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Kultur
07/28/2021

Filmkritik zu "Minari": Mit einem Hauch von Petersilie

Zartes Drama über eine koreanische Familie, die versucht, auf einer Farm in Arkansas ein neues Leben zu beginnen.

von Alexandra Seibel

„Minari“ ist so etwas wie koreanische Petersilie: Passt in jede Suppe, verfeinert das Essen und fördert das Wohlbefinden. Zudem ist Minari „eine poetische Pflanze“, behauptet Regisseur Lee Isaac Chung von seinem titelgebendem Kraut: „Wenn es eingegangen ist, wächst es im nächsten Jahr umso stärker wieder nach.“

Poetisch und eigenwillig – lauter Eigenschaften, die auch gut zu dem sechsfach mit einem Oscar nominierten koreanischen Drama passen, in dem Drehbuchautor und Filmemacher Lee Isaac Chung seine Kindheitserinnerungen verarbeitete.

Chung ist Sohn koreanischer Einwanderer, wuchs auf einer kleinen Farm auf und erzählt in seinem zartbesaiteten, verhaltenen Familienfilm von der Suche nach einem besseren Leben in Amerika, genauer gesagt: in Arkansas.

Dort sieht es zunächst einmal nicht so toll aus. Das koreanische Ehepaar Jacob und Monica Yi steht mit seinen beiden Kindern Anne und David vor dem neuen Haus, das sich als abgeranzter Trailer entpuppt. „Das Haus hat Räder“, kichern die Kinder, doch die Mutter trifft fast der Schlag. So hat sie sich die neue Bleibe nicht vorgestellt.

Koreanisches Gemüse

Allerdings steht der große Wohnwagen inmitten einer herrlichen Wiese, die der Vater – ein gelernter Bauer – bepflanzen möchte: Mit koreanischem Gemüse für Emigranten, die Sehnsucht nach heimischen Essen haben.

Chung nimmt weitgehend die Erzählperspektive der Kinder ein, ohne in sentimentale Verklärungen zu verfallen. Die Kleinen beobachten die Streitereien der Eltern und werden schließlich mit der sonderbaren Großmutter konfrontiert, die ebenfalls im Trailer einzieht.

Bei ihrer Anreise ist vor allem der Enkelsohn David schwer enttäuscht. Die schrullige Oma kann weder Kuchen backen, noch lesen; dafür spielt sie mit ihm Karten und flucht dabei laut.

Sie ist es aber auch, die an einem Bachufer Minari, also Petersilie, anpflanzt und dem Enkel die Angst vor dem Tod nimmt. Yuh-jung Youn, in Südkorea eine überaus bekannte Schauspielerin, erhielt für ihre Rolle als eigenwillige Großmutter einen verdienten Oscar als beste Nebendarstellerin.

Hingebungsvoll erzählt Chung von der harten Arbeit auf dem Feld und der Einsamkeit in der neuen Umgebung, aber auch vom Glück der einfachen Dinge.

In zarten Pinselstrichen werden zudem die eigenwilligen Nachbarn gestreift – etwa ein schräger Bauer, der als glühender Christ gerne Dämonen verscheucht und sonntags ein Holzkreuz durch die Landschaft schleppt.

Die Erfahrungen einer Immigrantenfamilie aus der Innenperspektive, die Belastungen für Ehe und Familie und die Schwierigkeiten, Wurzeln zu schlagen, davon berichtet „Minari“ mit Kraft, Poesie – und einem Hauch von Petersilie.

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