Anne Hathaway auf der Flucht durch Jurassic Park: „The End of Oak Street“
Abenteuerliche Ablenkung von der Ehekrise: Anne Hathaway (re.) und ihr Mann (Ewan McGregor) in „The End of Oak Street“.
Dinosaurier haben im Kino gerade Hochsaison – für jede Altersklasse. Wer kleine Kinder hat, kann sich „Paw Patrol: Der Dino Film“ ansehen, wo die gezeichneten Riesenechsen friedlich in den Baumwipfeln grasen. Für Eltern von Jugendlichen ab dreizehn bietet sich die etwas herbere Unterhaltung mit „The End of Oak Street“ an; die Dinos begnügen sich nicht mehr mit Blätterwerk, sondern gehen gezielt auf Menschenjagd.
In David Robert Mitchells familienfreundlichem Nostalgie-Blockbuster lassen die Achtzigerjahre grüßen. Wer damals ins Kino ging, fühlt sich sofort in eine Zeitspirale hineingesogen, als wäre er in einem frühen Film von Steven Spielberg oder – apropos Nostalgiefaktor – auf dem Set von „Stranger Things“. Kein Zufall auch, dass J. J. Abrams, großer Verehrer von seinem Idol Spielberg und Regisseur der Retro-Hommage „Super 8“, auf der Produzentenliste steht. Volles Vintage-Feeling setzt gleich mit den ersten Bildern von einer sonnigen Kleinstadt ein, in der eine Gruppe von Buben mit Fahrrädern durch Suburbia flitzt. Die Kinder hören die Musik von 1982 mit dem Walkman, während ihre Mutter Fotos mit der Polaroidsofortbildkamera knipst.
Anne Hathaway – derzeit auch als Frau von Odysseus in „Der Odyssee“ zu sehen –, spielt Denise, eine freundliche, aber frustrierte Hausfrau und Mutter eines Buben und eines Mädchens im Teenager-Alter. Im Keller schreibt sie unbemerkt an einem Roman, in dem sie davon träumt, Mann und Kinder zu verlassen und ein befreites Leben zu führen. Ihr Mann Greg (Ewan McGregor) kämpft mit seinem Arbeitsleben als Pizzalieferant und trinkt heimlich. Die Ehe steckt eindeutig in der Krise, ehe eine noch viel größere Katastrophe alles in den Schatten stellt.
Fressgiganten
Zuerst flammt nur ein seltsames Licht durch den Vorgarten, dann liegt ein riesiger Haufen Saurier-Kot beim Nachbarn im Garten. Schließlich biegen die eindrucksvoll animierten Echsen höchstpersönlich in ihrer vollen Spezialeffekt-Pracht ums Eck. Die breite Palette prähistorischer Jäger reicht von wendigen Raubsauriern über fette Riesenschlangen, die Wasser aus den Swimmingpools schlürfen, bis hin zu turmhohen Fressgiganten. Effektvoll reißen sie ihre Zahnreihen in bester Horror-Manier auf und schnappen grunzend nach kreischenden Vorstadtbürgern.
Trotz seines tiefen Griffs in die Nostalgiekiste hat Regisseur Mitchell nicht auf ein modernes Update seines Old-School-Abenteuers vergessen, justiert die Gender-Politik ein wenig nach und lässt queeres Begehren unter den Teenagern aufblitzen.
Tapfer schlagen sich Anne Hathaway und Ewan McGregor mit den Kindern durch den Dino-Park, sorgen für emotional tiefsinnige Augenblicke und blutige Schockmomente. Die Spannung bleibt anspruchsvoll, erreicht aber nicht die jugendverbotene Intensität eines Survival-Thrillers für Erwachsene. „The End of Oak Street“ fällt eindeutig ins Feld des moderaten Familienabenteuers; der Regisseur hat es dem Andenken seines Vaters gewidmet.
INFO: USA 2026. 100 Min. Von Robert David Mitchell. Mit Anne Hathaway, Ewan McGregor.
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