Edward aus Ghana will bei einer Prozession in Siculiana mitmachen: "A Black Jesus"

 

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Filmstarts
09/30/2021

Filmkritik zu "A Black Jesus": Flüchtlinge aus Ghana wollen Jesus tragen

Wim Wenders produzierte eine Doku über Einwanderer in Sizilien, Valerie Pachner sucht in "Another Coin for the Merry-Go-Round“ ihre Jugend

von Alexandra Seibel

In dem sizilianischen Dorf Siculiana wird ein Kruzifix verehrt, an dem ein besonderer Jesus hängt: Er ist schwarz.

Bei aller Hingabe an ihren schwarzen Jesus – von den Afrikanern, die in einem Asylantenheim am Rande von Siculiana leben, halten sich die Dorfbewohner fern: „Sie lieben ein Stück Holz, aber uns nicht. Das versteh ich nicht“, klagt Edward, ein 19-jähriger Flüchtling aus Ghana. Seitdem er das erste Mal Zeuge einer Prozession mit dem schwarzen Jesus geworden ist, möchte er beim Tragen des Kruzifix mithelfen.

Regisseur Luca Lucchesi beobachtete zwei Jahre lang ein Dorfleben, in dem von einem Miteinander keine Rede sein kann. Zwar stößt er kaum auf offene Feindseligkeit, doch bleiben die Sphären getrennt. Einzig der Italienischlehrer pflegt freundschaftliche Beziehungen mit den Afrikanern. Als Edward beim Pfarrer mit der Bitte vorspricht, an der Prozession teilnehmen zu dürfen, stößt er auf Verlegenheit und Verblüffung.

Wim Wenders stand als Produzent Pate für eine in sorgfältigen Bildern komponierte, nachdenkliche Doku: Sie beobachtet behutsam das Alltagsleben einer vom Aussterben bedrohten Kleinstadt, in der die Ängste der Bevölkerung vor „Überfremdung“ und die Sehnsucht der Flüchtlinge nach einer neuen Heimat (fast) nicht zueinanderfinden.

INFO: Deutschland 2020. 92 Minuten. Von Luca Lucchesi. Mit Edward Zorobah

Filmkritik zu "Another Coin for the Merry-go-Round": Suche nach Jugend

Another Coin for the Merry-Go-Round. „Schön ist so ein Ringelspiel! Das is a Hetz und kost net viel...“ sang einst die österreichische Kabarett- und Wienerlied-Legende Hermann Leopoldi. 

Vielleicht hat dieses Lied Filmemacher Hannes Starz zu diesem Film inspiriert.

In den Proberäumen und Lokalen der Wiener Indie- und DIY-Szene spielen, singen und improvisieren neben Valerie Pachner Szene-Größen wie Bulbul, Alicia Edelweiss und Voodoo Jürgens. Sie mimen einen Freundeskreis von Dreißigjährigen, die den Blick starr in Vergangenheit gerichtet haben. Zurück in die eigene Jugend. Sie sträuben sich gegen das Erwachsenwerden, taumeln durch die Wiener Underground-Musikszene und versuchen, mit ihrer eigenen Band etwas zu schaffen, obwohl sie auf ihren Instrumenten alles andere als Virtuosen sind.

Zwischen Alkohol und Drogen-Highs und darauffolgenden Abstürzen und Depressionen versuchen sie, das Ringelspiel ihrer Selbsttäuschungen am Laufen zu halten. Coin by Coin, Münze für Münze. Selbst als der von Voodoo Jürgens gespielte Niko nach einem Selbstmordversuch im Rollstuhl landet.

Wiener Musikszene

Hannes Starz  fühlt sich in der Wiener Musikszene zu Hause. Offenbar kennt er seine im Film vorgeführten Pappenheimer.

Was die Machart des Films betrifft, so scheinen ihn auch noch zwei weiteren Zeilen des Hermann-Leopoldi-Lieds inspiriert zu haben: „Immer wieder fährt man weg und draht sich doch am selben Fleck“. Diesen Eindruck bekommt man als Zuschauer, weil nicht alle (Selbst-)Darsteller mit ihren (improvisierten?) Dialogen die Handlung vorantreiben (können). Andererseits – wie singt doch Leopoldi so richtig: „Man kann sagen, was man will, schön ist so ein Ringelspiel!“ Auch beim Anschauen im Kino.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: Ö 2021. 92 Min. Von Hannes Starz. Mit Valerie Pachner, Voodoo Jürgens

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