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HipHop
09/05/2013

Earl Sweatshirt: MC-Talent veröffentlicht "Doris"

Das US-amerikanische MC-Ausnahmetalent kehrt mit "Doris" vom Erziehungslager auf die HipHop-Bühne zurück.

von Marco Weise

Bei Earl Sweatshirt muss man ein wenig ausholen. Denn der mittlerweile 19-jährige US-amerikanische Rapper durfte schon als 16-jähriger mit den großen Jungs vom kalifornischen Weirdo Rap Kollektiv Odd Future, dem auch Frank Ocean angehört, um die Häuser ziehen. Die Mama hatte da natürlich was dagegen. Und so schickte sie ihren Sohn auf ein Internat für schwererziehbare Teenager. Dieses war aber nicht in Kalifornien, sondern in Samoa, also Mitten im Nirgendwo des Pazifischen Ozeans - weit weg von seiner Hood. Tja, Mütter können manchmal schon ziemlich gemein sein.

Thebe Neruda Kgositsile alias Earl Sweatshirt hat das Erziehungslager aber unbeschadet überstanden. Er hat jetzt wohl bessere Tischmanieren als vorher, eventuell sogar was fürs Leben gelernt und hilft vielleicht nun auch alten Damen über die Straße. In Sachen Rap-Skills hat er auf jeden Fall nichts verlernt. Auf seinem nun veröffentlichten Zweitwerk "Doris" sprudeln die Texte nur so aus ihm heraus. Schimpfwörter sind dabei aber selten - wie es sich für ein anständiges Bubi gehört.

Dabei vermittelt Sweatshirt eine sprachliche Lockerheit und eine enorme Reife. Wichtig ist ihm dabei eine neue HipHop-Attitüde an den Tag zu legen: Mit Goldketten, heißen Mädchen in scharfen Schlitten und blöden Macho- wie Ghetto-Sprüchen will er nichts zu tun haben. Das unterstreicht auch die Aussage von Tyler The Creator, dem Boss der Odd Future-Gang: "Ich hab' Odd Future gegründet, weil ich spüre, dass wir talentierter sind als 40-jährige Rapper, die was über Gucci erzählen".

Auf "Doris" trägt sich dann fast die ganze Odd Future-Gang mit einem Gastbeitrag ein. Besonders schön ist das Duett mit Franck Ocean: "Sunday". Die analog und roh klingenden Beats halten sich dabei aber immer sehr angenehm im Hintergrund, stören den Flow der Tracks nicht. Zu den Rhythmen gesellen sich zum Teil sehr bedrohlich klingende, gespenstische Bassläufe, holprige Klavier-Melodien ("Chum"), gen Atemstillstand gepitschte Vocals und Samples. Besonders in "Hive" stellt sich dadurch ein hypnotisch-lässiger Groove ein, der einen nicht mehr loslässt. Dass es Earl Sweatshirt mit "Doris" bereits in die Late Night Show von Jimmy Fallon geschafft hat, bestätigt den Stellenwert, den die Musik der Odd Future-Gang in den USA bereits hat.

Earl Sweatshirt - "Doris"

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