Wollen korrupte und sexistische Männer über den Tisch ziehen: "Kaviar"

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Kultur
06/13/2019

Filmkritik zu "Kaviar": Sexfalle mit Schlafmittel

Österreichisch-russische Bestechungskomödie mit „Strache-Effekt": Simon Schwarz und Georg Friedrich packeln mit Oligarchen.

von Alexandra Seibel

Ein russischer Oligarch lässt seinen Blick über die Wiener Schwedenbrücke schweifen – und muss dabei plötzlich an die Ponte Vecchio in ... Venedig?... Florenz? Egal! denken. Wäre es nicht schön, dort eine Villa hinzubauen? Mitten auf die Schwedenbrücke, die man dann in Russenbrücke umbenennen müsste?

Seit dem berüchtigten Ibiza-Video wissen wir, dass sich praktisch alles an russische Oligarchen verscherbeln lässt. Warum nicht auch die Schwedenbrücke? Mithilfe eines schwindligen Wiener Unternehmers, dessen Anwaltsfreund und einem korrupten Stadtrat, sollte die Sache kein Problem sein: Igor, der Russe, lässt Geld fließen, Klaus, der Österreicher und sein Anwalt Ferdinand schmieren im Gegenzug die zuständigen Politiker.

Über einen „Strache“-Effekt darf sich die österreichische Klamotte „Kaviar“ freuen, deren Komödienstoff plötzlich hart an der Realität anstreift. Denn wie auch im echten Leben ahnen Klaus und Ferdinand nicht, dass ihre Unterredungen beschattet und per Video aufgezeichnet werden. Im Gegensatz zum echten Leben wissen wir allerdings, wer dahintersteckt: Drei patente Frauen, die Rache, Geld und Scheidung suchen. Es handelt sich um die Übersetzerin des Oligarchen, deren Babysitterin und der Ex-Ehefrau von Klaus.

Tiefschlaf

Zum Glück für seine Beschatterinnen, glotzt Klaus jeder weiblichen Person auf den Busen und lässt sich dadurch kinderleicht in alle möglichen (wenig lustigen) Sexfallen locken: So schmiert sich Sabrina Reiter (als die Babysitterin) die Brust mit flüssiger Schokolade und Schlafmittel ein, worauf Klaus beim Nippelsaugen in Tiefschlaf verfällt.

Um sich zur treffsicheren Satire aufzurüsten, fehlt es „Kaviar“ an scharfem Wortwitz, dramaturgischer Raffinesse und visuellem Tempo. Slapstick bleibt in biederem Klamauk stecken, Komik entsteht punktuell nur dann, wenn Komödien-Veteranen wie Simon Schwarz loslegen oder Georg Friedrich mit nacktem Hintern im Fenster stecken bleibt. Die trinkfreudige Damentruppe wiederum schlägt sich wacker durch das landesübliche Standard-Repertoire für findige Frauen, die sich an sexistischen und machtgeilen Männern rächen dürfen. Natürlich meist „mit den Waffen einer Frau“. Aber auch ihnen bleibt der Griff ins Klo nicht erspart.

INFO:  Ö 2019. 100 Min. Von Elena Tikhonova. Mit Margarita Breitkreiz, Darya Nosik, Sabrina Reiter.