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Kultur
07/27/2019

Erste Salzburger Festspiele-Premiere: Eine Plastikmülloper

Mozarts "Idomeneo" in der Felsenreitschule: Rührendes Weltumarmungstheater. Die Nachtkritik.

von Gert Korentschnig

Bei der offiziellen Eröffnung der Salzburger Festspiele hielt Peter Sellars die Festrede zur Klimakrise. Am Abend setzte sich der Regisseur dann auf der Opernbühne mit dieser Thematik auseinander: in seiner Neuproduktion von Wolfgang Amadeus Mozarts „Idomeneo“, der ersten Premiere der Festspiele 2019. Vielleicht hätte er es bei seinen Worten belassen sollen.

Er ist ja rührend, wie er sein Weltumarmungstheater über diese Oper, übrigens Mozarts eigener Favorit, stülpt. Von einer wirklichen Analyse oder einem kraftvollen Aufschrei war aber nichts zu sehen. Es gibt bedeutungsschwangeres Bewegungstheater wie aus den 1980er Jahren. Auf der Bühne häuft sich Plastikmüll, am Ende treten ein asiatischer Tänzer und eine indische Schönheit zur Weltenrettung an. Das Publikum wusste damit wenig anzufangen, applaudierte höflich, vielleicht wollten die meisten rasch nach Hause einen Baum umarmen.

Selbstverständlich ist dieses Thema eines der brennendsten unserer Zeit. Umso weniger eignet es sich, zumindest so umgesetzt, für plakative Therapiestunden.

Derer sind es übrigens mehr als drei in der von Teodor Currentzis dirigierten Fassung – wieder mit einem Einschub, konkret aus „Thamos, König in Ägypten“. Die Oper allein ist offenbar nicht genug. Dennoch ist Currentzis derjenige, der mit dem wunderbaren Freiburger Barockorchester den Abend mit echter Bedeutung und großer musikalischer Energie auflädt. Unter den Sängern haben Ying Fang als Ilia, Nicole Chevalier als Elettra und Paula Murrihy als Idamante die schönsten Momente. Russell Thomas als Idomeneo ist immerhin sehr ausdrucksstark. Der Chor aus Perm singt exzellent und muss grauenhafte Kostüme tragen. Zweimal innerhalb von drei Jahren haben nun Currentzis und Sellars die Festspiele eröffnet. Auch da bietet sich ein Wandel an.