© ORF/SWR/Bavaria Fernsehproduktion/Markus Fenchel

Kultur
05/01/2012

Erste deutsche Hesse-Verfilmung im TV

"Die Heimkehr" von Hermann Hesse (Mi, 20.15, ORF) handelt von der Enttäuschung des Wieder-da-Seins. August Zirner versteht das Gefühl.

von Barbara Mader

August Zirner spielt in der Verfilmung von Hermann Hesses "Die Heimkehr" einen Mann, der  der nicht mehr weiß, wo  er zu Hause ist. Dem KURIER erzählte der Schauspieler, welche Gefühle er mit dem Begriff Heimat und verbindet.

KURIER: Verstehen Sie, dass Hesse oft als Kitsch abgetan wird?
August Zirner: Die Kritiker, die Hesse Kitsch nennen, mit denen käme ich gerne ins Gespräch. Ich halte das für eine Arroganz. Für eine Nichtbereichtschaft, sich in eine Art von Naivität hineinzubegeben. Dass seine vermeintliche Spiritualität als Kitsch abgetan wird, das halte ich für ein Armutszeugnis für die Kritiker.

Hesse gilt als Autor, der besonders Jugendliche begeistern kann. Hatten Sie selbst  eine Siddhartha-Phase?
Ich hatte das Glück oder das Pech, wie man’s nimmt, in Amerika aufzuwachsen, wo die  Hesse-Begeisterung, ja auch rübergeschwappt ist. Bei mir ist sie nur in Form von Steppenwolf angekommen, allerdings der Rockband. Ich dachte beim Namen Steppenwolf    immer an einen einsamen Wolf, aber hatte den Bezug zu Hesse nicht begriffen, dazu war ich zu jung und zu doof.
Angefangen, Hesse zu lesen, hab ich tatsächlich erst als Vorbereitung für den Film. Bei "Siddhartha" hat’s mich  ziemlich stark erwischt. Ich bin vielleicht ein Spätpubertierender. Aber es sagen ja viele, dass sie Hesse im Zweitfrühling, ab fünfzig, wieder entdecken. Ich hab ihn neu entdeckt.

"Heimat ist nicht da oder dort. Heimat ist in dir drinnen oder nirgends." Können Sie  mit diesem Hesse-Zitat  etwas anfangen?
Das klingt jetzt unbescheiden: Es könnte von mir sein. Das ist eine Erfahrung, die ich hatte, auch bevor ich Hesse kennenlernte. Das ist ja manchmal das Glück oder das Schicksalhafte meines Berufes, dass mir manchmal Themen anvertraut werden, die mir total entsprechen. Es war mir eine Bereicherung, mich mit diesem Film und dieser Rolle zu beschäftigen. Das hat viel mit mir zu tun. Je länger ich auf dieser Welt verweile, desto mehr merke ich, dass Heimat, wenn überhaupt, in mir drin ist.

Rückkehr in die Heimat – Hesses Erzählung hat viel mit der Geschichte Ihrer Familie zu tun: Sie kamen als Kind jüdischer Emigranten in Ilinois, USA, zur Welt, haben in Wien am Reinhardt-Seminar studiert. Wie war Ihr erster Eindruck von Wien?
Das erste Mal kam ich mit fünf hierher, dann sehr sporadisch. Mein Vater war nie gerne in  Wien,  er mochte das nicht, man kann es vielleicht verstehen. Ich bin dann mit 17 nach Wien zurück gegangen an die Schauspielschule, ich glaube, meine Mutter war da nicht unbeteiligt, sie wollte wieder nach Wien.

Der von Ihnen verkörperte August Staudinger  kehrt nach 30 Jahren Abwesenheit  in seine Geburtsstadt Gerbersau zurück  in der Hoffnung, Heimat zu finden. Er wird bitter enttäuscht. Passt das auch in Ihre  Familie? Haben auch Sie Heimat gesucht?
Zum Thema Enttäuschung – in Wien  hörte ich: "Die Judensöhne kehren zurück". Ob ich mich  heimatlich in Wien fühlte? Unbewusst ja. Ich habe ein hysterisch-heimatliches Empfinden zu Wien.

Kann man so ein Gefühl  an mehreren Orten haben?
Naja. Wenn ich in Amerika auftauche, wo ich aufgewachsen bin, hab ich das, ich hab’s in Wien und da, wo ich seit langem wohne. Aber vor allem immer da, wo ich mit Menschen zusammen bin, mit denen ich ein gutes Gespräch habe, da entsteht so etwas wie Heimat.
Aber was ich zu Wien empfinde, ist eine Form von Hysterie. Wenn ich länger hier bin, verlasse ich nach zwei Monaten hasserfüllt die Stadt. Es ist eine Hassliebe. Das kennen wir alle. Das ist ja auch die einzige Liebe, die man zu Wien empfinden kann. Das empfinden ja auch die Wiener. Insofern bin ich vielleicht auch ein echter Wiener.

Fernsehverfilmung: Lindenberg schrieb für Hesse

"Die Heimkehr" von Hermann Hesse die erste deutsche Verfilmung eines Werkes des Literaturnobelpreisträgers. Unter der Regie von Jo Baier spielen u. a. August Zirner, Heike Makatsch und Herbert Knaup. Die Co-Produktion von ARD, SWR, BR und ORF wurde 2012 in Baden-Würtemberg gedreht. Anlass: Der 50. Todestag des Dichters im August. Die Musik stammt von Udo Lindenberg, der eigens für den Film den Song "The River" schrieb.
 August Staudenmeyer kehrt nach 30 Jahren als wohlhabender Mann in seine Heimatstadt Gerbersau zurück. Der erfolgreiche Geschäftsmann wird mit offenen Armen aufgenommen. Doch bald erkennt er, dass sich die Engstirnigkeit der Gerbersauer nicht verändert hat  und  verlässt er die Heimat ein zweites Mal.

 

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