen den Männern  von  Anfang an einige Schritte voraus – bis zum versöhnlichen Ende.

INFO:  D 2019. 120 Min. Von Bora Dagtekin. Mit  Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Jessica Schwarz.

Text: Gabriele Flossmann

Filmkritik zu "Und der Zukunft zugewandt": Frauenschicksal in der DDR

Der Film erzählt anhand eines persönlichen Schicksals das, was passiert, wenn der Satz „Der Zweck heiligt die Mittel“ zu einer Regierungs-Doktrin wird.

Im Mittelpunkt steht Antonia Berger, eine politisch denkende Frau. In den 1930er Jahren war sie als überzeugte Kommunistin mit  gleichgesinnten Künstlern nach Moskau gegangen, um den Aufbau der UdSSR zu unterstützen. Aufgrund absurder Vorwürfe wurde sie aber zur Zwangsarbeit verurteilt. 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges durfte sie in die DDR ausreisen, nicht aber über ihre Erfahrungen reden. Denn die Wahrheit – so sahen es die Funktionäre – hätte den jungen, sozialistischen Staat gefährdet. Als sie in der DDR ein Leben aufbauen will, scheitert sie an der Schweigepflicht. Alexandra Maria Lara spielt diese Frau mit  großer Intensität. Ihre Figur trägt  den Konflikt aus: Darf man für eine vermeintlich gute Sache großes Unrecht  verschweigen? Man  merkt der aus Rumänien stammenden Schauspielerin an, dass sie zur Thematik eine Nähe hat. Erzählt ist der Film konventionell, aber historisch durchwegs  interessant.

INFO: D 2019. 108 Min. Von Bernd Böhlich. Mit Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober, Stefan Kurt.

Text: Gabriele Flossmann

Filmkritik zu "Little Joe": Gen-Manipulierte Pflanze als Glücksdroge

„Little Joe“ ist eine Pflanze, die angeblich durch Gen-Manipulation die Kraft hat, ihre Besitzer glücklich zu machen. Der Film besticht durch bis ins kleinste Detail durchkomponierte Bild- und Farbgestaltung und verstört mit einer bisweilen dissonanten Tonspur.

Die Geschichte, in der es  um die emotionale Abstumpfung der Gesellschaft geht, kann es mit der intellektuellen Kühle der gen-manipulierenden Wissenschaftlerin aufnehmen.

INFO:  F/D/Ö 2019. 105 Min. Von Jessica Hausner. Mit Emily Beecham, Ben Wishaw, Kerry Fox.

Text: Gabriele Flossmann

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