Unter extremer Beobachtung: Prinz Harry und Meghan Markle bei einem Auftritt auf einer Marokko-Reise

© REUTERS/POOL New

Kultur
01/20/2020

Die Methoden der britischen Presse sind kriminell - und gnadenlos

Die "Vierte Gewalt" ist wieder einmal mit Hacking-Vorwürfen konfrontiert. Harry und Meghan erinnern die Öffentlichkeit daran.

von Philipp Wilhelmer

Die stolze und mächtige britische Presse kann so vieles: Den Mächtigen auf die Finger schauen. Die Fakten berichten. Die Öffentlichkeit aufklären. Royals durch Feuerreifen springen lassen.

Die britischen Prinzen und deren Frauen gehören zu den meistgelesenen Stories weltweit – sogar bei den Zugriffen auf den KURIER rangiert der Gossip aus England oft auf den ersten Plätzen. Wie es zu so manchen Skandalnachrichten kommt, wird selten berichtet, es ist aber eine eigene Geschichte. Eine von kriminellen Machenschaften.

So hat Prince Harry im Herbst Klage gegen die Verlage der Boulevardblätter Sun und Daily Mirror eingereicht. Er sei Opfer von gehackten Telefonen geworden, gab der Prinz vor Gericht an. Das erinnert an den Skandal um News of the World, einer Zeitung aus dem Reich des Medientycoons Rupert Murdoch (Sun, Fox News). Die Zeitung wurde 2011 zugesperrt, nachdem herausgekommen war, wie skrupellos ihre Reporter Telefonmailboxen gehackt hatten. Murdoch gelobte Besserung.

Munteres Abhören

Die angeblich damals abgestellte Praxis des Phonehackings dürfte munter weitergegangen sein, legen die außergerichtlichen Aktivitäten betroffener Verlage im vergangenen Jahrzehnt nahe. Die Zeitungen achten genau darauf, dass kein Fall mehr öffentlich verhandelt wird. Es gibt bereits hunderte Klagen, die sich an das zuständige Gericht wandten.

Also einigt man sich. Mit viel Geld.

Britische Experten in Sachen Schutz der Privatsphäre verweisen darauf, dass die Verlage für außergerichtliche Einigungen bereit sind, „nahezu jede Summe zu bezahlen“, sagt die Interessensvertretung „Hacked Off“.

Die Dimensionen sind schwindelerregend: Allein die Murdoch-Gruppe (Sun) soll bereits 400 Millionen Pfund zur diskreten Schadensbereinigung ausgegeben haben. Das berichtete im Vorjahr die BBC. Laut dem Artikel könnten sich die Gesamtkosten der Affäre für alle beteiligten Zeitungen auf sage und schreibe rund eine Milliarde Pfund belaufen. Kein Lercherl.

Scheinwerfer Harry

Umso schwerer wiegt Harrys Klage, weil er wieder ein Schweinwerferlicht auf diese ungustiöse Affäre wirft.

Der ehemalige Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger, hat am Wochenende einen Artikel veröffentlicht, in dem er mit den Methoden der britischen Royalwatcher abrechnet. Jene Zeitungen, die besonders hart mit Meghan und Harry ins Gericht gingen, seien oft auch jene, die millionenschwere Klagen am Hals hätten, argumentiert er. Die Leser würden darüber jedoch nicht informiert. Und: Die Berichterstattung über das Königshaus sei seit jeher eine, die sich über ihre Quellen ausschweigt. Subtext: Gibt es die namenlosen Zeugen, die Infos an die Reporter weitergeben wirklich? Oder wird hier wieder gehackt?

Aus Geschäftssicht lohnt es sich jedenfalls, Meghan und Harry zu jagen. „Die Zahlen sind ist unwiderstehlich“, argumentiert Rusbridger. „Mit diesem Paar lassen sich Zeitungen verkaufen und Aufmerksmakeit im Milliardenmaßstab generieren.“

Der "News of the World"-Skandal

Die Hacking-Vorwürfe lassen Erinnerungen an einen der größten Medienskandale in der Geschichte Großbritanniens wach werden. Die Boulevardzeitung News of the World hatte jahrelang heimlich die Mobilboxen von Promis belauscht.

Mithilfe von Privatdetektiven sollen die Reporter des Boulevardblattes  sogar Nachrichten auf der vollen Mailbox eines damals vermissten jugendlichen Mordopfers gelöscht haben, um Platz für neue zu machen und so an mehr Informationen zu kommen. Damit waren bei Familie und Freunden der Vermissten falsche Hoffnungen geweckt worden, das Mädchen sei noch am Leben. Verleger Rupert Murdoch  schloss die riesige Sonntagszeitung daraufhin handstreichartig.

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