Beim Boxen hat Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) keine Chance: Ansonsten ergänzen sich der Kleinkünstler und  sein Känguru perfekt

© FILMladen/Luna Filmverleih

Filmstarts der Woche
03/05/2020

"Die Känguru-Chroniken" und mehr im Kino: Anarchist mit Beutel

Ein kommunistisches Känguru aus dem Kultbuch, eine Kupplerin namens Emma, Catherine Deneuve, die flunkert, und ein halber Vater.

von Susanne Lintl

Es klingelt an Marc-Uwes Tür. Draußen steht sein Nachbar, das Känguru. „Hast du Eier?“, fragt das Känguru den verschlafenen Kleinkünstler. Marc-Uwe holt Eier. Zwei Minuten später klingelt es wieder: „Hast du auch Milch?“ Marc-Uwe holt Milch. Es klingelt wieder: „Mehl?“ Bei der Pfanne ist dann endgültig Schluss mit dem Hin und Her: Das Känguru bäckt die Palatschinken in Marc-Uwes Wohnung und beschließt, dort zu bleiben.

Die ungewöhnliche WG-Allianz zwischen einem kommunistischen Känguru, dessen Anwesenheit im Berliner Kiez keinen zu stören scheint, und dem „Kleinkünstler mit Migränehintergrund“ Marc-Uwe begleitet Autor Kling schon seit etlichen Jahren. Erst verfasste der Schwabe, der sein Politik- und Philosophiestudium zugunsten des Schreibens abbrach, ein Hörspiel. Dann folgten vier Bücher. Und jetzt kommen Marc-Uwe und das Känguru ins Kino. Dani Levy führt Regie.

Und das tut er mit Verve: Dass sich Levi und Kling in ihrem Verständnis von Humor gefunden haben, ist auf den ersten Blick ersichtlich. Die Arbeit hat ihnen Spaß gemacht – obwohl es schwer war, Klings episodischen Wortwitz auf die Leinwand zu bringen. Und den linken Grundton: Da gibt das Känguru im Boxklub Unterricht (es ist natürlich der Beste im ganzen Club!) und tritt danach draußen gegen die Park-Faschos an. Auch der Hund der Neonazis kriegt einen Extra-Kick.

In einer kleinen, aber wunderbaren Rolle, die seinem Wahnsinn idealtypisch entspricht, ist Paulus Manker zu sehen: Er gibt Marc-Uwes Psychotherapeuten und empfiehlt dem Känguru-Geplagten erst einmal ein Gläschen Weinbrand. Manker schenkt sich auch ein und sinniert: „Jeder Mensch ist ein Abgrund, ich verstehe Sie. Ich lebe ja selbst auch mit einem Gnu zusammen.“

Schmierig

Und dann wäre da noch Henry Hübchen als schmieriger Azd-(Alternative zur Demokratie)-Spitzenkandidat, der den Wohnblock von Marc-Uwe gern schleifen und durch schicke Vorsorgewohnungen ersetzen würde. Ein rechtspopulistischer Unsympathler mit dummen Anhängern, der in manchen Szenen zum Gruseln real erscheint.

Marc-Uwe, das Känguru und ihre skurrile Entourage sind unwiderstehlich. Politisch unkorrekt und frech. Manchmal – nun ja, selten – kann deutscher Humor auch gut sein.

INFO: Komödie. D 2020. 95 Min. Von Dani Levy. Mit Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Henry Hübchen, Paulus Manker

Filmkritik zu "Emma": Miss  Austens pastelliges Kupplerinnen-Universum 

Ach, was waren das für Zeiten! Als es noch keine Partnerbörsen gab, keine Blind Dates und Singlebörsen, keine schnellen Liebesschwüre per Handy und keine Möglichkeiten, sich abseits des Elternhauses näherzukommen? – Irgendwas ging trotzdem immer. 


Jane Austen, britische Großmeisterin des Zwischenmenschlichen, hat ganze Romane damit gefüllt, wie sich Liebespaare finden und wieder verlieren. Ihnen viele romantische Stunden, aber auch banges Warten und tragische Schmerzensmomente geschenkt.

In „Emma“ lässt sie ihre Titelheldin, die höhere Tochter Emma Woodhouse, Kupplerin für ihre Freundinnen spielen. Gute Partien sollen sie alle bekommen, fortan ein sorgloses Leben in der britischen Upperclass-Gesellschaft des  19. Jahrhunderts führen. Emma beherrscht ihr Metier und kann punkto Kuppelei schon einige Erfolge vorweisen.

Jüngstes Opfer ist ihre Freundin Harriet, die zwar auf einen armen Schlucker steht, aber aus Emmas Sicht für etwas Besseres bestimmt ist. Bei allem Engagement klammert Emma aber  ihre eigenen Bedürfnisse aus.

Anya Taylor-Joy ist eine selbstbewusste, gewitzte Emma, Bill Nighy ihr grummeliger Vater, der britische Sänger Johnny Flynn ihr Paroli bietender Verehrer. Ein Klassiker, modern aufbereitet.

INFO: Drama. UK 2020. 132 Min. on Autumn de Wilde. Mit Anya Taylor-Joy, Mia Goth, Bill Nighy
 

Filmkritik zu "Onward – Keine halben Sachen“: Das ist nur eine halbe Portion

Das Leben der beiden Elfenbrüder Ian und Barley Lightfoot ändert sich schlagartig, als ihnen ihre Mutter zum 16. Geburtstag des Jüngeren einen geheimnisvollen Stock überreicht. Ein Geschenk des Vaters, der  starb, als die Buben noch  klein waren.

Ein magischer Stock, mit dem Ian und Barley den Vater für einen Tag in die Welt der Lebenden zurückholen können. Doch sie patzen: Schaffen es nur, die Beine des Vaters zu beleben. Um auch noch den Rest von Dad zu Gesicht zu bekommen, bleibt ihnen 24 Stunden Zeit. 

Klar, dass die Brüder turbulente Abenteuer erleben, ehe sie ihr Ziel erreichen. Ein netter, aber bei Weitem nicht der beste Pixar-Film.
 
INFO: Animation. USA 2020. 101 Min. Von Dan Scanlon
 

Filmkritik zu "La Vérité – Leben und lügen lassen": Ich bin eine flunkernde Diva

Dass es im Leben immer nur auf die Sichtweise ankommt, hat Filmdiva Fabienne verinnerlicht. Sie ist eine Meisterin der Selbstinszenierung und passt die Wahrheit  ihren Bedürfnissen an. Doch mit  ihren Memoiren bringt sie das Fass zum Überlaufen: Als sie sich dort als liebende Supermama inszeniert, bringt das ihre Tochter, die es, weiß Gott, besser weiß, auf die Palme. 
Der japanische Regisseur Kore-eda Hirokazu macht aus der Konfrontation der beiden Frauen (Deneuve und Binoche) ein amüsantes und kurzweiliges Geplänkel. Très gentil.

INFO: Komödie. F 2019. 107 Min. von  Kore-eda Hirokazu. Mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche
  
 

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