Elsa und Anna dringen mit Elch und Schneemann  in einen mysteriösen Wald ein: "Die Eiskönigin 2"

© Walt Disney Animation Studios

Filmkritik
11/14/2019

So ist Disneys "Die Eiskönigin 2": Lockruf der Sirene

Disney setzt mit seiner etwas düsteren, aber sehr einfallsreichen Fortsetzung "Die Eiskönigin 2" seinen Erfolgslauf fort.

von Alexandra Seibel

Sechs Jahre ist es her, seit Disney mit dem Animations-Musical „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ die Kinderherzen an sich riss und an den Kinokassen den Jackpot knackte. „Frozen“ – so der Originaltitel – spielte global fette 1,3 Milliarden Dollar ein, hält in der Kategorie Trickfilm den Weltrekord an Einspielergebnissen und gewann zwei Oscars. Einer davon ging an den Hit-Ohrwurm „Let It Go“ und strapaziert seitdem das Trommelfell der Erziehungsberechtigten.

Die Geschichte der beiden königlichen Schwestern Elsa und Anna, von denen Elsa die magische, schwer beherrschbare Kraft besitzt, ihre Umgebung zu vereisen, traf mit geballter Girlpower und einer Anti-Märchenprinz-Haltung den Nerv der Zeit. Ein witziger Schneemann mit Hasenzähnen namens Olaf, Eislieferant Kristoff und sein gefühlvolles Rentier Sven komplettierten das originelle Helden-Ensemble und sorgten mit Action und Gesang für Kurzweil und rollende Rubel.

Bevor sich Disney an die Fortsetzung machte, kam „Die Eiskönigin“ noch als Broadway-Musical zur Welt. Doch nun startet das Sequel des Schwesternschicksals als „Die Eiskönigin 2“ ab Mittwoch in den Kinos.

Gleich für das erste Wochenende erhofft sich das Maus-Studio sensationelle 100 Millionen Dollar Einspielergebnisse. Der Erfolg wird in jedem Fall enorm sein.

Die Fortsetzung kommt um einiges düsterer daher als ihre Vorgängerin und lässt Elsa und Anna eine Reise in die familiäre Vergangenheit antreten. Besonders Elsa und ihre Superkräfte als Eismaschine bilden einen starken, dramatischen Erzählstrang: Mit dem Lied „Into the Unknown“ (wieder gesungen von Idina Menzel) gibt sich Elsa selbst mutig den Startschuss, vertrautes Terrain zu verlassen und neue Wege auszuprobieren. Zudem verspricht „Into the Unknown“ vergleichbares Ohrwurm-Potential wie „Let It Go“.

Die Handlung selbst bleibt etwas an den Haaren herbei gezogen, entfaltet im Detail aber viel erzählerischen Witz und visuelle Höchstleistungen.

Gleich im Prolog – Elsa und Anna sind noch kleine Mädchen – setzt der königliche Vater zu einer länglichen Gute-Nacht-Geschichte an. Die Kinder lauschen mit offenem Mund und sehen mit ihren herzigen Kulleraugen dabei so niedlich aus, wie Disney nur sein kann.

Arendelle

Als junge Frauen leben Elsa und Anna friedlich in ihrem in herbstliches Rotbraun getauchten Königreich Arendelle, als Elsa plötzlich die Stimme einer Sirene vernimmt. Sie scheint aus einem sagenumwobenen Wald zu kommen und Elsa in dessen unheimliches Inneres zu locken. Große Gefahr bäumt sich auf.

Besonders die drohenden Wassermassen des schäumenden Meeres, exzellent animiert in allen Schattierungen von Weiß, sind echte Hingucker: Sie erheben sich zu wütenden (Eis-)bergen und werden schließlich von Elsa durch einen Ritt auf einem durchsichtigen Gaul bezwungen. Überhaupt Elsa: Wenn sie Eiskristalle wie Spiderman seine Netze wirft oder bunte Schneegestöber entfacht, wirken diese Ornamentierungen wie gigantische Bühnenshows. Man kann sich gut vorstellen, wie „Eisprinzessin 2 – das Musical“ in der Stadthalle aussehen würde.

Als unterhaltsamer Sidekick sorgt der junge Kristoff für komische Entspannung. Wiederholt versucht er, seiner angebeteten Anna einen Heiratsantrag machen. Im Stile eines schmalztriefenden Musik-Videos schmettert er schließlich eine herzzerreissende Liebesballade, während seine Föhnfrisur im Wind weht und im Hintergrund ein inniger Chor von Rentieren mit gespitzten Samtlippen mitsingt.

Eines steht jedenfalls fest: Mit „Die Eiskönigin 2“ hat Disney wieder höchst wertvollen Content in der Hand, mit dem sein Streaming-Dienst Disney Plus erfolgreich bespielt werden kann. Bleibt zu hoffen, dass „Die Eiskönigin 3“, sollte sie je kommen, ihren Weg überhaupt noch in die Kinos findet.