Kultur
06.04.2018

Eibel Erzberg: Mit dem Grant verwandt

Diese Gedichte gehen nicht sofort ins Gehirn, sondern schlagen zuerst in der Magengrube ein.

Es ist immer ein Vergnügen, in den Gesichtern jener Menschen zu lesen, die zum ersten Mal mit einem Gedicht von Stephan Eibel Erzberg (er wurde in Eisenerz geboren) konfrontiert werden.
Denn wo gibt’s denn sowas? Er streut Schnittlauch auf seine Angst,  er reimt ein auf der Straße liegendes Papierl mit der Annamierl, er bekennt:
lieber verwandt
mit meinem grant
als am sand


Eibel Erzbergs Gedichte brechen herein wie selten angenehme CNN-Meldungen. Der Titel „breaking poems“ passt hervorragend.
Alles wirkt ursprünglich, Gedichte, die gerade erst aus dem Bett aufgestanden sind gewissermaßen, und dazu gehört auch, dass manches gesagt  wird, das man sich hätte sparen können.
Aber alles ist echt, hier dichtet einer, der sich  beim Schreiben nicht ändert, sich nicht versteckt. Der sich über die ÖVP ärgert. Der seinen toten Vater beweint.
Diese Gedichte  gehen nicht sofort ins Gehirn, sondern schlagen zuerst in der Magengrube ein, bevor sie ins Herz und ins Oberstübchen klettern.


Stephan
Eibel Erzberg:

„breaking poems“
Nachwort von Andrea Maria Dusl.
Limbus Verlag.
96 Seiten.
13 Euro.

KURIER-Wertung: ****