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Kultur
06/08/2020

Elena Shirin mit „From A To Be“: Reisen und Ankommen

Das Debütalbum „From A To Be“ der Österreicherin verbindet Soul, Jazz, Pop und Electronica.

von Marco Weise

Stellen Sie sich vor, Sie dokumentieren zehn Jahre lang Ihre Gefühle, Sorgen, Gedanken sowie alltäglichen Launen in einem Tagebuch und präsentieren diesen – nun ja – Seelenstrip dann der Öffentlichkeit.

So könnte man den langjährigen Arbeitsprozess von Elena Shirin verkürzt zusammenfassen, unter den die 23-jährige österreichische Musikerin nun endlich einen Schlussstrich ziehen kann: „From A To Be“ nennt sich ihr erstes Soloalbum.

Ursprünglich wollte die aus der Bildenden Kunst stammende Sängerin nie auf der Bühne stehen – bis sich die Musik während ihrer Fotografie-Ausbildung an der Graphischen in Wien in den Mittelpunkt gedrängt hat. Shirin sei in die Rolle als Sängerin hineingewachsen und sehe jetzt die Bühne als Chance, um Botschaften zu teilen, die ihr am Herzen liegen. „Dabei geht es meist um die Selbstwahrnehmung, den Umgang miteinander, unsere Gesellschaft und natürlich um Liebe; um Dinge, die mich inspirieren, die mich faszinieren. Aber auch um Dinge, die ich scheiße finde. Alles bekommt seinen Platz“, schreibt Shirin dem KURIER per eMail.

Von Oehl zu Solo

Die mit einer eleganten Soul-Stimme gesegnete Sängerin hat sich bei einigen musikalischen Projekten ausprobiert – sie war etwa Teil des Elektropop-Formation Aramboa und Gründungsmitglied der aktuell sehr erfolgreichen Band Oehl. Letztere musste sie früh verlassen. „Ich habe das Projekt nicht weiterverfolgt, weil ich damals begonnen habe, in Linz an der Bruckner Universität zu studieren und mein Solo-Projekt als Priorität setzen wollte. Ich bin aber jedes Mal glücklich zu sehen, wie Ariel und Hjörtur Oehl rocken. Es ist schön zu sehen, dass die deutsche Sprache so eine wahnsinnig schöne Tiefe in der Musik haben kann.“

Nach diesen Kollaborationen wollte die aktuell in den USA lebende Musikerin ihre eigenen Songs verwirklichen, die sie schon lange mit sich herumträgt. Und so ist das Debütalbum „From A To Be“ auch eine Art Werkschau ihres bisherigen Schaffens, welche die vergangenen zehn Jahre ihres Lebens Revue passieren lässt: „Cleaned Up Inner Yard“ nennt sich der älteste Song. Dessen Grundgerüst hat Elena Shirin als 12-Jährige geschrieben. Nun wurde das Lied zwar noch feiner ausformuliert und etwas anders arrangiert, „aber der Text und die Komposition sind zehn Jahre alt“, wie Shirin sagt.

Der Ursprung von Elena Shirins Musik ist ein trauriger. Als sie mit zwölf Jahren ein traumatisches Erlebnis in ihrer Familie verarbeiten musste, habe sie angefangen, ihre Gefühle aufzuschreiben, um sich selbst zu helfen. Nach und nach wurden diese Gedanken und Gedichte vertont – mitunter habe es Jahre gedauert, bis sie das richtige musikalische Bett für die Texte gefunden hat, erklärt Elena Shirin.

Das klangliche Fundament der Songs hat sie selbst gelegt – auch wenn ihr das oft schwergefallen sei. Aber: „Learning by doing. Das ist meine Religion. Es ist immer der härtere Weg, alles selbst zu machen, allerdings kann dir dieses Wissen dann keiner mehr wegnehmen.“

Für die Umsetzung holte sie sich trotzdem Hilfe von Gastmusikern wie Cellist Matthias Bartolomey (vom Duo BartolomeyBittmann). Aufgenommen und produziert wurde das Album von David Furrer, der noch Bass, Perkussion-Elemente, Hintergrundgesang und E-Gitarre eingespielt hat.

Herausgekommen ist ein kunterbunter und gute Stimmung verbreitender Mix – von poppigen Klavier-Balladen über Hip-Hop, Soul, R ’n’ B, Electronica bis hin zu komplexeren, manchmal jazzigen Harmonien und clubtauglichen Sounds. Shirins Gesang bewegt sich mit großer Leichtigkeit und Eleganz, manchmal leicht rau und mit dezentem Soul-Timbre, durch die vielen verschiedenen musikalischen Facetten.

„From A To Be“ ist auch eine Geschichte des Reisens. Die Songs sind nämlich auch an unterschiedlichen Orten entstanden. „Ich hatte immer mein Aufnahmegerät dabei und konnte mir so eine Datenbank an Field Recordings aufbauen“, sagt Shirin. „Was meine Zukunftsmusik angeht, werde ich nach wie vor offen bleiben, jedoch hab ich einen Sound für mich gefunden, mit dem ich mich sehr wohlfühle. Ich will die Leute tanzen sehen.“

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