George Enescu International Festival 2021 in Romania

© EPA / ROBERT GHEMENT

Kritik
12/16/2021

Ein gigantischer Schostakowitsch-Marathon mit Valery Gergiev

Das Mariinsky Orchester St. Petersburg im Wiener Konzerthaus.

Von Susanne Zobl

Versteht man unter dem Begriff „Originalklang“ die Art, wie etwas klingen soll, dann trifft er auf Valery Gergievs Schostakowitsch-Interpretationen zu. An drei Abenden führte der russische Maestro mit seinem Mariinsky Orchestra im Wiener Konzerthaus durch den Kosmos dieses Komponisten.

Zu hören waren die Symphonien 1, 4, 7 und 8, das zweite Klavierkonzert und Konzerte für Cello und Violine, alle mit außerordentlichen Musikern. Jeder Symphonie war ein Solisten-Konzert vorangestellt. Gleichsam als Vorspiel fungierte die Erste, die Abschlussarbeit des Tonschöpfers am Petersburger Konservatorium. Das Frühwerk klang so, als müssten sich die russischen Gäste erst akklimatisieren. Das ging jedoch schnell.

Beim beim zweiten Klavierkonzert in F-Dur, das Schostakowitsch für die Abschlussprüfung seines Sohns Maxim gefertigt hatte, waren sie Denis Matsuev ideale Partner. Der agierte makellos, meisterhaft am Steinway mit brillanter Technik und klaren, präzisen Anschlägen.

Reiche Klangspektren

Wie gut sich Gergiev auf seine Solisten einstellen kann, demonstrierte er auch beim 1. Cello-Konzert in Es-Dur mit Gautier Capuçon, der das reiche Klangspektrum seines Instruments mit Virtuosität entfaltete. Zwischen Melancholie, Trotz und tiefster Schwermut des ersten Violinkonzerts in a-Moll changierte genuin der junge Geiger Emmanuel Tjeknavorian.

Aufwühlende Einblicke in das Seelenleben des Komponisten gewährte Gergiev dann bei den Symphonien. Jede einzelne eine Offenbarung. Präzisionsarbeit und Bekenntnis zur Authentizität, zur Unmittelbarkeit. Phänomenal stellte Gergiev bei der Vierten in c-Moll den von Stalin-Regime Verfolgten vor, ließ die Bedrängnis des Schöpfers spüren, betonte die Brüche und schlug den Bogen zur Nähe zu Mahler.

Die Siebte in C-Dur, die „Leningrader,“ geriet zur absoluten Überwältigungsmusik. Ein Schlachtengemälde aus Tönen, fulminant die eingängigen Motive, beklemmend das Anschwellen der Klänge. Wie zur Beruhigung dann die Zugabe, Dmitri Schostakowitschs Bearbeitung der „Morgendämmerung“ aus Mussorgskys Oper „Chowantschina“.

Mit der Achten in c-Moll wurde das Kriegsthema in all seiner Dramatik fortgesetzt und zugleich der Kreis zur Vierten geschlossen. Gergiev ließ das Gigantische dieser Symphonien drastisch spüren, damit sind nicht deren Längen gemeint, sondern deren Wirkung. Er setzte nicht auf Schönklang, sondern auf Wahrhaftigkeit. Das Publikum bejubelte jeden Abend.

 

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