© Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Kritik
10/18/2020

"Die Zauberflöte": Eine (Über-)Fülle an Ideen, mit Charme präsentiert

Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ in einer Neuinszenierung von Henry Mason an der Wiener Volksoper.

von Peter Jarolin

Menschen, Mächte, Marionetten – auf diesen Nenner lässt sich die Neuproduktion von Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ an der Volksoper bringen. Vielleicht noch ergänzt um Vögel, Fantasie und Flower Power. Und um das Thema Klimawandel. Denn Regisseur Henry Mason hatte zu Mozarts Oper eine (Über-)Fülle an Ideen, die er im Haus am Gürtel mit Witz, Charme und Temperament präsentiert.

Ja, da gibt es die Liebesgeschichte zwischen Tamino und Pamina, den Konflikt zwischen Sarastro und der Königin der Nacht, den Zusammenprall mehrerer Welten, den Vogelfänger Papageno, der sich statt Weisheit lieber ein „Mädchen oder Weibchen“ wünscht und die Utopie einer besseren Welt.

All das zeigt Mason auf der bunt-liebevoll gestalteten, sich permanent in Bewegung befindlichen Drehbühne von Jan Meier (toll auch seine originellen, detailverliebten Kostüme) mit einer unbändigen Lust an An- und Überdeutungen.

So kommen die naturgemäß schwarz gewandete Königin der Nacht und ihre Damen aus einer Art Eisreich. Sarastro und seine Sektierer-Jünger wiederum betätigen sich auch als Gärtner, verhalten sich dann aber wie eine lateinamerikanische Militärjunta – Überwachungskameras inklusive. Dass diese Elterngeneration längst ausgedient hat, daran lässt Mason keinen Zweifel.

Viele Spielbälle

Denn der Spielball dieser zwei Systeme rebelliert bald in Gestalt von Tamino und Pamina. Und in Form von Marionetten (fabelhaft das Puppendesign und Coaching von Rebekah Wild). Mehrere stets sichtbare Puppenspieler sind nämlich damit beschäftigt, Miniaturmenschen, Vögel oder auch Pflanzen in Bewegung zu halten. Ein kleiner Tamino, eine kleine Pamina, die drei Knaben und vor allem Fauna und Flora – Mason setzt auf Zauber, Verzauberung und auf Symbolik. Monostatos als ein Geier oder Papageno als irokesenfrisurgestählter Pinguin seien als Beispiele genannt. Das klingt nach sehr viel? Ist es auch, jedoch es geht sich irgendwie aus. Denn jeder Besucher darf sich seine Sicht auf die „Zauberflöte“ aussuchen. Warum denn nicht?

Viele Stimmen

Zumal die Volksoper abseits aller Marionetten auch über exzellente Sängerinnen und Sänger verfügt. Da wäre etwa die Sopranistin Rebecca Nelson als eine in jeder Hinsicht exzellente Pamina. Da wäre aber auch Tenor Martin Mitterrutzner als lyrischer, schön phrasierender Tamino – extrem spielfreudig ist dieses Duo ohnehin.

Wie auch Jakob Semotan als köstlicher und stimmstarker „Pinguin“-Papageno und Juliette Khalil als eine zuerst am Rollator gehende, später aber quicklebendige Papagena. Stefan Cerny gibt überzeugend einen von der eigenen, stetigen Selbstinszenierung fast schon erschöpften Sarastro; mit Anna Siminska hat er als Königin der Nacht ein adäquates Pendant.

Karl-Michael Ebner gibt dazu einen präzisen Monostatos, die drei Damen (Cornelia Horak, Manuela Leonhartsberger, Rosie Aldridge), die Herren Yasushi Hirano, Daniel Ohlenschläger, David Sitka und Alexander Pinderak fügen sich nebst den drei Sängerknaben (meist im Graben positioniert) gut ein.

Ein Lob auch an den von Thomas Böttcher einstudierten Chor und das Orchester, die „ihren“ Mozart drauf haben. Bleibt die sehr sichere Dirigentin Anja Bihlmaier, die mitunter aber zu gedehnten, langsamen Tempi neigt. Sie ist den Protagonisten eine feinsinnige Begleiterin, darf aber an der einen oder anderen Stelle ruhig noch mehr Akzente setzen. Jubel!

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