Kultur
20.12.2017

epo-film: Familienbetrieb mit Qualitätsanspruch

Die Grazer epo-Film gelang der Einstieg in die internationale Fernseh-Liga: Sie produziert für Sky die Serie "Der Pass".

Nach österreichischen Regisseuren und Schauspielern hat nun auch eine heimische Produktionsfirma einen Auftritt im Konzert der Streaming-Kanäle und Pay-TV-Anbieter. Mit "Der Pass" liefert die epo-film gemeinsam mit Wiedemann & Berg eine Highend-Serie ab, die Sky in der Saison 2018/19 auf Sendung bringen wird. In der achtteiligen Drama-Serie spielen Julia Jentsch ("Sophie Scholl") und Nicholas Ofczarek ("Altes Geld") die Hauptrollen.

"Wiedemann & Berg ist an uns herangetreten, weil wir vor einigen Jahren schon ,Die Tänzerin‘" gemacht haben. Es macht Spaß und bestätigt einen, wenn man mit solch renommierten Unternehmen immer wieder zusammenarbeitet", erklärt Dieter Pochlatko. Sein Sohn und Nachfolger in der epo-film-Geschäftsführung, Jakob Pochlatko, sagt: "Man muss Chancen ergreifen, wenn sie sich ergeben. So etwas ist ,Der Pass‘ – wir sind nicht nur Service-Produzenten, sondern tatsächliche Co-Produzenten." Gedreht wird das "sehr ambitionierte Projekt" noch bis Mitte April. "Wir streben solche Partnerschaften verstärkt an – auch in Hinblick auf langfristige Zusammenarbeiten. Von Österreich aus und allein kann man dieses Seriengeschäft nur sehr, sehr schwer mitbestimmen."

Film-Familie

Obwohl man also nun dort gelandet ist, wo angeblich das große Geld zuhause ist, betonen die Pochlatkos: "Der ORF ist für uns als Produktionsfirma der wichtigste Partner. Ohne ORF gibt es keine Filmwirtschaft mehr in Österreich. Der ORF gehört deshalb auch entsprechend gut finanziert."

Die epo-film wurde 1954 gegründet. 1969 stieg Dieter Pochlatko, zuvor Kameramann, ein. Fünf Jahre lang war in den 2000er Jahren die Leykam Mehrheitseigentümer. 2011, "im fortgeschrittenen Alter", wie Dieter Pochlatko sagt, nahm er nochmals Geld in die Hand, um die Anteile zurückzukaufen. Damals machte Sohn Jakob, der zuvor Jus studierte, den Vorschlag, in die Firma zu gehen. "Ich bin mit Film aufgewachsen. Neben meinem Vater arbeitet ja auch meine Mutter im Unternehmen. Mein Bruder Florian ist Absolvent bei Michael Haneke. Film war bei uns also immer schon das Tischgespräch." Für den Vater war dieser Schritt "eine Fügung" im rechten Moment.

Die epo-film kommt von der anspruchsvollen Ecke: In Graz betreibt man auch noch das Rechbauer-Kino, ein Arthouse-Kino samt Videothek. Produziert werden Spielfilme und Dokus für Kino und TV. Zuletzt lief Julian Pölslers Haushofer-Verfilmung "Wir töten Stella". "Für mich ein Meisterwerk", sagt der Senior-Chef. Mit "Sie nannten ihn Spencer", der jüngst beim Filmfest Rom gezeigt wurde, hatte man einen veritablen Doku-Kino-Hit. In der Postproduktion befinden sich indes "Der Trafikant" nach Robert Seethaler mit Simon Morzé und Bruno Ganz sowie der TV-Film "Der Geldmacher" mit Karl Markovics. Dessen dritte Regie-Arbeit fürs Kino soll 2018 von der epo-film produziert werden – nicht das einzige Projekt in der Pipeline. Wobei für Dieter Pochlatko gilt: Ohne ein funktionierendes Fernsehgeschäft kein Kino.

Stau im Kinosaal

Trotz der Freude an den heimischen Kinofilmen sieht man deren Fülle auch kritisch. "Es sind heuer gefühlt 40. Da hat ein Film im Kino keine Möglichkeit und Zeit mehr, sich zu entwickeln", meint Jakob Pochlatko. Nur ein Arthouse-Kino wie das ihre halte Filme länger im Programm. "Das geht aber auch nur mit Förderungen", ergänzt Dieter Pochlatko.

Mit der Förderlandschaft ist man im Grunde zufrieden. Nachgelegt gehört nach ihrer Auffassung nach dort, wo man ausländische Produktionen nach Österreich ziehen wollte – Stichwort "Tax Incentives" wie etwa Steuermodelle für Filmindustrie oder Privatinvestoren. Weiter kompliziert ist es mit den Krankenkassen bei vermeintlichen Schein-Selbständigen sowie insgesamt mit der Bürokratie. Man beschäftige allein drei Mitarbeiter, um den sehr unterschiedlichen Vorgaben der Fördergeber bei den Abrechnungen zu entsprechen. Aber das nimmt man hin, will man doch den österreichischen Film weiter hochhalten. "Für mich gibt es das österreichische Filmwunder immer noch", sagt Dieter Pochlatko und Jakob ergänzt: "In den hochkarätigsten Festivals sind heimische Filme ebenso vertreten wie Österreicher in Jurys eingeladen werden. Man nimmt das heute nur leider als selbstverständlich, dass heimische Filme in Berlin, Venedig oder Cannes laufen."