Farbenprächtig: Emil Noldes „Großer Mohn (rot, rot, rot)“, 1942

© Johansen Krause/Nolde Stiftung Seebüll

Ausstellung
11/12/2013

Farbmagier mit Brauntönen

„In Glut und Farbe“ – Emil Nolde bis 2. Februar im Unteren Belvedere

Gegen die in kühlem Grau ausgemalten Wände des Unteren Belvedere strahlen die fast 190 Bilder der großen Retrospektive umso intensiver. Ob Klatschmohnblüten, Tänzer, Fabelwesen oder biblische Szenen – sie alle scheinen in ihrer vibrierenden Farbigkeit fast von der Wand zu springen.

Wie schon das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, das Emil Nolde im Sommer eine Einzelausstellung widmete, setzt auch die von Stephan Koja kuratierte Schau im Belvedere den Hauptaugenmerk auf die Inszenierung der „Glut und Farbe“ als größte Stärke des berühmten Expressionisten.

Emil Nolde: Sein Leben in Bildern

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Biografisch-thematisch gegliedert ist – mit Werken aus allen Schaffensphasen – Noldes künstlerische Entwicklung über eine Vielfalt von Sujets dokumentiert.

Berliner Tanzcafés, Meereslandschaften, und Gartenstillleben: Nolde schildert die aus der Naturbeobachtung entstandenen Szenen mit derselben ungestümen Expressivität wie die aus der Fantasie geborenen Darstellungen grotesker Mischwesen oder Bibelszenen.

„In Glut und Farbe“ erzählt die Geschichte eines Malers, der seinen eigenen Stil sucht, findet und beharrlich daran festhält. Obwohl er, von höchster Ebene geächtet, im Geheimen weitermalen muss, wird er zu einem der einflussreichsten deutschen Maler der Moderne.

Unstimmig

Die Geschichte ist schön, doch etwas stimmt nicht an ihr. Sie hat eine Leerstelle: Die komplizierte Frage nach der Beziehung Noldes zum nationalsozialistischen Regime. Obwohl in der Schau nicht völlig unter den Teppich gekehrt, wird sie neben der Zurschaustellung von Noldes Farbgewalt und künstlerischer Wirkmacht doch deutlich an den Rand gedrängt. Obwohl die faszinierende Unstimmigkeit von Noldes ideologischer Ausrichtung und seiner radikalen künstlerischen Position eine Untersuchung wert wäre.

Nolde war Nationalsozialist der ersten Stunde, und das nicht nur auf dem Papier. Erst unlängst kamen neue Dokumente an die Öffentlichkeit, die erneut belegen: Der Künstler war treuer Hitler-Anhänger und überzeugter Antisemit.

Schicksalsironie

Im krassen Gegensatz dazu steht Noldes Malerei, die der vom Regime goutierten Kunst nicht ferner stehen könnte. Welche Schicksalsironie, dass Nolde, der sein malerisches Schaffen auch als Kampf gegen die „Überfremdung“ in der Deutschen Kunst (also den Einfluss französischer Künstler respektive jüdischer Kunsthändler) verstand, von den Nazis so „missverstanden“ wurde, dass er nicht nur der in der Wanderausstellung „Entartete Kunst“ am häufigsten vertretene Künstler war, sondern 1941 von der Reichskunstkammer auch mit einem Malverbot belegt wurde. Klammheimlich schuf er daraufhin jene berühmte Serie von Aquarellen, die als „Ungemalte Bilder“ bekannt und auch im Belvedere der Höhepunkt der Ausstellung ist.

Für Kurator Koja ist es völlig unerklärlich, wie jemand, der so malte wie Emil Nolde, gleichzeitig Nazi sein konnte. Auch sieht er in den Gemälden keinerlei Anzeichen für die dahinterstehende Gesinnung – weshalb man sie auch ohne Weiteres (mit passenden Wandtexten versehen) ausstellen könne.

Daran, dass Noldes Werke aufgrund ihrer künstlerischen Qualität, Radikalität und ihres Einflusses auf die europäische Malerei sehenswert sind, besteht kein Zweifel. Ob Mensch und Maler Nolde aber wirklich zwei völlig klar voneinander trennbare Personen waren, und ob die Bilder tatsächlich so unschuldig sind, wäre noch zu erörtern gewesen.

Beginnen könnte man man mit einem Vergleich zwischen den spottenden Schergen in der Kreuzigungsdarstellung (Martyrium II) und den antisemitischen Karikaturen der Nazi-Propaganda ...www.belvedere.at

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