Superfilm-Co-Geschäftsführer und AAFP-Präsident John Lueftner

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Kultur
02/22/2021

Fernsehfonds Austria fehlen Millionen: "echte Katastrophe"

TV-Produzenten senden Hilferuf an Regierung. Österreich droht, "Wackelkandidat" bei Co-Produktionen zu werden.

von Christoph Silber

Unter Österreichs Produzenten herrscht Unruhe und auch eine gewisse Ratlosigkeit. Der Grund ist der Erfolg des mit jährlich 13,5 Millionen dotierten Fernsehfonds Austria, der nun zum Boomerang wird. Mit dem ersten zur Entscheidung anstehenden Einreichtermin 2021 für die Förderung von TV-Filmen, Serien und Dokus wird absehbar nicht nur das gesamte Jahresbudget bereits ausgeschöpft werden. „Das eigentliche Problem ist, dass sich ein gewaltiges Loch von etwa drei Millionen Euro auftut“, erklärt John Lueftner, Superfilm-Co-Geschäftsführer und Präsident des Produzentenverbands AAFP. Es gab also wesentlich mehr Förderansuchen von Produktionen, als Budget da ist. Und damit wird es für alle auf dem Markt eng.

Der bei der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde (RTR) angesiedelte Fonds, der 2004 unter ÖVP-Medien-Staatssekretär Franz Morak eingerichtet wurde, ist der größte Fördergeber des Landes für TV-Produktionen. Er hat die heimischen Produzenten gestärkt und einen Schub bei Co-Produktionen mit vornehmlich deutschen Partnern ausgelöst. Die Zahlen dazu: 797 Produktionen wurden bislang mit 189 Millionen Euro gefördert, denen eine Wertschöpfung in Österreich von 651 Millionen Euro gegenüber steht. Entsprechend hoch die Relevanz dieser Wirtschaftsförderung für Produktionsstandort und Arbeitsmarkt.

Kurzschnitt

Doch jetzt ist Feuer am Dach. Der Fonds sollte mindestens 20 Prozent der Gesamtherstellungskosten einer TV-Produktion decken. Geht sich das, wie jetzt, nicht mehr aus, „wird wohl bei allen über einen Kamm hinweg gekürzt werden. Das heißt aber, dass viele ihre Projektfinanzierung nicht wie geplant abschließen können“, mutmaßt Lueftner. Produzenten-Kollege Heinrich Ambrosch (Satel Film) kritisiert nun, „dass ausgerechnet die erfolgreichen Produktionen gekürzt werden, also alles, was länger läuft, was ja ein Zeichen von Erfolg ist.“ So wie „Soko Donau“, „Die Toten vom Bodensee“ oder „Vienna Blood“ nach einer dritten Staffel.

Lueftner geht unter diesen negativen Vorzeichen davon aus, dass 2021 ein „brustschwaches Produktionsjahr“ werden könnte, weil Drehbücher auf Sparkurs umgesetzt oder Produktionen aufgeschoben werden müssen.

Was aber noch viel schwerer wiegt: „Hält die Förderung nicht, sorgt das für große Fragezeichen bei unseren nicht-österreichischen Partnern. Das habe ich selbst etwa bei unserer Serie für Sky, ,Ich und die Anderen‘, schon erlebt. Wir werden für sie zu Wackelkandidaten“, erklärt der Superfilm-Produzent. Und das ist gar nicht gut für das Geschäft.

Die Suche nach einem Ausweg führt zu einem Appell an die Regierung: „Eine kurzfristige Höherdotierung des Fernsehfonds ist dringend notwendig und extrem gut investiertes Geld mit unmittelbarer, positiver Wirkung“, unterstreicht der AAFP-Präsident. Eine Budgeterhöhung für den Fonds gab es bislang allerdings nur ein einziges Mal: 2009 wurde von 7,5 auf 13,5 Mio. aufgestockt. Wird jetzt nach zwölf Jahren nicht der dynamischen Marktentwicklung entsprechend nachgelegt, droht, so Lueftner, „eine echte Katastrophe für den Produktionsstandort“.

An dem eine weitere, wesentliche Entwicklung vorbeizuziehen droht.

Keine Streamer

Im Frühjahr werden zwei „Sisi“-Serien gedreht. Eine für Netflix, eine von der Satel für die Streaming-Plattform RTLnow. Und „keine davon in Österreich, obwohl es sich um einen ureigensten österreichischen Inhalt handelt“, ärgert sich Ambrosch. Denn „Österreich ist teuer und die Fördersituation ist gegenüber den Nachbarländern nicht mehr konkurrenzfähig.“

Der Digitalisierungszug mit den boomenden Streamern und ihren Produktionen zieht an Österreich vorbei. „Wir haben die Kreativen, die Geschichten, das Personal“. Mit der Corona-Ausfallshaftung des Bundes gibt es sogar eine Art Pandemie-Versicherung.

Aber keinen Förderhebel für Netflix und Co, der deren Millionen umleiten könnte.

„Was fehlt, sind hier Steueranreiz- und Rabattmodelle, wie es sie um uns herum längst gibt“, betont Ambrosch. 2019 gab es dazu sogar schon einen Ministerratsbeschluss – und dann kam Ibiza. Lueftner ist aber optimistisch und ortet hier Bereitschaft bei der Politik. Bis zu einem Beschluss drehen aber Netflix und Co weiterhin bevorzugt in Tschechien, Ungarn oder, wie „Sisi“ und „Sisi“, in Bayern.

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