epa03803380 Scene with Ambrogio Maestri (C) as Falstaff, during the rehearsal for Guiseppe Verdi's opera 'Falstaff' in Salzburg, Austria, 26 July 2013. Falstaff will premiere at the Salzburg Festival on 29 July 2013. EPA/BARBARA GINDL

© APA/BARBARA GINDL

Salzburger Festspiele
07/30/2013

"Falstaff": Süße Opernträume im Altersheim

Giuseppe Verdis "Falstaff" bei den Salzburger Festspielen in der Regie von Damiano Michieletto

von Peter Jarolin

Alles auf Erden ist Spaß“. So heißt es in der berühmten Schlussfuge. Und: „Alles auf Erden ist Spiel“ – das möchte man nach der Premiere von Giuseppe Verdis letzter Oper bei den Salzburger Festspielen hinzufügen. Denn Regisseur Damiano Michieletto hat im Haus für Mozart einen „Falstaff“ inszeniert, der Verdi und seinem kongenialen Librettisten Arrigo Boito alle Ehre macht.

Lebensweisheit

Ja, Michieletto – er wurde wie alle Mitwirkenden am Ende bejubelt – erzählt auch die Geschichte des alten Sir John Falstaff. Dieser fettleibige, liebenswerte, moralisch aber nicht ganz integere Trunkenbold will sich bekanntlich durch zwei Liebesaffären (nebst den körperlichen Genüssen) finanziell sanieren, dabei aber wird ihm übel mitgespielt. So weit das Gerüst von Verdis letzter Oper, die auf Shakespeare basiert. Eine Komödie also hatte sich der greise Verdi zum Finale seines Opernschaffens ausgesucht und darin viel Lebensweisheit verpackt.

Und genau das ist auch der Ansatz von Michieletto. Dieser siedelt die Handlung des „Falstaff“ nämlich in der „Casa Verdi“ an, ein Altersheim für einstige Sänger und Musiker in Mailand, das Verdi selbst ins Leben gerufen hat, das bis heute existiert. Verdi ist auch dort begraben; für die architektonische Umsetzung des Baus war der Bruder des „Falstaff“-Librettisten Camillo Boito zuständig.

Szenenfotos aus Salzburg

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

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AUSTRIA SALZBURG FESTIVAL

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

AUSTRIA SALZBURG FESTIVAL

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SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "FALSTAFF"

AUSTRIA SALZBURG FESTIVAL

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Sängerträume

Diese zweite Ebene führt Michieletto im sehr stimmungsvollen Salon-Einheitsbühnenbild von Paolo Fantin ein. Bei Michieletto ist Falstaff ein alter Sänger, der in dieser Partie wohl einst große Erfolge gefeiert hat. Jetzt aber lebt er in der Casa di Riposa, umgeben von Kollegen und allein mit seinen Erinnerungen. Ein vielleicht letztes Mal noch träumt er sich in diese Oper hinein, auf dem Sofa schlafend – Falstaff liebt ja Wein – erscheinen ihm die übrigen Protagonisten. Das alte Opern- Spiel beginnt.

Durch diesen Kunstgriff kann Michieletto wunderbar durch die Zeiten und Ebenen surfen, kann einzelnen Szenen eine ganz neue Dimension verleihen. Denn Michieletto zeigt alte Menschen, die dank der Musik wieder jung werden. Eine Liebeserklärung an Jugend und Alter, an das Leben und die Liebe, an den Wein und an das Theater ist die Folge. Denn Michieletto spielt auch mit dem Spiel, mit dem Theater an sich. Lustvoll, zärtlich und – wenn Falstaff seine eigene Beerdigung als Albtraum erlebt – mit historischen Bezügen zu Verdi und Boito.

Auch wenn sich nicht immer alles ausgeht, nicht jede Verdoppelung oder gar Verdreifachung funktioniert – diese „Falstaff“-Produktion ist ganz aus der Musik heraus entwickelt. Diese wiederum ist bei Dirigent Zubin Mehta und den Wiener Philharmonikern in sehr guten Händen. Mehta setzt am Pult des gut studierten Orchesters auf Intimität, auf Details; nur selten (meist in den Finali) lässt es der Maestro so richtig „knallen“. Sonst jedoch regiert hier eine schöne melodische Kultiviertheit.

Zwischentöne

Ein Faktum, das auch den Sängern zugute kommt. So kann Ambrogio Maestri in der Titelpartie all die Komik, aber auch Tragik dieses „alten John“ hör- und sichtbar machen. Maestri singt profund und mit der geforderten vokalen Flexibilität. Da werden viele Zwischentöne deutlich.

An seiner Seite: Elisabeth Kulman, die aus der oft harmlosen Rolle der Mrs. Quickly stimmlich wie darstellerisch eine Hauptfigur macht. Was für ein betörend schöner, voller, agiler Mezzo! Fabelhaft.

Ausgezeichnet auch der lyrische, in den Höhen sichere Tenor Javier Camarena als junger Fenton, der in der Sopranistin Eleonora Buratto ein adäquate Nannetta findet. Fiorenza Cedolins ist eine meist sichere Alice Ford; Massimo Cavalletti ihr wackerer Ehemann. Gut: Stephanie Houtzeel (Meg Page) sowie die Herren Luca Casalin (Cajus), Gianluca Sorrentino (Bardolfo) und Davide Fersini (Pistola). Ein festspielwürdiger „Falstaff“.

Fazit: Eine Liebeserklärung

Werk VerdisFalstaff“ wurde 1893 an der Mailänder Scala uraufgeführt.

Inszenierung Damiano Michieletto siedelt das Werk im Altersheim und macht daraus eine Liebeserklärung an das Leben und die Welt der Oper.

Musik Zubin Mehta, die Wiener und die Sänger leisten meist Beachtliches.

KURIER-Wertung: **** von *****

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