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Kultur
06/04/2021

Filmfestival trotz Pandemie: Die Sommerausgabe der Berlinale startet

Das Festival findet heuer zweigeteilt statt.

Mit der Berlinale musste eines der wichtigsten Festivals vorerst ins Netz ausweichen. Dass ein Teil der Filmfestspiele in Berlin nun doch noch mit Publikum stattfindet, schien wegen der Pandemie lange unwahrscheinlich. Doch nun eröffnet die Berlinale am Mittwoch (9. Juni) ihre Sommerausgabe.

Erstmals seit Langem finden die Internationalen Filmfestspiele damit wieder im Sommer statt. Auch die erste Ausgabe 1951 wurde im Juni eröffnet, damals mit Alfred Hitchcocks „Rebecca“. Diesmal ist das Justizdrama „The Mauritanian“ mit Jodie Foster der offizielle Eröffnungsfilm. Allerdings - und das muss man gleich sagen - wird die Berlinale ziemlich anders aussehen als ĂŒblich.

Keine großen Stars

Als Kulisse dient nicht der Potsdamer Platz, sondern unter anderem die Museumsinsel. Die FilmvorfĂŒhrungen finden draußen statt, an 16 verschiedenen SpielstĂ€tten. Die Besucherinnen und Besucher werden Masken und einen Coronatest mitbringen mĂŒssen. Und auch wenn etliche Filmteams kommen - die großen Namen fehlen.

Jodie Foster zum Beispiel könne leider nicht anreisen, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Mariette Rissenbeek der Deutschen Presse-Agentur. Auch bei GĂ€sten aus Großbritannien sei das schwierig. Unter den vielen Filmen, die auf der Berlinale gezeigt werden, ist ein bewegender Dokumentarfilm ĂŒber SĂ€ngerin Tina Turner. Die 81-JĂ€hrige wird ebenfalls fehlen. „Das ist tatsĂ€chlich schade.“

Beim Großteil der gezeigten neuen Filme aber werden Teams erwartet. Schauspieler Daniel BrĂŒhl stellt sein RegiedebĂŒt vor, den Psychothriller „Nebenan“. Filmemacher Dominik Graf zeigt seine Verfilmung von Erich KĂ€stners Roman „Fabian“, mit den Schauspielern Tom Schilling und Albrecht Schuch. Regisseurin Maria Schrader erzĂ€hlt in „Ich bin dein Mensch“ von der Liebe zu einem Roboter.

Publikum wÀhlt Favoriten

Rund 60 000 Kinotickets wird es diesmal geben. Das ist zwar deutlich weniger als sonst, aber nach monatelangem Daheimsitzen ein Anfang. Darauf hofft auch die Kinobranche. Nach und nach wollen die Kinos nÀmlich wieder öffnen. Die Berlinale zeigt nun schon Filme, die in nÀchster Zeit ins Kino kommen sollen.

Dazu gehört die experimentelle Satire „Bad Luck Banging or Loony Porn“. Der Film des rumĂ€nischen Regisseurs Radu Jude hat in diesem Jahr den Goldenen BĂ€ren gewonnen, die wichtigste Auszeichnung der Berlinale. Die PreistrĂ€ger waren schon im MĂ€rz bekanntgegeben worden, sie bekommen aber erst jetzt ihre Auszeichnungen. Zudem soll nun auch noch das Publikum seinen Favoriten wĂ€hlen dĂŒrfen.

Filme im Freien

Die Berlinale nutzt mit ihrer Sommerausgabe eine zeitliche LĂŒcke vor den Festivals in Cannes und Venedig. Normalerweise findet das Berliner Festival im Februar statt. Und, wie fĂŒhlt sich die Festivalleitung kurz vor dem Start? „Aufgeregt, ehrlich gesagt“, sagte Rissenbeek. „Weil das eine ganz neue Berlinale sein wird.“

Es habe natĂŒrlich auch eine euphorisierende Wirkung, draußen zu sitzen und endlich wieder Filme auf einer Leinwand sehen zu können, sagte Rissenbeek. Haben alle schon Regenschirme parat gelegt? „Ja, natĂŒrlich, wir sind bestens ausgestattet.“ Auch das Berliner Publikum sei es gewohnt, möglicherweise im Regen sitzen zu mĂŒssen. Auf der Museumsinsel wird eigens eine LED-Leinwand errichtet, Filme können dann schon vor Einbruch der Dunkelheit gezeigt werden.

Neustart fĂŒrs Kino

Eine Absage, das wollten die Organisatoren vermeiden. Sie fĂŒhlten sich sowohl dem Publikum als auch den Filmemachern sehr verpflichtet, sagte Rissenbeek. Im September 2020 seien sie guter Dinge gewesen, dass im Februar ein Festival stattfinden könne. Damals habe es auch ein großes Interesse gegeben. Eine spĂ€tere Absage, sagt Rissenbeek, hĂ€tte bedeutet, viele Filme fĂŒr andere Festivals zu blockieren.

Die Filmteams, sagt Rissenbeek, hĂ€tten dann bei einer Absage unverrichteter Dinge nach Hause geschickt werden mĂŒssen. Dabei ist gerade jetzt die Aufmerksamkeitsmaschinerie wichtig. Filmfestivals bringen nicht nur schöne Bilder vom roten Teppich, sondern eben Werbung fĂŒr Filme. Und noch scheint keiner sagen zu können, wie die Pandemie die Branche verĂ€ndern wird. Die Kinobetreiber jedenfalls hoffen auf einen Neustart - auch mit Filmen von der Berlinale.

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