Heimgartenrevue "Keine Angst": Verzweifelter Kampf um Unterstützung und Solidarität

© /Lupi Spuma

Kritik
03/06/2017

Die Schrebergartenanlage als Spiegelbild der Befindlichkeiten

Das Theater im Bahnhof brachte in Graz seine Revue "Keine Angst" zur Uraufführung.

von Thomas Trenkler

Als Intendantin des Grazer Schauspielhauses hatte Anna Badora, nun Direktorin des Wiener Volkstheaters, das Theater im Bahnhof kennengelernt. Sie beauftragte die Off-Bühne, sich mit diversen "Biotopen" zu beschäftigen und auf Basis von Interviews Stücke für das Volkstheater in den Bezirken zu entwickeln.

In der Saison 2015/’16 setzte die Grazer Truppe mit einem Faible für trashige Ästhetik, absurden Witz und schräge Soaps den "Fleischhauern in Wien" eine Art Grabstein – in Form einer Komödie, die ziemlich deprimierend endet.

Und nun widmete sich das Theater im Bahnhof den Kleingärtnern, deren Ängsten und Sorgen: Aus der Fülle des gesammelten Materials kompilierte Regisseur Ed. Hauswirth eine "Heimgartenrevue" mit dem Titel "Keine Angst", die ein wenig an die Themenabende von Christoph Marthaler erinnert.

Der Obmann des Vereins "Solidarität" und seine drei Mitstreiter protestieren gegen die geplante Nordostspange, die direkt durch die Schrebergartenanlage führen soll. Mit ihren Darbietungen als Viergesang werben sie voll Enthusiasmus um Unterstützer. Das Klischee, von Elisabeth T. Spira geprägt, stimme nicht; und man lasse sich nicht ins rechte Eck drängen.

Doch "Grenzziehung" ist für die vier köstlichen Typen (Lorenz Kabas, Juliette Eröd, Julian Loidl und Monika Klengel) kein Problem. Aus Angst vor den Fremden haben sie überall Videokameras und Alarmanlagen installiert. Die Schrebergärten mit den immer höher werdenden Zäunen sind, wie sich zeigt, in all ihren Facetten ein Spiegelbild der österreichischen Befindlichkeit.

Die bitterböse Revue – mit Liedern von Brahms bis Sting und Hansi Lang – entgleist zusehends: Man stellt einen "Sozi" (hinreißend Thomas Frank in Videozuspielungen) an den Pranger, statt "Solidarität" zählt nur noch der eigene Vorteil ...

Die Uraufführung fand am Freitag in Graz statt. Denn Anna Badora hatte sie kurzfristig abgesagt. Das Warum erklärte sich nicht.

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