Kultur
28.07.2015

Ezra Furman: Zwischen Ausgrenzung und Abgrenzung

Der US-Songwriter über sein neues Album, sein Coming-out und Homophobie.

Dieses Album bekommt seine Energie von meinem Coming-out als bisexuell. Oder besser von der Angst, die ich davor hatte!"

Ezra Furman spricht von "Perpetual Motion People", seinem eben erschienenen dritten Solo-Album, mit dem er Singer/Songwriter-Sensibilität mit Rockabilly-Klängen paart. Immer schon, erzählt der Amerikaner im Interview mit dem KURIER, sei er davon überzeugt gewesen, dass ein guter Song von der Spannung lebt, etwas auszudrücken, das man nicht ausdrücken sollte.

"In diesem Fall habe ich mir das selbst verboten", erzählt Furman. "Ich bin in einem extrem homophoben Umfeld aufgewachsen. Da waren die Leute schon entsetzt, wenn sich zwei Männer nur mit ihren Gesichtern zu nahe kamen. Dadurch wurde mir sehr tief eingehämmert: Du darfst niemandem erzählen, dass du dich auch zu Männern hingezogen fühlst, dass du dich gerne schminkst und Frauenkleider trägst. Ich glaube, wenn ich schwul gewesen wäre, hätte ich keine Wahl gehabt und wäre schon früher damit an die Öffentlichkeit gegangen. Aber als Bisexueller konnte ich leicht vorgeben, straight zu sein."

Weltreich

Über diese Veränderungen in seinem Leben schreibt Furman in Songs wie "Wobbly" und "Body Was Made". Aber wenn er sagt, es geht in "Perpetual Motion People" um "eine Gesellschaft, an der ich nicht teilnehmen kann", spielt er nicht nur auf homophobe Vorurteile an. Es geht auch darum, dass er an einigem gar nicht teilhaben will.

"Ich finde, dass es wirklich mühsam und quälend ist, ein Teil dieses kapitalistischen, globalen Weltreiches zu sein, weil es eine Demütigung ist, dem Treiben von ein paar wenigen Strippenziehern ausgeliefert zu sein. In diesem Sinne will ich gar kein Teil der Gesellschaft sein. Oder in den Songs zumindest sagen: Ich stehe hier und ihr seid da drüben!"

Der dritte Konflikt, mit dem Furman kämpft: Die Diskrepanz zwischen seinem jüdischen Glauben und den Anforderungen des Musikbusiness. "Ich bin sehr traditionell, brauche mehrmals am Tag Zeit, um alleine zu beten. Denn das bringt mich in einen bewussten, klaren Zustand, den ich sehr mag. Auf Tour diese Zeit zu finden, ist aber sehr schwer. Dazu kommt, dass überall Alkohol bereitsteht, und man auf Tour leicht in eine hedonistische Geisteshaltung kommt. Und obwohl ich lieber klar als permanent vernebelt bin, führt mich das schon in Versuchung."