Maren Eggert (Mensch, links) und Dan Stevens (Roboter, rechts) in dem amüsanten deutschen Wettbewerbsfilm von Maria Schrader: „Ich bin dein Mensch“

© Christine Fenzl

Film
03/01/2021

Berlinale: Flirten ist schwer zu programmieren

Das Online-Filmprogramm der Berlinale startet mit Maria Schraders Sci-Fi-Dramedy um einen sexy Roboter

von Alexandra Seibel

Die Berlinale online hat begonnen. Ab sieben Uhr früh werden Filme freigeschalten, die man sich 24 Stunden anschauen kann, ehe der Link erlöscht. Das Programm wechselt täglich, so wie bei einem normalen Festivalbetrieb auch. Nur muss man nicht zwischen Kinosälen oder Veranstaltungsorten, verteilt in Berlin, hin- und herhuschen, sondern erhält jeden Film per Mausklick.

Die übliche Qual der Wahl bleibt – ganz abgesehen von dem fehlenden Festivalflair und seinen Kinos. Gleich am ersten Tag gibt es in den Programmsektionen 22 Filme, unter denen man aussuchen kann, welche man verpassen wird müssen.

Im Online-Angebot des Wettbewerbs steht Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“ an erster Stelle. Insofern könnte man ihn als den inoffiziellen Eröffnungsfilm betrachten, denn vergnüglich und Mainstream-tauglich genug für einen netten Galaabend wäre er.

„Sie glauben ja gar nicht, wie kompliziert es ist, einen Flirt zu programmieren“, seufzt eine freundliche Dame und deutet auf einen hübschen Mann namens Tom. Tom ist ein humanoider Roboter und ganz nach den Bedürfnissen von Alma, einer Berliner Wissenschafterin, angefertigt. Alma nimmt an einem Experiment teil: Drei Wochen lang soll sie mit Tom zusammenleben und danach evaluieren, ob sich Roboter als Beziehungspartner für Menschen eignen.

Aussehensmäßig ist Tom tadellos, doch seine Flirtfähigkeiten halten sich in engen Grenzen: „Deine Augen sind wie zwei Bergseen“, versichert er der angewiderten Alma und lässt ein Schaumbad ein: „93 Prozent der deutschen Frauen träumen von einem Rosenbad mit Champagner und Kerzen.“

Echt oder unecht

Doch Alma will nicht zu diesen Klischee-Frauen gehören; Tom geht ihr spontan auf die Nerven.

Der Brite Dan Stevens spielt seinen feschen Roboter mit stahlblauen Augen und neugierigem Gesichtsausdruck. Ihm gegenüber versucht Maren Eggert als verunsicherte Alma angestrengt, sich nicht in den Maschinenmann zu verlieben.

Regisseurin Maria Schrader, die zuletzt mit dem Stefan-Zweig-Film „Vor der Morgenröte“ (2016) beeindruckte, erzählt ihre Sci-Fi-Dramedy mit Witz und Sensibilität, wenngleich mit wenig Mut zur Überraschung.

Die Frage, die sich stellt, inwiefern sich „echte“ Gefühle von denen, die nur gespielt – oder wie im Fall von Tom – programmiert sind, unterscheiden, streift auch der Wettbewerbsfilm des Koreaners Hong Sangsoo in „Introduction“: Ein junger Mann möchte seine Karriere als Schauspieler aufgeben, weil er es unredlich findet, im Film eine Frau zu umarmen, die er nicht liebt. Sein Kollege, ein berühmter Schauspieler, weiß darauf eine klare Antwort. Egal, wie groß oder klein, echt oder gespielt eine Geste auch sein mag: „Es gibt nichts als Gutes!“

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