Letzte Vorbereitungsarbeiten: Das Filmfestival in Venedig startet am Mittwochabend mit einem italienischen Familiendrama  

© REUTERS/MANUEL SILVESTRI

Kino
09/01/2020

Filmfestival Venedig: Masken statt Blockbuster

Erstmals seit Ausbruch der Pandemie startet ein großes Filmfestival unter strengen Sicherheitsauflagen

von Alexandra Seibel

Venedig traut sich.

Nachdem bedingt durch die Corona-Pandemie die großen Filmfestivals – allen voran Cannes – abgesagt wurden oder ihre Filme nur online zeigten, startet nun Mittwochabend das internationale Filmfestival in Venedig.

Festival-Chef Alberto Barbera hatte zuversichtlich an seinen Programmplänen festgehalten, obwohl bis zuletzt große Unsicherheit herrschte. Doch nun ist es fix: Venedig ist das erste große Filmfestival, das seit dem Lockdown des Kulturlebens stattfindet.

Eines kann man mit Sicherheit jetzt schon sagen: Es wird alles anders.

Venedig war immer sehr stolz auf sein amerikanisches Star-Aufgebot, das traditionellerweise über den Lido spazierte. Zudem galt das Festival als Richtschnur für die kommende Oscar-Saison und deren Favoriten. Heuer jedoch wird sich der Glamour-Faktor Corona-bedingt in Grenzen halten, und auch amerikanische Blockbuster sind keine in Sicht.

Wer von außerhalb des Schengen-Raums an dem Festival teilnehmen will, muss sich zudem einem Corona-Test unterziehen.

Trotzdem werden Stars wie die australische Oscarpreisträgerin Cate Blanchett, die der Preis-Jury als Präsidentin vorsitzt, erwartet. Weiters sind der US-Schauspieler Matt Dillon, die österreichische Regisseurin Veronika Franz und der deutsche Regisseur Christian Petzold Mitglieder der Jury.

Um in jedem Fall Fan-Ansammlungen jeglicher Art zu vermeiden, wurde eine Art Mauer um den Festivalpalast gebaut, sodass der Blick auf den Roten Teppich höchst schwierig werden dürfte. Bei allen Events – wie Gala-Premieren oder Auftritten vor Presse-Fotografen – wurde strenges Social Distancing angekündigt. Wie sich der Ablauf von Ereignissen mit potenziellem Massenandrang dann aber tatsächlich gestalten wird – man denke etwa an Pressekonferenzen – bleibt abzuwarten.

Nicht ohne meine Maske

Generell hat die Festivalleitung strikte Sicherheitsverordnungen herausgegeben: Maskenpflicht herrscht überall. Wer sich auf das Festivalgelände begibt, muss eine Maske anlegen, egal, ob er sich im Außenbereich oder einem Innenraum aufhält. Es gibt neun Eingänge zum Areal, bei denen jedem Besucher die Temperatur gemessen wird. Wer über 37, 5 Grad erhitzt ist, bleibt draußen.

Zwar herrscht in italienischen Kinos bei einer Filmvorstellung keine Maskenpflicht, während des Festivals jedoch müssen die Besucher den Mund-Nasen-Schutz die gesamte Filmlänge hindurch im Gesicht tragen.

Weiters wurden zusätzliche Kinosäle (inklusive Freiluft-Screenings) für Vorstellung bereitgestellt, nachdem in jedem Saal höchstens die Hälfte der Sitzkapazitäten genutzt werden darf. Um Ballungen beim Einlass zu vermeiden, müssen die Journalisten ihre Tickets online im Voraus buchen. Diese Neuauflage führte im ersten Anlauf prompt zum Zusammenbruch des Anmeldesystems.

Mehr Kinos und weniger Filme, lautet also die Devise. Anstelle von 80 Filmen wie im Vorjahr, laufen heuer nur 60 aus insgesamt 50 Ländern im Programm. Im Hauptwettbewerb selbst kämpfen 18 Filme um den Goldenen Löwen. Erfreulicherweise befinden sich – für Venedig ungewöhnlich – darunter acht Frauen.

Eröffnet wird mit dem italienischen Familiendrama „Lacci“ mit Alba Rohrwacher, das außer Konkurrenz läuft.

Frances McDormand

Im Rennen um den Goldenen Löwen befinden sich unter anderem das mit Spannung erwartete „Nomadland“ von Regisseurin Chloé Zhao. Frances McDormand spielt darin eine Aussteigerin, die sich als moderne Nomadin auf eine Reise durch den amerikanischen Westen begibt.

Weitere bekannte Gesichter gibt es in „The World to Come“ mit Vanessa Kirby und Casey Affleck sowie in „Pieces of a Woman“ mit Shia LaBeouf zu sehen.

Auch Österreich ist in diesem Reigen mit der Koproduktion „Quo Vadis, Aida?“ der bosnischen Regisseurin Jasmila Žbanić und der Schauspielerin Edita Malovčić präsent.

Für die Deutschen tritt Julia von Heinz mit ihrem brisanten Politdrama „Und morgen die ganze Welt“ an. Es geht um die Radikalisierung einer Jus-Studentin, die gegen den Rechtsruck in Deutschland ankämpfen will und mit linken Kreisen in Kontakt kommt. Mit im Ensemble sind die österreichischen Schauspieler Noah Saavedra („Egon Schiele: Tod und Mädchen“) und Andreas Lust.

Von einer Rückkehr zum Normalbetrieb also sind die 77. Filmfestspiele in Venedig noch sehr weit entfernt. Aber sie versuchen, ein Zeichen der Hoffnung zu setzen für eine schwer angeschlagene Kinobranche.

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