Kaulitz-Brüder übernehmen "Wetten, dass ...?": Warum das eine gute Idee ist
Eigentlich müsste ja Dr. Bohl „Wetten, dass ..?“ übernehmen. Immerhin trägt der Influencer und „Dancing Stars“-Teilnehmer eines der entscheidendsten Merkmale von Thomas Gottschalk in die Zukunft – dessen Frisur, wie Gottschalk selbst bei der KURIER ROMY vermerkte.
Bei den Kaulitz-Brüdern trifft das nicht zu. Oder nicht immer. Aber schon manchmal. Tom und Bill Kaulitz sind nämlich frisurenmäßig derart erneuerungsfreudig, wie es nun auch das Samstagabendshowpublikum sein wird müssen: Die Social-Media-Stars, Ex-Hitparadenstürmer und Heidi-Klum-Satelliten übernehmen nämlich „Wetten, dass ..?“. Wirklich.
Das hatte das Branchenmedium DWDL berichtet und das ZDF vorerst nicht bestätigt. Laut KURIER-Infos aber soll es stimmen, der ORF und das SRF sind auch wieder dabei, wenn die Neuauflage der legendären Show am 5. Dezember zur Premiere kommt. Womit wir bei den Wetten wären.
Wer?
Wetten, dass ... jenes Publikum, das am Samstagabend fernschaut, eventuell erst mal googeln muss, wer die beiden sind? Zur Hilfestellung: Einst riefen die beiden als Popband Tokio Hotel die größten Kreischkonzerte in deutschen Mehrzweckhallen hervor.
Dann gingen sie, auch, um vor dem Ruhm zu fliehen, in die USA – wo sie neuen Ruhm fanden: Die beiden sind Societyfiguren des neuen Zuschnitts geworden, geholfen wird dabei haben, dass Tom mit Heidi Klum verheiratet ist.
Sie haben Millionen Follower dort, wo es zählt, eine Personalityshow bei Netflix und einen Podcast. In Letzterem haben sie 2023 darüber gescherzt, „Wetten, dass ..?“ zu übernehmen.
Die nächste Wette: Wetten, dass ... das bisherige Gottschalk-Publikum nun gleich einmal in Verteidigungsstellung geht? Dass, huch, nun junge Menschen die Sendung von jenem Moderator übernehmen sollen, der vor mehr als drei Jahrzehnten als junger Mensch „Wetten, dass..?“ übernommen hat, wird eventuell nicht alle abholen, die die Sendung bisher geschaut haben.
Es versammelt nämlich der Samstagabend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht ausschließlich jene Menschen, die dort unbedingt etwas Neues sehen wollen. Die Wette, dass viele von denen bei den Kaulitzen eher nicht bzw. nur mit lauten Klagelauten zuschauen werden, ist nicht zulässig, weil eh klar.
Für wen?
Die Eurovisionssender nun setzen aber auf eine andere Wette: Dass nämlich Menschen zusehen, die das bisher eventuell nicht taten. Dazu wäre es wohl angebracht, im Vorfeld Anleitungen zu versenden, wie man den Fernsehapparat einschaltet: Denn viele von denen, die hier angesprochen werden sollen, schauen gar nicht mehr „richtiges“ Fernsehen. Zu einer fixen Uhrzeit. Gemeinsam mit anderen.
Ob die nun in entscheidenden Massen vor den großen Bildschirm strömen, um die auf anderen Kanälen rund um die Uhr abrufbaren Kaulitze zu sehen, das ist der Wetteinsatz, den das ZDF hier zu leisten bereit ist. Und natürlich gibt es inzwischen einen anderen Faktor in der Gesamtrechnung, ob das mit den Kaulitzen eine gute Idee gewesen sein wird: Denn sie bieten die nicht so oft vorkommende Chance, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen für ein paar imagemäßig wertvolle Stunden auch die Smartphonebildschirme beherrscht.
Denn das Gebührenfernsehen versucht schon lange und nicht immer erfolgreich, das junge Publikum dort zu erreichen, wo es nun mal ist – auf den Sozialen Medien. Dort wiederum haben die Kaulitze klaren Heimvorteil. Und das neue „Wetten, dass ..?“ wird reichlich Momente bieten, die sich als praktische, kleine Schnipsel teilen lassen. Was die Kaulitze können, ist lustig sein auf jene Art, die gut ist für das Internet.
Es ist natürlich eine steile Kurve, die hier zu nehmen ist. Eine, aus der Wolfgang Lippert („Wetten, dass ..?“-Moderator 1992 bis 1993) und Markus Lanz (2012 bis 2014) schon geflogen sind. Klar ist aber auch, dass die Kaulitz-Brüder im Vergleich zu den beiden viel näher an Gottschalk sind – unbekümmert, mit eigener Auffassung von Mode und Manieren – und einen gänzlich neuen Dreh in das Ganze bringen werden. Und wenn es nichts wird, wird es zumindest guter Stoff für die nächste Staffel „Kaulitz & Kaulitz“ auf Netflix.
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