Kultur
24.10.2018

Festspiele Erl: Gustav Kuhn hört auf, Bernd Loebe folgt

Gustav Kuhn hat laut Haselsteiner alle Funktionen zurückgelegt. Chef der Oper Frankfurt wurde am Mittwoch als Nachfolger präsentiert.

Bernd Loebe, Chef der Oper Frankfurt, wird neuer künstlerischer Leiter der Tiroler Festspiele Erl. Er folgt damit auf Gustav Kuhn.

 

Dies gab Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner am Mittwoch bekannt. Er startet am 1. September 2019. Gustav Kuhn hat alle Funktionen zurückgelegt. Er wolle sich vorübergehend ins Kloster zurückziehen, sagte Haselsteiner.

Loebe lobte die Errungenschaft Erls, "aus dem Nichts" ein Orchester zu schaffen. Es gebe Menschen, die lieber als nach Bayreuth nach Erl fahren, um Wagner zu hören. "Erl wird keine Filiale der Oper Frankfurt werden", sagte Loebe. "Es werden nahezu durchgängig Neuproduktionen sein." Es werden "keine Dinge auf den Kopf gestellt". Loebe will "den Versuch wagen, im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten das Prinzip Musiktheater einzubringen. Es werden Regisseure gefragt sein, auf das Urelement Personenregie zurückzugreifen." Loebe hoffe auf Fantasie - und dass Erl so wie bisher musikalisch ein Highlight ist.

Er habe u.a. Brigitte Fassbaender angesprochen - und ein "Hurra" zurückbekommen. Sie wird ab 2021 einen "Ring des Nibelungen" in Erl inszenieren. Johannes Leiacker soll das Bühnenbild gestalten. Der neue "Ring" werde aber nicht, wie bei Kuhn zuweilen, an einem Tag zu hören sein: "Ich bin nicht sehr sportlich".

"Wir müssen versuchen, die Gedanken zum Thema Erl in die Zukunft zu fokussieren. Ein Festival, dass tagtäglich mit schlechten Nachrichten in der Zeitung steht, muss damit rechnen, dass Publikum abwandert. Dass dieses in der Öffentlichkeit hergestellte schlechte Image auf Dauer schaden wird." Er wolle wieder ein Gefühl der Identität und der Loyalität erreichen und die schlechten Nachrichten, "so ferne sie überhaupt vorhanden sind", hintanstellen. Gustav Kuhn sei in seiner Planung "in den nächsten Jahren nicht vorgesehen". Er wolle mit jungen Dirigenten und "hoffnungsvollen Sängern" arbeiten. Alle, die Loebe engagiert hat, seien "auf dem Steilflug nach oben".

Kuhns "Magie"

Es mag etwas "dran sein", dass ohne Kuhn eine "gewisse Magie wegfällt". Aber die "Magie steht nicht vor der Arbeit. Die stellt sich manchmal ein, manchmal überrascht sie uns sogar. Und manchmal nicht."

Im Sommer 2020 werde es einen neuen " Lohengrin" geben und "Die Königskinder" von Engelbert Humperdinck. Wagner soll jährlich mit einer Produktion "gespiegelt" bzw. reflektiert werden. In den "Königskindern" seien Elemente aus dem "Lohengrin" zu finden.

Er traue sich zu, Erl und Frankfurt, aktuell erneut "Opernhaus des Jahres", zu schaffen. Er sei "gewohnt, in einem guten, familiären Team" zu arbeiten. "Mit Menschen, die nicht auf die Uhr schauen. Das erwarte ich im Geiste auch von den Mitarbeitern in Erl. Blick nach vorne und nicht über jedes Hölzchen springen, das einem serviert wird."

Haselsteiner: Klagen werden "abgearbeitet"

Am Freitag will Haselsteiner bekannt geben, wer im Winter 18/'19 anstelle von Kuhn dirigieren wird. Loebes Autorität sei "unbestritten", er gebe "uns in dieser Situation die Möglichkeit, international Spitzenleute zu akquirieren. Ich habe darauf geachtet, den Besten nach Erl zu verpflichten." Kuhn habe  "im Anschluss an die Zib2 mir mitgeteilt, dass er nicht mehr zur Verfügung steht." Haselsteiner habe ihm diesen Schritt nicht nahegelegt. "Alle bisher ruhenden Funktionen sind nunmehr zurückgelegt". Bis 31. August werde Andreas Leisner die Festspiele weiterleiten. Ursprünglich sollte der neue Leiter am 1. 9. 2020 starten.

Die Klagen, die eingereicht sind, werden "sicher abgearbeitet", sagt Haselsteiner. "Wenn irgendjemand Behauptungen aufstellt, die ehrenrührig sind, wird er so wie in einem Rechtsstaat üblich damit rechnen müssen, dass er sich dafür zu verantworten hat."

Die Tiroler Festspiele Erl haben eine Zusammenarbeit mit Kuhns "Accademia", sagt Haselsteiner. Für die dortige Ausbildung "leiten wir eine Sponsoringleistung weiter", sagt Erl zu den Zahlungen von Erl an die Accademia. "Dieser Vertrag gilt bis zum 31.8.2019, weil er unterjährig nicht kündbar ist." Ab dann würden diese 120.000 Euro "nicht mehr weitergeleitet".