Kultur
03.05.2018

Filmkritik zu "Eleanor & Colette": In der Psychiatrie gefangen

Berührendes Justizdrama aus der Psychiatrie von Bille August mit Hang zum Kitsch.

Männer in Weiß tun einer Frau Gewalt an. Sie versucht sich ihrem Griff zu entwinden und schreit: „Bitte tut mir nicht weh!“ Doch das Personal des Krankenhauses ist stärker. Gegen ihren Willen bekommt die Frau Medikamente verabreicht. Kurz darauf sieht man sie apathisch in einem Isolationszimmer liegen, das für sie zum Gefängnis geworden ist.

So beginnt das Justizdrama von Bille August, das auf einem wahren Fall basiert: Nach einer Hirnhautentzündung wird bei Eleanor Riese Schizophrenie diagnostiziert. Obwohl sie sich freiwillig in die Klinik begibt, wird sie zu einer von vielen Psychiatrie-PatientInnen, denen in den USA noch in den 1980er Jahren Medikamente zwangsverabreicht wurden. Bis Eleonor die Anwältin Colette Hughes einschaltet. Gemeinsam legen sich d mit dem US-Gesundheitswesen an und werden Freundinnen.

Skurril

Hilary Swank hat als Anwältin und ehemalige Krankenschwester Colette die einfachere Rolle. Obwohl die zweimal Oscar-nominierte Helena Bonham Carter sichtlich mit der Aufgabe kämpft, die psychisch kranke Eleanor mit der verdienten Menschenwürde auszustatten, wirkt sie bisweilen wie eine der skurrilen Figuren, die sie in „Dark Shadows“, „Harry Potter“ oder „Sweeney Todd“ gespielt hat. Was wohl auch an ihrer schrägen Frisur liegt.

Der Däne Bille August zählt kaum zur Riege radikaler Regisseure, sondern setzt auf gediegenes Kino der konventionellen Art. Leider bedient er in diesem Film, in dem die Gerichtsverhandlungen etwas zu kurz kommen, auch diverse Klischees und scheut zudem nicht vor kitschiger Klaviermusik zurück, um rührselige Szene als solche zu kennzeichnen.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: D/BL 2017. 115 Min. Von Bille August. Mit Helena Bonham Carter, Hillary Swank.