APA11346648-2 - 11022013 - WIEN - ÖSTERREICH: Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse am Donnerstag, 24. Jänner 2013, während eines Interviews mit der APA-Austria Presse Agentur in Wien. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Eva Menasse
02/23/2013

Das Ende der Eurozone wird gekommen sein

Mit "Quasikristalle" erzählt Eva Menasse ein Leben in dreizehn Stationen.

von Barbara Mader

So ein Leben ist schnell erzählt. In dreizehn Stationen ist es vorbei. Am Anfang die Teenagerträume, am Ende das Pflegeheim.

Eva Menasse, 1970 in Wien geborene ehemalige Journalistin (u. a. profil), lebt seit zehn Jahren als Publizistin und Schriftstellerin in Berlin. Nach ihrem Debütroman „Vienna“ und den Erzählungen „Lässliche Todsünden“ legt sie mit „Quasikristalle“ einen Roman vor, der ein Leben aus verschieden Perspektiven erzählt.

Im Zentrum steht Xane Molin, später verheiratete Braun. Zu Beginn des Romans ist sie 14 Jahre alt, am Ende Großmutter, die mit ihrem Sohn hauptsächlich per eMail korrespondiert. Aus jeweils verschiedenen Blickwinkeln (Freundin, Vermieter, Ärztin) geschildert, wird sie nie wirklich greifbar. Dass Xane eine gebildete, durchsetzungsfähige Frau ist, ist jedoch unbestritten.

Adolf, das Frettchen

Es geht ums Erwachsenwerden, um Teenager-Mutproben; um Nazivergangenheit (etwa im gelungenen Kapitel „Ein Frettchen namens Adolf“); um Patchworkfamilien und um Paare, die nicht Eltern werden können; um Kunst und Werbung, um Wiener in Berlin und um Gedanken an Seitensprünge.

Die Zeit vergeht, ähnlich wie in Jennifer Egans Fragment-Biografie „Der größere Teil der Welt“, nicht nur linear. Figuren kommen, gehen, tauchen in neuen Situationen wieder auf. Entscheidende Lebensmomente, gleichsam als Varianten erzählt.

Der Blick auf Xane verändert sich. So erklärt sich (belehrt der Klappentext) der Titel „Quasikristalle“: Anders als gewöhnliche Kristalle sind sie wie zufällig aneinandergeknüpft.

Schön sind die Details, die verraten, wo wir sind: Im Wien der frühen Achtziger, wo Teenies „No Future“-Sticker tragen und Väter „Milde Sorte“ rauchen;

im hippen Berlin Anfang des 21. Jahrhunderts, wo sich Vertreter des neuen Prekariats mit Spartipps durchschlagen, die an Katja Kullman erinnern (die damals ihren Weg von der Bestsellerautorin zur Harz-IV-Empfängerin beschrieb): Im Brotkorb naschen und behaupten, man habe schon gegessen.

Gegen Ende, um 2030, wird die EU „gesundgeschrumpft“ und Facebook am Boykott gestorben sein. Die großen Währungen wird es nicht mehr geben (also doch: der Euro stirbt!). Pflegepersonal wird aus Griechenland kommen. Auch Kevins werden Karriere gemacht haben. Und, Überraschung: Es wird noch Journalisten geben!

Was außerdem bleibt: Ösis und Piefke. Nur scheinbar ist zwischen ihnen alles leiwand. Kaum säuft einer zu viel (natürlich der Österreicher), kommen schon die gegenseitigen Anwürfe: Hitler, Haider versus scheiß Piefke.

Eva Menasse erzählt in Interviews öfters von österreichisch-deutschen Sprachbarrieren, die sie erst habe überwinden müssen. Das Lektorat hilft ihr dabei. Hier macht man aus dem Plachutta das Plachutta. Aber wenigstens den Kommerzialrat haben sie ihr gelassen. Ein Holaubek!

KURIER-Wertung: **** von *****

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