Hier gibt es nichts zu sehen: Ariana Schirasi-Fard und Julian Loidl bei einem Sketch.

© Philine Hofmann

Kritik
06/26/2021

Die neue Simpl-Revue: FPÖ zum Hofer-Preis, und Kurz beim Gesangscontest

"Krone der Erschöpfung" im Theater im Park bietet unterhaltsames Lockdown-Resümee mit bissig-politischen Kommentaren und großer Spielfreude.

von Marco Weise

„Wir müssen uns endlich erholen“, steht im Begleittext zur neuen Simpl-Revue "Krone der Erschöpfung", die am Freitagabend im Theater im Park Premiere feierte. Es ist das zweite Programm von (und mit) Michael Niavarani. Mit deshalb, weil er sich (zumindest bei der Premiere) mehrmals auf der Bühne zeigte. Der wahrscheinlich beliebteste Komödiant des Landes und seit 2019 auch Chef des ehrwürdigen Wiener Kabaretts Simpl hat Angst, Angst, dass sich herausstellen könnte, dass von der ganzen Partie ausgerechnet H. C. Strache der einzige Anständige war. 

Er mache sich aktuell auch Sorgen um die ÖVP, die müsse man ja vor diesen Türkisen schützen; vor diesen ganzen Chatprotokollen, Postenschacherein; diesem Finanzminister, der sich an nichts erinnern kann, also ständig alles "verblümelt". 

Und was hat es eigentlich mit den ganzen „Dick Pics“ auf sich, fragt sich Niavarani: „Anfangs habe ich mir gedacht, das sind Fotos von mir“, sagt er, präsentiert seine stolze Pandemie-Wampe und erntet dafür Lacher und Beifall.

Zu diesem Zeitpunkt war der Abend bereits etwas gebraucht, waren über 30 Minuten der neuen Simple-Revue "Krone der Erschöpfung" vergangen.  Michael Niavaranis bissige Abrechnung mit der "Basti-Bande" war sowas wie der Gamechanger, der einen soliden Abend zu einem sehr guten machte.

Angefangen hat es leider weniger erleuchtend – und zwar mit einer Musical-Nummer und dem rappenden Conférencier Joachim Brandl: „Anstatt Pandemie gibt es Witz und Ironie“. Nach diesem seichten Start inklusive Schenkelklopfer der Marke Villacher Fasching hat man im strömenden Regen sitzend nur noch zwei Wünsche: Hoffentlich wird das noch besser. Und hoffentlich hört es bald zu regnen auf.

Beides wird sich im Laufe des Abends erfüllen.

Joachim Brandl macht seine anfängliche Gesangseinlage nämlich gleich wieder gut. Umgeben von einem „Second-Hand-Bühnenbild aus Reichenau“ blickt man auf das vergangene Jahr zurück, von dem alle etwas müde sind. „Die einen sind erschöpft von zu viel Yoga vor dem Fernseher, die anderen vom Online-Seminar ,Innenausstattung'. Auch Werner Kogler ist fix und fertig, findet Brandl. „Vom dauernden Bücken. So ein Kanzlerhintern küsst sich ja nicht von alleine.“ 

Aber jetzt sei ja mal Schluss mit Corona und alles wieder so wie früher. Man dürfe Pensionisten wieder angreifen und Stiegengeländer wieder abschlecken – oder vice versa. Man dürfe jetzt endlich wieder zum Wirten gehen, sich von der Kellnerin angranteln lassen (Hassliebe!) und nach Mitternacht sturzbetrunken nach Hause torkeln. Alles also so wie immer. Mit einer Ausnahme: Unsere Fußballer gewinnen plötzlich.

Ein weiterer Sketch bringt dann herrlich auf den Punkt, wie die ganzen Videokonferenzen im Homeoffice abgelaufen sind. Das hervorragend aufspielende, wandlungsfähige und spielfreudige Simpl-Ensemble (neben Joachim Brandl agieren Katharina Dorian, Jennifer Frankl, Ariana Schirasi-Fard, Julian Loidl, Matthias Mamedof und Bernhard Murg in unterschiedlichen Rollen) überzeugt auf voller Länge.

Großartig auch das in die Pandemie verlegte Krippenspiel, in dem Josef und Marias "Baby Shower" mit den Heiligen Drei Königen (darunter Balthasar aus Wien-Ottakring) von zwei römischen Soldaten wegen Nichteinhaltung der Corona-Maßnahmen aufgelöst wird.

Die FPÖ zum Hofer-Preis

Zwischen den Sketches wird es immer wieder extrem bissig-politisch. Abgerechnet wird vor allem mit den Türkisen, aber auch der „ehemalige Sicherheitszwerg“ Kickl, der nun die FPÖ „zum Hofer-Preis bekommen hat“, bekommt seinen Auftritt.

Dazwischen gibt es auch immer wieder Gesangseinlagen: Beim „Kiddy Contest der Regierung“ sorgt der den jungen Sebastian Kurz mimende Matthias Mamedof für Lacher: „Hier kommt Kurz“. Bernhard Murg gibt wunderbar den melancholischen Werner Kogler und interpretiert den STS-Klassiker „Irgendwann bleib i dann dort“ neu: „Letztes Jahr war fürn Oasch“. Unterbrochen wird er dabei immer wieder von der nicht eingeladenen, aber sich immer wieder auf die Bühne schummelnden SPÖ-Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner (großartig: Katharina Dorian). Sie wolle auch mitmachen – und ihr Lied singen, „weil ich Ärztin bin“. Herrlich!

Weitere Termine und Infos zu den Karten finden Sie hier.

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