© Carlos de Mello/Festspiele Reichenau

Festspiele Reichenau
07/06/2013

Ein verjuxter "Jux" als Schenkelklopfer-Komödie

Nestroys Posse "Einen Jux will er sich machen" bei den Festspielen in Reichenau wurde leider kein voller Erfolg.

von Peter Jarolin

Wer hätte das gedacht? Der Papierform nach müsste Johann Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“ bei den Festspielen in Reichenau ein voller Erfolg sein. Doch die Realität sieht leider anders aus. NestroysJux“ – hier wurde er zu sehr verjuxt.

Denn an der Rax, wo sonst die Nestroy-Pflege großgeschrieben wird, sind gar viele Köche am Werk, um die Geschichte rund um den armen Weinberl, der gern ein „Teufelskerl“ sein möchte und dadurch von einem Chaos ins nächste stolpert, zu erzählen.

Regisseur Nicolaus Hagg, der als Autor auch für die seltsam harmlosen, halb-zeitgeistigen Couplets zuständig ist, gelingt es in Peter Loidolts Einheitsbühnenbild selten, das richtige Tempo und Timing zu entwickeln. Immer wieder versanden die Szenen in einem lähmenden, dabei aber unfassbar lärmenden Nichts. Und auch in der so dankbaren Rolle des eher unterbelichteten Hausknechts Melchior („Das ist klassisch!“) fühlt sich Hagg nur bedingt wohl.

Zu viele Spielarten

Damit sind wir auch beim Hauptproblem dieser polytonalen Produktion: Jeder, der auf der Bühne steht, spielt einen anderen Nestroy. Der große Wolfgang Hübsch etwa holt sich als Zangler viele Pointen, findet aber nur in Ulrike Beimpolds Witwe Fischer eine ihm adäquate Mitspielerin. Denn die Beimpold setzt sich perfekt auf die Gags drauf, weiß ihre Chancen zu nützen. Dagegen ist der an sich hinreißende Toni Slama als Weinberl fast zu dezent. Oder er geht in der allgemeinen, aber rein künstlich beschworenen Hysterie unter.

Ruhepol im Schenkelklopfer-Gehetze: Sylvia Lukan in der kleinen Rolle des Fräulein von Blumenblatt. Exaltierter: Gabriele Schuchter als Madame Knorr. Einem Schnitzler-Stück scheint der gute Christoph Zadra entsprungen; Magdalena Kronschläger gelingt das nicht.

David Oberkogler wirkt als Christopherl fein mit; die Musiker rund um Helmut T. Stippich allerdings auch. Jodeln inklusive. Doch Nestroy hält das aus.

KURIER-Wertung: *** von *****

Bilder vom "Jux" in Reichenau

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