George Clooney als melancholischer Wissenschafter, der sich mit einem kleinen Mädchen durch die Arktis schlägt: „The Midnight Sky“

© Netflix

Film
12/24/2020

Filmkritik zu "The Midnight Sky“: Schlechte Verbindung zum All

Regisseur und Hauptdarsteller George Clooney übernimmt sich mit seinem Sci-Fi-Thriller „The Midnight Sky“ (auf Netflix)

von Alexandra Seibel

Es ist Februar im Jahr 2049. Die Menschen haben die Erde zerstört, der Planet ist kaum noch bewohnbar. Die Mitarbeiter einer Forschungsstation in der Arktis haben mit ihren Familien die Einrichtung verlassen.

Nur George Clooney blieb zurück. Einsam sitzt er in der Sternwarte und trägt die Bürde von Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent von „The Midnight Sky“ ganz allein auf seinen Schultern.

Für seine siebente Regiearbeit (abrufbar auf Netflix, Kinostart geplant), hat sich der zweifache Oscarpreisträger viel vorgenommen. Bereits vor Drehbeginn katapultierte er sich in die Notaufnahme, weil er für seine Hauptrolle zehn Kilo abmagerte und sich seine Bauchspeicheldrüse entzündete. Dementsprechend überzeugend schlecht sieht er nun als krebskranker Astronom Augustine aus: Mit hohlem Blick und angegrautem Rauschebart, in dem bald die Eiszapfen hängen, stapft Clooney durch die leeren Räume.

Seine Anti-Krebs-Pillen spült er mit Whiskey hinunter, Schach spielt er mit sich selbst. Ab und zu muss er sich ins Klo übergeben.

Das alles könnte gefühlt ewig so weiter gehen, würde nicht plötzlich ein kleines Mädchen auftauchen. Es wurde offenbar in der Station zurückgelassen und weigert sich zu sprechen. Clooney bleibt mürrisch, aber das Kind ist anhänglich. Beim Abendessen beginnen die beiden – wie lieb! – Erbsen hin- und her zu schnippen und werden beste Freunde. Das ist die eine Handlung.

Doch es gibt auch eine zweite, irgendwo im All.

Dort schwebt ein Raumschiff namens Aether, das auf dem Jupitermond K-23 alternatives Leben gefunden hat. Leider hat die Besatzung den Kontakt zur Erde verloren und weiß nicht, dass dort eine Totalkatastrophe stattgefunden hat.

Augustine und das Mädchen müssen sich nun unter großen Gefahren durch die Eishölle zu einer weit entfernten Wetterstation schleppen, um dort eine Nachricht ans Raumschiff zu schicken.

Altersrolle

Nun ist Clooney – besonders in seiner neuen „Altersrolle“ – ein beeindruckender Schauspieler. Als melancholischer Wissenschafter trägt er genügend Weltenschwere im Blick, um die Aufmerksamkeit souverän an sich zu reißen. Zudem eröffnet sich eine drohende Eislandschaft in fesselnden Bildern, die einem mit ihrer monumentalen Wucht den Atem rauben.

Schon weit weniger atemberaubend gestaltet sich die Erzählverbindung zum All. Zwar besteht auch die Crew des Weltraumschiffs aus einem beachtlichen Schauspielerensemble – darunter Felicity Jones als Ingenieurin und David Oyelowo als Captain. Doch die Handlungsfäden zwischen Clooneys packendem Survival-Abenteuer auf der Erde und den Leuten in der fliegenden Untertasse bleiben hauchdünn und nehmen keine gemeinsame Fahrt auf.

Clooney hat selbst zugegeben, dass er sich für seine Weltraumszenen von Alfonso Cuaróns „Gravity“ inspirieren ließ, doch der Vergleich verläuft weitgehend zu seinen Ungunsten. Geradezu bizarr aber sind jene Rückblenden, in denen Clooney als junger Mann von einem anderen Schauspieler gespielt wird. Als könnten wir uns nicht mehr erinnern, wie Clooney früher aussah!

Das wirft Fan-Fragen auf: Hätte es nicht gereicht, ihm den grauen Bart abzuschneiden? Mit ein bisschen Make-up die Augenringe zu kaschieren? Eine Szene aus „Emergency Room“ hinein zu schmuggeln?

Aber natürlich geht es um ganz andere, große Fragen, die mit viel Pathos und einem Schimmer Hoffnung beantwortet werden. Denn „The Midnight Sky“ ist ein solider Weltuntergangsfilm, kein Griff nach den Sternen.

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