Endlich in New York angekommen, mit Gesang von  Udo Jürgens

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Kino
10/17/2019

Filmkritik zu "Ich war noch niemals in New York": Bitte mit Sahne, Maximiliane

Das Erfolgsmusical "Ich war noch niemals in New York" mit Songs von Udo Jürgens ist amateurhaft und streckenweise recht witzig.

von Alexandra Seibel

Die deutsche Antwort auf das Filmmusical „Mamma Mia!“ lautet „Ich war noch niemals in New York“ und kommt nicht wirklich überraschend. Nachdem das Bühnenstück aus Hamburg weltweit über sechs Millionen Zuseher in die Theater (auch in Wien) gelockt hat, war es nur eine Frage der Zeit, wann auch die Kinokassen zu klimpern beginnen. Ungeniert tauchte der deutsche Regisseur Philipp Stölzl, ein Mann des Musikvideos (Rammstein) und der Bergabenteuer („Nordwand“), in die Kitschkiste der Musicalseligkeit ein und pinselte eine farbfreudige Schmonzette in Hollywoods nostalgischem Fifties-Look.

 

Die leichtgewichtige, von der Bühnenfassung abgewandelte Romantik-Handlung ist rund um die Songs von Udo Jürgens gebaut und wird von einer deutsch-österreichischen Star-Besetzung mit Inbrunst intoniert und manchmal auch...äh...getanzt.

Unglücklicherweise zählt Stölzl zu jenen Regisseuren, die Bewegung und Tempo mit hektischen Schnitten verwechseln. Diese Fehleinschätzung wirkt sich vor allem am Anfang fatal aus, wo in einigen hastig hingehauten Szenen eine überdrehte Heike Makatsch als TV-Moderatorin Lisa im Quotensinkflug vorgestellt wird. An ihrer atemlosen Seite jagt Michael Ostrowski als schwuler Maskenbildner Fred hinterher, während Katharina Thalbach als Lisas einsame Mutter Maria ihr Pensionistendasein fristet. Ein Schlag auf den Kopf lässt Maria ihre komplette Erinnerung verlieren und nur noch einen Gedanken verfolgen: „Ich war noch niemals in New York“.

Ausgebüxt

Maria büxt aus dem Krankenhaus aus und gelangt auf ein Kreuzfahrtschiff namens „Maximiliane“, das Richtung Amerika in See sticht. Tochter Lisa und ihr Maskenbildner landen ebenfalls auf dem Schinakel.

Nachdem Stölzl seinen gesamten Cast endlich an Deck seines Traumschiffs versammelt hat, kann er Atem holen – und dann wird es streckenweise richtig witzig.

Stölzl tut gar nicht erst so, als ob seine Kreuzfahrt auf einem echten Meer stattfinden würde. Man sieht förmlich die Fototapete, auf der knallorange der Sonnenuntergang brüllt, während sich an Deck die potentiellen Paare umschleichen. Die (über zwanzig) Ohrwürmer von Jürgens werden („Merci, Cherie“) flugs in den Handlungsverlauf eingebaut und bei Bedarf umgedichtet: „Aber bitte mit Sahne“ reimt sich herrlich auf „Maximiliane“, und nicht alle Mitwirkenden brillieren mit Stimmgewalt.

Aber es ist gerade die absichtlich zur Schau gestellt Amateurhaftigkeit, die den (moderaten) Spaß ausmacht. Moritz Bleibtreu (als fader Professor) und Katharina Thalbach („Mit 66 Jahren“) beschränken sich eher auf den Sprechgesang, während Heike Makatsch tapfer ihr goldenes Kehlchen unter Beweis stellt. Bleibtreu ist auch nicht gerade der geborene Tanzbär und stakst etwas steifbeinig, aber durch und durch würdevoll im Pas de deux mit Makatsch übers Parkett. Da hat Uwe Ochsenknecht als Eintänzer eine flottere Sohle, während Mat Schuh als alternder Gigolo („Hat die Bandscheibe gehalten?“) gefährlich seine blendend weißen Zähne bleckt.

INFO: D 2019. 128 Min. Von Philipp Stölzl. Mit Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu, Michael Ostrwoski, Katharina Thalbach.